Kalle Erik Karlsson war ein alter Bekannter der Polizei in Grølleborg. Schwedischer Abstammung und somit dem Erbe verfallen, alkoholischen Getränken gegenüber noch ein wenig aufgeschlossener zu sein als der Rest der skandinavischen Welt, klaute, trickste und trank sich Karlsson, wie amtlich vermerkt wurde, seit seinem 16. Lebensjahr – und das lag immerhin schon 30 Jahre zurück – durch Grølleborg und Umgebung. Sein Vorstrafenregister war entsprechend umfangreich, aber seiner Ansicht nach wohl noch unvollständig, und so hatte er am Morgen dieses herrlichen Maitages beschlossen, seinen Radius auszudehnen und endlich mit der Umsetzung einer lang geplanten Tour de Danemark zu beginnen. Doch ähnlich wie beim Brettspiel, hatten die Falschen die richtige Zahl gewürfelt und ihn kurz nach Erreichen des ersten Abschnitts auf seine Startposition zurückgeworfen. Kalle Karlsson ärgerte sich nicht und ergab sich widerstandslos den beiden Wikingern Lars und Erik, die ihren Gefangenen noch am selben Abend nach Grølleborg überführen wollten. Malte schlug den dreien aus dem 112. Distrikt vor, doch erst morgen früh zu fahren und statt dessen dieses köstliche Ereignis hier im Polizeihaus zu feiern, mit Bier und Fleischbällchen. So verlängerte sich Kalle Erik Karlssons Odyssee um einen gemütlichen Abend im roten Backsteinhaus an der Brogade.
Und dann saß man zusammen, bei Pfeifenqualm und Bier, während Jørgensen in Schürze mit brutzelnder Pfanne ins Zimmer kam, Malte das Brot brach, Erik und Lars sich zuprosteten und Kalle Karlsson in das Waschbecken seiner gemütlichen kleinen Zelle kotzte. Es wurde viel gesungen an diesem Abend, viel gelacht und noch mehr gegessen und getrunken. Gegen zwei suchte Malte schwankend und vergeblich nach dem Zellenschlüssel, schickte dann achselzuckend Kalle mit dem Gebot ins Bett, die Tür doch bitte bis morgen zehn Uhr geschlossen zu halten. Kalle, schon weit jenseits davon, mit dem Wort ›Tür‹ oder den verschwommenen Gestalten, die ihn umgeisterten, etwas anfangen zu können, seufzte tief durch, sackte auf die Pritsche und schlief bereits. Gegen drei gingen die Lieder zur Neige, das Bier floß nur noch stoßweise. Gegen vier war Malte als einziger noch ein wenig Herr über seine Sinne. Er raffte sich mühsam auf, bastelte aus Teppichen und Wolldecken ein Nachtlager und verschob die willenlosen Gestalten über den Boden wie Schachfiguren, bis sie strategisch vernünftig positioniert waren. Er deckte Jørgensen zu, öffnete ein Fenster, wankte zur Tür, drehte den Lichtschalter, taumelte die Treppe hoch und stürzte kopfüber in Jørgensens Bett. Während Erik und Lars sich infantil lächelnd in ihre Lederanzüge kuschelten, glitt Jørgensen, begleitet von ein paar zufriedenen Grunzlauten, langsam ins Reich der Träume.
Die Sonne sinkt rasch, und ein lauer Wind aus Nordwest weht den leicht fauligen Geruch der Bucht über den Mühlendamm. Ein roter Wolkenstreifen leuchtet