Kapitel 2
Lian saß lächelnd auf einem Stuhl und sah Caylen durchdringend an.
„Was ist?“, fragte dieser nach einer Weile gereizt. Seine Stimme zitterte unter der Anstrengung, seine Wut im Zaum zu halten.
Lian antwortete nicht und wandte den Blick von ihm ab, das Grinsen auf seinem Gesicht verschwand allerdings nicht.
„Du hast doch tatsächlich versagt, ihn unter Kontrolle …“
„Schweig!“, fuhr Caylen ihn an und schlug mit der Faust auf den Tisch ein, auf dem er sich niedergelassen hatte.
„Schon gut, schon gut“, meinte Lian und hob kopfschüttelnd die Hände. „Ich sag nichts weiter dazu.“
Caylen murmelte etwas Unverständliches und entfernte sich dann von ihm.
Lian folgte ihm mit seinem Blick und ließ ihn nicht aus den Augen.
In den vergangenen Tagen hatte Lian vergeblich versucht, Caylen aufzuspüren, der wie vom Erdboden verschluckt schien, bis er plötzlich wie aus dem Nichts wieder vor ihnen stand und tobend vor Wut sein anderes Ich verfluchte.
Es hatte lange Zeit gedauert, bis Lian erfahren hatte, dass der andere Caylen den Heiligen Gral seiner Schwester überreicht hatte und mit letzter Kraft versuchte, sich in den Abgrund des Nichts zu stürzen, ehe sein dunkles Ich die Kontrolle zurückgewinnen konnte und sich selbst vor dem Tod bewahrte.
„Was regst du dich eigentlich so auf?“, fragte Lian nach einer Weile vorsichtig und