Klärungsprozesse in der Klärungsorientierten Psychotherapie
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Rainer Sachse
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Klärungsprozesse in der Klärungsorientierten Psychotherapie
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Hogrefe Verlag GmbH& Co. KG
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9783840927263
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1
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CHF 19.90
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Psychologie
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German
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127
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Das Anregen und Steuern von Klärungsprozessen bei Klienten ist der zentrale Kern der Klärungsorientierten Psychotherapie. Die Klärung von Schemata und Motiven ist für Klienten sehr schwierig: Therapeuten benötigen daher ein hohes Maß an Expertise, insbesondere in Form von Klärungsstrategien. Therapeuten benötigen aber auch Wissen über Klärungsprozesse, Prozessziele und darüber, welche Rahmenbedingungen sie zur Klärung schaffen sollten, damit sie erkennen können, auf welcher Prozessstufe sich ein Klient befindet und was der Klient jeweils an gezielter Unterstützung durch den Therapeuten benötigt. Dieses Buch vermittelt Therapeuten eine solche Expertise: Es legt dar, worauf Therapeuten achten sollen und unter welchen Bedingungen sie die Klienten-Prozesse durch welche Strategien konstruktiv steuern können. Die angeführten Strategien sind alle empirisch getestet und haben sich in der praktischen Anwendung der Klärungsorientierten Psychotherapie vielfach bewährt.
3 Klärung und Klärungsprozesse (S. 42-43)
In diesem Kapitel wird dargestellt, worum es bei Klärung geht, wie Klienten Klärungsprozesse durchführen und wie Therapeuten die Klärungsprozesse von Klienten konstruktiv steuern können.
3.1 Klärung
Wir gehen davon aus, dass einem Klienten Schema-Annahmen oft nicht bewusst sind oder sie ihm nicht völlig klar sind, er sie nicht gut ausdrücken, nicht genau fassen kann: Obwohl die Schema-Inhalte in einem kognitiven Code vorliegen, kann der Klient die Inhalte nicht, nicht genau, nicht präzise oder nicht valide in Sprache fassen. Diese Umsetzung von Schema-Inhalten in Sprache, in exakte und valide Formulierungen ist aber notwendig,
• um die Inhalte im Therapieprozess kommunizieren zu können;
• damit die Inhalte dem Klienten völlig bewusst repräsentiert sind;
• damit die Inhalte auf Stimmigkeit und Problemrelevanz geprüft werden können;
• und: damit die Inhalte in kognitiven Techniken hinterfragt, geprüft und widerlegt werden können.
Die Umsetzung (oder „Übersetzung“) von (eher impliziten) Schema-Inhalten in explizite sprachliche Aussagen nennen wir Klärung oder Explizierung, und den Prozess, der dieses bewirkt, nennen wir Klärungs- oder Explizierungsprozess (vgl. Sachse, 1992a, 2003a, 2005a, 2008a; Sachse& Fasbender, 2010; Sachse, Fasbender& Breil, 2009; Sachse& Sachse, 2011).
Dabei gehen wir davon aus, dass
• der Klärungs- oder Explizierungsprozess vom Klienten vollzogen wird und vollzogen werden muss: Nur der Klient hat Zugang zu seinem Schema und nur der Klient kann implizite Bedeutungen für sich stimmig in explizite Bedeutungen umsetzen;
• der Klärungs- oder Explizierungsprozess aber von einem Therapeuten durch entsprechende Interventionen angeleitet oder gesteuert werden muss;
• somit Klient und Therapeut gemeinsam an der Klärung arbeiten: Der Klient als Experte für die Inhalte und der Therapeut als Experte für den Prozess.
