1. KAPITEL
Jamilah Moreau musste sich zusammenreißen, um nicht vor Glück fröhlich wie ein kleines Kind über den Boulevard de Grenelle zu hüpfen. Als sie zum Eiffelturm hinüberschaute, schnitt sie eine. Was für ein Klischee! schoss ihr durch den Kopf. Sie war in Paris, es war Frühling, und sie war bis über beide Ohren verliebt.
Jamilah war sich der bewundernden Blicke nicht bewusst, die ihrer ungewöhnlichen Erscheinung folgten. Ihr seidiges schwarzes Haar war ein Erbe ihrer merkazadischen Mutter, ihre strahlend blauen Augen stammten von ihrem französischen Vater.
Ich könnte die ganze Welt umarmen, dachte sie glücklich. Am liebsten hätte sie ihre Einkaufstüten in die Luft geworfen und vor Freude laut herausgelacht.
Bisher hatte Jamilah immer geglaubt, die Leute würden übertreiben, wenn sie von Paris alsStadt der Liebe schwärmten. Doch jetzt verstand sie. Man musste verliebt sein, um es zu sehen! Kein Wunder, dass sich ihre Eltern hier ineinander verliebt hatten.
Ihr Herz schlug freudig vor Erregung. Sie wollte die Arme ausbreiten und rufen: Ich liebe Salman al Saqr, und er liebt mich! Bei diesem Gedanken verspürte sie einen Stich. Ihre Freude war plötzlich getrübt.
Genau genommen hatte Salman ihr noch gar nicht gesagt, dass er sie liebte. Selbst heute Morgen nicht, als sie ihm ihre Liebe gestanden hatte. Nach einer Nacht voller Leidenschaft hatte sie vor Glück die Worte keine Sekunde länger zurückhalten können. Schon seit Tagen brannten sie ihr auf den Lippen.
Erst vor drei Wochen war sie Salman wieder begegnet. Direkt vor den Toren der Universität, in der sie gerade ihre Abschlussprüfungen hinter sich gebracht hatte, war sie ihm über den Weg gelaufen. Sie waren zusammen aufgewachsen, aber Jamilah hatte ihn seit Jahren nicht mehr gesehen.
Beim Anblick ihrer ersten Liebe war eine Hitzewelle durch ihren Körper gejagt und ihre Beine hatten so stark gezittert, als würden sie jeden Moment unter ihr nachgeben.
Salmans wilde dunkle Locken und seine durchdringenden schwarzen Augen, die schon immer Geheimnisse und dunkle Schatten zu bergen schienen, waren unverändert. Doch er war noch attraktiver als damals, denn mittlerweile war er ein Mann geworden. Groß, breitschultrig und selbstbewusst stach er aus der Menge heraus.
Vor Jamilahs Augen verschwamm alles, sie schwankte. Doch da fasste Salman mit festem Griff ihren Arm und gab ihr Halt. Gerade wollte er sie mit einem anerkennende