: Sebastian Pieters
: Auf acht Metern um die Welt
: Aequator
: 9783957370044
: 1
: CHF 8.80
:
: Welt, Arktis ,Antarktis
: German
: 208
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Weltumseglung ist ein großes Abenteuer. Viele träumen davon, einmal aus eigener Kraft, nur mit Hilfe des Windes um den Erdball zu wandern, fortlaufend seine Position zu finden, kurzum, einmal im Leben etwas ganz Besonderes zu verwirklichen. Leider wagen immer weniger junge Menschen dieses Abenteuer. Sebastian Pieters hat es gewagt. Als er anfing davon zu träumen hatte er weder Geld noch Boot. Und dennoch segelte er mit 22 Jahren los. Wie? Es steht in diesem Buch. Quasi ein Erfolgsrezept, wie man unmöglich scheinende Pläne, ohne lange zu zaudern, in die Tat umsetzen kann. (Bobby Schenk in seinem Vorwort zu 'Auf acht Metern um die Welt')

Auf dem Atlantik

Um mich herum ist es stockdunkel. Der Wind pfeift und ich spüre, wie sich das Heck langsam hebt und eine weitere Schaumkrone gurgelnd unter derKiwitt hindurch läuft. Nur anhand der Bewegung, die unser kleines Schiff macht, kann ich erahnen, wie groß diese ist. Kurz darauf senkt sich das Heck wieder und der Bug zeigt Richtung Himmel. Dieser Rhythmus wiederholt sich nun schon seit Tagen. Piep piep, piep piep, piep piep, schallt es durch die Dunkelheit. Der kleine Küchenwecker, der neben mir liegt, erwacht zum Leben. Nur schwer widerstehe ich dem Reflex ihn über Bord zu werfen. Dieser kleine Quälgeist treibt mich noch in den Wahnsinn. Man genießt das Spiel der Elemente in absoluter Finsternis und er ermahnt einen unerbittlich alle zehn Minuten einen Blick in die Nacht zu werfen. Als wüsste ich nicht selbst, dass das sinnvoll ist. Aber irgendwie kommt der Alarm immer wieder überraschend schnell. Notgedrungen verlasse ich also meine geschützte Position unter der Sprayhood, richte mich auf und starre in die Dunkelheit. Die Nacht ist so rabenschwarz, dass ich nicht einmal unseren Mast, geschweige denn den Bug unserer kleinen acht Meter langenKiwitt sehen kann. Wie erwartet sehe ich auch diesmal überhaupt nichts. Seit Tagen das gleiche Bild. Auf dieser endlosen Wasserfläche trifft man kaum ein anderes Schiff. Was habe ich mir damals eigentlich gedacht, als ich immer davon geträumt habe den Atlantik zu überqueren? Ich hatte eine Vorstellung, wie lange man für die Seemeilen brauchen würde, aber was es wirklich bedeutet, wenn nach einer ganzen Woche das Bergfest noch in weiter Ferne liegt, konnte ich nur erahnen. Unbeirrt schiebt der Passat dieKiwitt durch die Dunkelheit. Das einzige bisschen Licht in meiner kleinen Welt ist der Windanzeiger an der Mastspitze, der von der Topplaterne fahl beleuchtet wird. Die Pfeilspitze des Windanzeigers zeigt genau nach achtern; okay, genau ist vielleicht übertrieben. Genau wäre sie, wenn man das arithmetische Mittel aus ihren Ausschlägen von fast Steuerbord bis fast Backbord bilden würde. Durch das Passatsegeln geigt dieKiwitt so hin und her, dass einem beim Beobachten des Windanzeigers ganz übel wird. Mit Mühe balanciere ich daher zurück zu meinen windgeschützten Platz unter der Sprayhood und stelle meinen kleinen Quälgeist auf die nächsten zehn Minuten.

Was habe ich mir dabei gedacht? Woher kommt die Sehnsucht die Welt zu bereisen? Ich glaube, der Anfang dieser Sehnsucht liegt weit zurück. Beim Familienurlaub am Meer. Da standen wir im roten Licht und beobachteten, wie die Sonnenscheibe langsam hinter dem Horizont verschwand. Wir haben uns unzählige Sonnenuntergänge angeschaut und