Blut, überall Blut!
Frieder spürte, wie ihm die warme Brühe Schuhe und Beinkleider durchtränkte. Er watete durch einen See aus Blut und wollte nur fort. Aber wohin?Wohin? Schreiend fuhr er auf, und die Schwärze der Nacht umgab ihn. Er fühlte, wie sein Herz raste.
»Was ist los?«
Es war Michels Stimme.
»Nichts«, murmelte Frieder. »Es ist nichts.«
Sein Mund war vollkommen trocken, und er hätte Gott weiß was für einen Schluck Wasser gegeben. Noch immer hastig atmend, lauschte er seinem Herzschlag.
»Du hast schlecht geträumt«, hörte er Michel sagen.
Eine Kerze flackerte auf, und das Licht reichte gerade so aus, dass sich die beiden jungen Männer gegenseitig erkennen konnten. Sie lagen auf dem Dachboden der Scheune eines Weinbauern irgendwo bei Trient. Frieder hatte im Schlaf die Decke von sich gestrampelt.
»Wieder einer deiner schlimmen Träume?«, fragte Michel.
Frieder seufzte schwer. »Was weißt du denn davon?«
»Du träumst diese Träume oft.«
Die beiden jungen Männer blickten einander an. Dann rieb sich Frieder mit beiden Händen übers Gesicht.
»Das kommt vom Essen. Es liegt mir schwer im Magen.«
Michel entgegnete nichts darauf.
»Ich werde mal nach Hagen sehen«, meinte Frieder und richtete sich auf seinem Lager auf.
»Das kann ich doch machen.«
Michel wollte seine Decke zur Seite schieben.
»Nein, lass nur«, wehrte Frieder ab. »Schlaf weiter. Du kannst ja dann später nach ihm sehen.«
»Ja«, antwortete Michel nur.
Er legte sich wieder hin und sah zu, wie Frieder in seine Schuhe schlüpfte und sich mit den Händen durch das Haar fuhr. Er streckte sich, dass seine Gelenke knackten.
»Lösch das Licht«, sagte er zu Michel, »am Ende brennt noch alles nieder.«
Frieder lachte leise. »Ein Unglück reicht uns, hab ich recht?«
Damit spielte er auf Hagens Verletzung an, die sie gezwungen hatte, hier, auf diesem kleinen Weingut, zu halten. Wenigstens so lange, bis der Ritter wieder reiten konnte.
Der junge Graf sah zu Michel, der die Augen geschlossen hatte. Wahrscheinlich war er schon wieder eingeschlafen. Er trat leise zu ihm und löschte mit zwei Fingern die Flamme. Dann schlich er sich zur Leiter und stieg behutsam, Tritt für Tritt, hinunter bis auf den Boden. Im Hof gab es einen Brunnen, dachte er. Das Wasser dort musste kühl sein, und er freute sich schon auf den ersten Schluck, als er in die sternenklare Nacht hinaushuschte.
Aber Michel schlief nicht. Er lauschte den leisen Schritten des Gefährten, bis er ihn nicht mehr hören konnte. Über ihm im Gebälk der Scheune rauschte es. Dann war es wieder still. Sicher eine Eule, die von ihrer nächtlichen Jagd zurückgekehrt war, dachte der Junge. Angst hatte er nicht. Im Moment war er sogar froh darüber, dass Frieder nicht neben ihm lag und schlief. Der Graf war ihm unheimlich, wenn er so heftig träumte, und immer, wenn er mitten in der Nacht schreiend auffuhr, versetzte ihn dies für einen Augenblick in große Furcht. Die Träume mussten äußerst blutig sein.
***
»Herr ...! Hört Ihr mich? Könnt Ihr mich hören?«
Wolf erkannte die Stimme nicht. Er wusste nicht einmal, was geschehen war. Er wollte antworten, aber es gelang ihm nicht. Jegliche Regung war ihm unmöglich. Er lag auf dem Rücken.
»Herr ...!«
Jemand legte ihm eine Hand auf die Stirn. Dann kam der Schmerz. Er konnte nicht feststellen, woher, der Schmerz wurde größer und größer, wuchs in ihm, bis ihm auf einmal alles weh tat. Ganz besonders schmerzte ihn die Brust, und mit jedem Atemzug nahmen die Schmerzen dort noch zu. Er hustete, weil er das Gefühl hatte, sonst keine Luft mehr zu bekommen.
»Er kommt zu sich!«, rief jemand.
»Woher willst du das wissen?«
»Er hat gehustet, ich hab’s gehört.«
»Setzt ihn auf.«
»Nein«, rief j