2Albatross Books
2.1 Zur Geschichte des Verlags
Die Firma The Albatross Verlag Hamburg GmbH wurde 1931 von John Holroyd-Reece und Christian Wegner gegründet und von Letzterem aus Paris geleitet.[18] Der Verlag wurde am 12. November 1931 in das Handelsregister Leipzig eingetragen und von Amts wegen am 29. Juli 2013 gelöscht.[19] Gerade in englischen Quellen ist in diesem Zusammenhang teilweise von Max Wegner die Rede, wobei es sich um die gleiche Person handelt. Christian Wegner hieß mit vollem Namen Max Christian Wegner.[20] Dies kann durchaus zu Verwirrungen und Irrtümern führen. Auch da es mehrere Eigentümer des Verlags gab, ist die Angabe zu den Gründern des Verlags unterschiedlich. Während Christian Wegner selbst in einem Zeitungsartikel schreibt: »So wagte ich es schon 1931 mit Hilfe englischer Freunde, einen neuen Verlag in Hamburg und Paris zu gründen«[21], ist Christian Wegner in Michael BhaskarsThe Content Machine als Mitgründer des Verlags nicht erwähnt. Der Autor erwähnt lediglich Kurt Enoch in Kooperation mit dem italienischen Verleger Arnoldo Mondadori und John Holroyd-Reece.[22]
Die finanzielle Unterstützung erhielt der Verlag durch Sir Edmund Davis, während Kurt Enoch für den Vertrieb verantwortlich war.[23] Auch die Werbung soll in seinen Händen gelegen haben.[24] Laut anderen Aussagen war Enoch darüber hinaus auch Teilhaber des Verlags[25], wie oben bereits erwähnt. Das eine schließt zwar das andere nicht aus, es ist jedoch ein großer Unterschied. Enoch stammt aus einem »liberalen jüdischen Elternhaus«[26], was bedeutet, dass er in Deutschland aufgrund seiner Herkunft durch den Aufstieg des Nationalsozialismus unter Beobachtung stand und Repressalien ausgesetzt war. Das war für den international agierenden Albatross Verlag auch von wirtschaftlicher Bedeutung. Enoch betreute den Vertrieb der Albatross Bücher von Hamburg aus, wo auch sein eigener Verlag beheimatet war.[27]
Wie sehr sich der Einfluss des Nationalsozialismus auf den deutschen Buchhandel in inhaltlicher, personeller und wirtschaftlicher Hinsicht auswirkte, belegt die Tatsache, dass Kurt Enoch gezwungen war seinen eigenen Verlag 1936 zu verkaufen und zunächst nach Paris und 1940 in die USA auszuwandern.[28]
Wegen der Teilhaberschaft von Enoch musste sich der Albatross Verlag auch mit der Reichskulturkammer auseinandersetzen, die im dritten Reich die Arisierung des deutschen Buchhandels vorantrieb, im Sinne von Kontrolle und Gleichschaltung. Nach dem Ausscheiden Enochs wurde Erich Kupfer Geschäftsführer der Firma.[29]
Kupfer war es auch, der im Zuge der Arisierung des Grieben Verlags dem jüdischen Verleger Viktor Goldschmidt ein Angebot zur Übernahme seines Verlags machte.[30] Dies wurde von der Reichskulturkammer argwöhnisch beobachtet:
[…] der Albatros [sic!]-Verlag habe zwar in Herrn Kupfer eine