: Stephany Rose
: Die Tränen der Einhörner 3 Die Versuchung
: Jim Humble Verlag
: 9789088790690
: 1
: CHF 8.80
:
: Fantasy
: German
: 193
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Engel Caylen wird damit betraut, Eliya zurück auf die Pfade des Lichts zu führen, doch als sein Auftrag für beendet erklärt wird, nimmt sie sich aus Verzweiflung das Leben.
Er verkraftet den Tod seines Schützlings nicht und sucht verzweifelt nach einem Weg, sie wiederzubeleben. Hierbei stößt Caylen auf den Heiligen Gral, der seine unglaubliche Macht in Verbindung mit dem Blut der Einhörner zu offenbaren scheint.
Miriel, Caylens Schwester, wird wegen ihrer Gabe, die Zukunft vorhersehen zu können, damit beauftragt, den Gral, den ihr Bruder gestohlen hat, zurückzubringen.
Unterstüt ung bei ihrer Suche findet sie in dem Magier Sirion.
Stephanie Rose ist es gelungen, eine fantastische Welt zu schaffen, die fesselt und begeistert. Seite um Seite baut sich ein Spannungsbogen auf, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Mit Mystik und Dramatik schafft die Autorin eine zunehmend dichte Atmosphäre, die sich in einem überraschenden Ende entlädt.
Wird es Miriel gelingen, ihren Auftrag zu erfüllen?

Kapitel 1


Sirion starrte gelangweilt aus dem Fenster und betrachtete die einzelnen Wolken, die in unregelmäßigen Abschnitten die Sonne verdeckten und wandernde Schatten auf die Erde warfen.

Seit einigen Tagen fiel es ihm schwer, sich zu entspannen oder gar zu konzentrieren und seinen Aufgaben und Studien nachzukommen. Seine Gedanken begannen, wie schon die Tage zuvor, zu wandern und jedes Mal, wenn er versuchte, diesen eine Richtung zu geben, verblasste alles.

Er ließ den Kopf hängen und zuckte kaum merklich zusammen, als seine Stirn auf das kalte Glas des Fensters traf. Ein leiser Seufzer entrann seiner Kehle, und er wandte sich schließlich von diesem ab.

Seit Therun wieder errichtet und sein Lehrmeister Rayan zum neuen Leiter ernannt worden war, hatte er begonnen, sich dem Studium der anderen Welt zu widmen, in der Hoffnung, sich an das zu erinnern, was er vergessen glaubte. Tief in seinem Innern konnte er fühlen, dass sich die Antwort irgendwo in seinen Studien verborgen hielt.

Sein Blick glitt über die weite Ebene, die tief unterhalb der Mauern Theruns lag und sich bis an den Horizont erstreckte. Die fernen Bäume, die mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen waren, verloren allmählich ihr grünes Blätterkleid und nahmen die goldrote Farbe der untergehenden Sonne an.

Sirion runzelte die Stirn, als seine Gedanken sich erneut den vielen offenen Fragen zuwandten, und er ließ resigniert den Kopf hängen.

‚Yasu …‘, dachte er betrübt. ‚Ich wünschte, ich könnte dir all die Fragen stellen, die mir auf der Zunge brennen … Du kennst die Antwort, nicht wahr? Du weißt, wonach ich suche … hilf mir, bitte …‘

„Denkst du schon wieder nach?“, fragte eine freundliche, tiefe Stimme hinter ihm und ließ Sirion erschrocken herumfahren. Beschämt strich er sich das Haar aus dem Gesicht, als er erkannte, dass es nur Meister Rayan war, der zu ihm sprach.

„Ja und nein …“, antwortete er schließlich langsam und wandte sich wieder dem Fenster zu. „… etwas beunruhigt mich … Etwas … nein, ich habe vergessen, was es ist.“ Er schüttelte den Kopf und rieb sich die Stirn. „Meister …“

Sirion verstummte und hielt für einen Moment den Atem an.

‚Nein, ich kann Euch nichts von alledem erzählen …‘, dachte er und seufzte