PROLOG
„Ich verlange eine Lösung dieses Problems!Und zwar schnell!“
Geschmeidig wie eine Raubkatze und schäumend vor Wut lief der Scheich von Zangrar in dem mit dicken Perserteppichen ausgelegten Raum auf und ab. Dann blieb er abrupt stehen und bedachte eine Gruppe von Männern, die wie eingefroren um einen auf Hochglanz polierten, antiken Tisch saßen, mit einem sengenden Blick.
„Die Zeit läuft uns weg, und ich betone noch einmal, dass ich nicht im Traum daran denke,diese Frau zu heiraten!“
Sein harsches Statement wurde mit einem kollektiven Seufzer entgegengenommen, und dann schnatterten seine Berater plötzlich alle durcheinander. Das Gewirr aus unsinnigen Vorschlägen und nervösen Gesten entlockte dem Scheich ein zynisches Schnauben. Aus diesem Chaos sollte eine befriedigende Problemlösung entstehen? Und womöglich noch eine von äußerster Brisanz und Bedeutung für sein Land?
Sie benehmen sich wie aufgescheuchte Karnickel, dachte er grimmig und zog verächtlich die Mundwinkel nach unten.
„Euer Exzellenz …“ Einer der Berater erhob sich und presste die zitternden Hände gegeneinander. „Wir haben alles gründlich überprüft – es gibt keinen Weg, diese Eheschließung abzuwenden.“
„Dann gehen Sie alles noch einmal durch“, befahl er mit einer täuschend sanften Stimme, deren Klang den armen Mann erblassen ließ. „Wir müssen eine Schwachstelle finden! Irgendetwas, das uns erlaubt, diesen lächerlichen Kontrakt aufzulösen.“
„Genau das ist unser Problem, Euer Exzellenz … es gibt keine. Ihr Vater hat den Ehevertrag vor sechzehn Jahren zusammen mit dem Kronprinzen von Rovina aufgesetzt, nur wenige Monate vor dessen Tod. Sie kannten sich seit der Schulzeit, und später in der Armee …“
„Ich brauche keine Belehrung darüber,warum ich mich in dieser unerträglichen Situation befinde, sondern einen praktikablen Vorschlag, wie ich da rauskomme!“, herrschte der Scheich ihn an.
„Tut mir leid, Euer Exzellenz“, murmelte der Unglückliche todesmutig. „Aber Sie müssen Prinzessin Alexandra von Rovina zu Ihrer Frau machen. Vielleicht erweist sich das Ganze ja auch als Gewinn und …“ Seine Stimme verebbte unter dem glühenden Blick seines Gebieters.
„Das ist absurd! Dierebellische Prinzessin! Ist das nicht die Bezeichnung der Klatschpresse für meine zukünftige Frau? Seit sie alt genug ist, das öffentliche Parkett zu betreten, hat sie nur Chaos produziert. Sie fährt ihre Luxusschlitten zu Schrott, feiert Partys bis zur Bewusstlosigkeit und betreibt Sex, als sei er eine olympische Disziplin. Dabei ist sie gerade mal vierundzwanzig! Erklären Sie mir doch bitte, wie so ein Geschöpf eine Bereicherung für Zangrar sein soll!“
Tödliches Schweigen war die Antwort auf seine Frage. Der Scheich zog eine schwarze Braue hoch. „Kein weiterer Kommentar?“
Die mangelnde Bereitschaft seiner Berater, das Ausmaß der Katastrophe zu erkennen, brachte ihn an den Rand einer Explosion. Gleichzeitig versetzte ihn sein eigener Mangel an Beherrschung derart in Rage, dass er am ganzen Körper bebte.
Mit wenigen Schritten war er beim Fenster und versuchte, sein Temperament zu zügeln. Aber es wollte ihm nicht gelingen.
„Hinaus!“, befahl er mit schneidender Stimme. „Alle!“
In seinem Rücken erklangen scharrende Geräusche, und in kürzester Zeit herrschte absolute Ruhe. Seine Berater hatten eiligst die Chance zur Flucht ergriffen, was angesichts seiner üblen Laune durchaus verständlich war. Der Scheich seufzte und rieb sich die schmerzende Stirn. Er wusste nicht, was ihn mehr störte: der Gedanke an Heirat im Allgemeinen oder die Vorstellung, ausgerechnet Prinzessin Alexandra ehelichen zu müssen.
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