Einleitung
Was ist eigentlich Coaching? Vereinfacht ausgedrückt, ist Coachingdie Brücke zwischen Ihrem derzeitigen Leben und dem, was Sie erreichen wollen.
Coaching unterstützt Sie in Ihrer Entwicklung. Es geht um eine Veränderungsbegleitung, deren Fokus auf dem Erhalt oder der Stärkung der eigenen Leistungsfähigkeit und einer gesunden Work-Life-Balance liegt. Ein Coach unterstützt seinen Klienten – in der Fachsprache Coachee genannt – bei der Bewältigung verschiedener Situationen. Er fördert durch den Coachingprozess die Selbstreflexion, ermöglicht das Erkennen von Problemursachen und verhilft zur Klärung und Lösung von belastenden Situationen.
Ich möchte die oben genannte Brückenmetapher in diesem Buch aufgreifen und Ihnen anhand dieses Bildes einen Leitfaden für Ihr Selbstcoaching an die Hand geben. In vier Schritten leitet Sie dieses Buch durch Ihren lösungsorientierten Selbstcoachingprozess.
Zur Orientierung will ich diese Schritte kurz skizzieren:
- Identifizieren Sie jenen Bereich in Ihrem Leben, in dem Sie „eine neue Brücke bauen“, d. h. eine Veränderung bewirken möchten. Egal, ob es sich um eine familiäre oder berufliche Situation handelt, einen zwischenmenschlichen Konflikt oder eine persönliche Entscheidung, die es zu treffen gilt.
- Widmen Sie sich dem neuen Ufer – also Ihrem Wunschziel.
- Bevor Sie sich auf den Weg dorthin machen: Halten Sie kurz inne, um das alte Ufer, Ihre aktuelle Lebenssituation, nochmals bewusst wahrzunehmen. Vielleicht wollen Sie gerne etwas auf die Reise mitnehmen oder sich von etwas bewusst verabschieden.
- Beschreiben Sie den Weg zum neuen Ufer. Wird er steinig sein? Gibt es Möglichkeiten, Energie zu tanken? Werden Sie alleine gehen, oder kommt jemand mit? Sichern Sie mit den entsprechenden Vorkehrungen Ihre Zielerreichung ab.
Für jeden dieser vier Bereiche stelle ich Ihnen passende Übungen und Interventionen vor. Sie können jeweils nur eine der angebotenen Methoden anwenden oder alle ausprobieren. Bei den meisten empfehle ich Ihnen, Notizen zu machen. Statt Ihre Gedanken schriftlich niederzuschreiben, können Sie natürlich auch Bilder oder Zeichnungen anfertigen. Durch diese schriftliche Selbstreflexion erreichen Sie eine bessere Fokussierung Ihrer Aufmerksamkeit. Auch wenn Ihr erster Gedanke ist: „Das brauche ich nicht, Nachdenken genügt!“ – vertrauen Sie mir und organisieren Sie sich einen Block bzw. ein Heft und einen Stift. Diese unscheinbaren Hilfsmittel werden Ihnen beim Konkretisieren und Umsetzen Ihrer Ziele eine große Hilfe sein. Die festgehaltenen Gedanken, die Sie immer wieder zurate ziehen und nachlesen können, liefern Ihnen im Lauf der Zeit wertvolle Hinweise über Sie selbst, Ihre Ressourcen und bestehende Hindernisse. Sie dokumentieren auf diese Weise Ihren eigenen Coachingprozess, der als Schritt-für-Schritt-Vorgehen in Ihrem eigenen Rhythmus abläuft.
Bei den meisten Übungen finden Sie zudem auch Fallbeispiele als Anregung und zur Verdeutlichung des Zwecks der jeweiligen Methode.
Schritt für Schritt in die richtige Richtung
Ein Missverständnis, auf das ich beim Thema Coaching immer wieder stoße, ist die Vorstellung, es gäbeden einen richtigen Weg. Diesen gälte es zu finden, dann wäre man endlich glücklich, zufrieden, wohlhabend, was auch immer. Die schlechte Nachricht ist: Die eine glückselig machende Antwort auf drängende Lebensfragen oder Problemsituationen gibt es nicht. Die gute Nachricht lautet: Was es sehr wohl gibt, auch wenn das weniger spektakulär klingt, istder nächste Schritt in die richtige Richtung. Bereits dieser eine erste Schritt in die von Ihnen eingeschlagene Richtung zieht weitere Schritte und Folgewirkungen nach sich, die Sie Ihrem Ziel näher bringen und sogar völlig neue Lebensperspektiven eröffnen können.
Wichtige Lebensfragen für sich zu klären ist inzwischen keine einmalige Angelegenheit mehr, sondern eine immer wiederkehrende Aufgabe bzw. Herausforderung. Denken Sie nur an die heute verfügbaren Ausbildungsmöglichkeiten. Nachdem ich maturiert hatte, was schon geraume Zeit zurückliegt, ging es nach der Vorentscheidung Studium oder Arbeiten um die Frage, für welche Studienrichtung ich mich entscheiden sollte. Schon damals keine leichte Aufgabe. Erst recht schwierig ist die Berufswahl aber für heutige Jugendliche, die nicht nur einer immer größer werdenden Zahl von Studienangeboten gegenüberstehen, sondern auch noch unter Hunderten Fachhochschul- und sonstigen Ausbildungslehrgängen wählen können. Das bedeutet eine ungeheure Optionenvielfalt, die es enorm schwierig macht, sich zu orientieren und Entscheidungen zu treffen. Einmal im Berufsleben angekommen, werden wir angesichts unsicherer Beschäftigungsverhältnisse und selbst gewählter Jobwechsel immer wieder vor weitere berufliche Neuentscheidungen gestellt.
Stabile Zonen schaffen
Ein Konzept, das sich mit den zahlreichen Veränderungen in unseren Lebenswelten auseinandersetzt, ist das der „stabilen Zonen“ von Roswitha Königswieser (2013). Es besagt, dass stabile Zonen (wie Familie, Beziehungen, Beruf, Werte etc.) für Menschen eine wichtige Bedeutung haben. Ihr Verlust ist auch jeweils ein Verlust an Identität. Ganz ohne stabile Zonen können wir nicht leben. Je unsicherer die Situationen rund um uns werden, desto wichtiger ist, sich der eigenen stabilen Zonen bewusst zu werden bzw. diese zu etablieren. Noch vor einer Generation war es der Normalfall, an jenem Ort aufzuwachsen und zur Schule zu gehen, an dem man geboren worden war. Vielleicht ging man zwecks Ausbildung einmal woanders hin, kam dann aber häufig zurück, ergriff einen Beruf, gründete eine Familie, bezog eine eigene Wohnung oder baute ein Haus, blieb lebenslang bei ein