3.2 Die Schwierigkeit des Explizierungsprozesses und die Notwendigkeit einer Prozesssteuerung durch den Therapeuten
Ich selbst und andere haben eine Reihe von Prozessstudien zu Klärungsprozessen von Klienten und Steuerungsprozessen von Klienten und Steuerungsprozessen von Therapeuten durchgeführt, aus denen wesentliche Konsequenzen für die Konzeption von Therapie abgeleitet werden können (zusammenfassend siehe Sachse, 2014a; Sachse& Sachse, 2009). Diese Studien sind: Atrops& Sachse, 1994; Bullmann, 2006; Frohburg& Sachse, 1992; Kramer& Sachse, 2010, 2013; Reicherts& Montini-Lirgg, 2006; Sachse, 1988a, 1988b, 1990a, 1990b, 1990c, 1990d, 1991a, 1991b, 1991c, 1991d, 1992a, 1992b, 1992c, 1993a, 1994, 1997a, 1997b; Sachse& Atrops, 1991; Sachse& Maus, 1987, 1991; Sachse& Neumann, 1983, 1986, 1987a, 1987b; Sachse& Rudolph, 1992a, 1992b; Sachse& Sachse, 2009; Sachse& Takens, 2003; Takens, 1995, 1996, 2001.
Aus diesen Prozessstudien kann man die folgenden Schlussfolgerungen für psychotherapeutische Prozesse ziehen:
• Klärungsprozesse sind für Klienten schwierig: Klienten brauchen dafür Zeit und sie brauchen dafür in hohem Maße Hilfe und Unterstützung vom Therapeuten.
• Klienten vollziehen konstruktive Klärungsprozesse ohne therapeutische Hilfestellung nur sehr selten und ohne konstruktive Steuerung neigen sie dazu, die Prozesse eher zu verschlechtern.
• Therapeuten können konstruktive Klärungsprozesse in sehr hohem Ausmaß fördern, wenn sie geeignete Strategien dafür anwenden.
• Therapeuten können aber durch ungünstige Strategien Klärungsprozesse auch behindern oder beeinträchtigen.
• Selbst mit therapeutischer Unterstützung sind Klärungsprozesse für Klienten schwierig und langwierig.
• Klienten lassen sich meist vom Therapeuten konstruktiv steuern: Klienten erwarten konstruktive Unterstützung vom Therapeuten.
• Klärungsprozesse laufen in bestimmten Stufen ab und Therapeuten müssen die Prozesse in der richtigen Reihenfolge steuern, um die Prozesse gut zu fördern.
• Obwohl Therapeuten einen hohen steuernden Einfluss auf Klienten haben, determinieren therapeutische Interventionen die Klientenprozesse keineswegs vollständig: Klientenprozesse sind nicht völlig vorhersehbar und determinierbar, der Klient hat in seinen Prozessen viele Freiheitsgrade und stellt Therapeuten immer wieder vor neue Herausforderungen.
• Der steuernde Einfluss von Therapeuten auf die Prozesse von Klienten ist dann besonders hoch, wenn die Therapeut-Klient-Beziehung gut ist.
• Je besser der Therapeut den Klienten versteht und je zentraler und besser der Therapeut auf den Klienten eingeht, desto besser kann der Therapeut die Prozesse des Klienten steuern.
• Je besser die Qualität der therapeutischen Interventionen des Therapeuten ist (kurz, präzise, zentral, einfach, eindeutig), desto besser steuern diese die Prozesse des Klienten.
Klärungsprozesse in der Klärungsorientierten Psychotherapie
1
Inhaltsverzeichnis
7
Danksagung
11
1Was sind und was sollen Klärungsprozesse: Eine Einführung
13
2Schema-Theorie
16
2.1Was sind Schemata?
16
2.2Kognitive und affektive Schemata
17
2.3Verarbeitungsprozesse
18
2.4Exekutive Schemata
20
2.5Filter-Funktion und Akkommodation
21
2.6Schema-Ebenen
22
2.7Netzwerkstruktur kognitiver Schemata
24
2.8Zugänglichkeit von Schemata
26
2.9Schema-Arten
26
2.10Schemata und Beziehungsmotive
30
2.11Schemata und emotionale Verarbeitung
34
2.12Beispiele für die Schema-Arten bei verschiedenen Beziehungsmotiven
35
3Klärung und Klärungsprozesse
44
3.1Klärung
44
3.2Die Schwierigkeit des Explizierungsprozesses und die Notwendigkeit einer Prozesssteuerung durch den Therapeuten
45
3.3Der Klärungsprozess im Überblick
46
3.4Der Explizierungsprozess
49
3.5Vertiefung und Steuerung
50
4Die Stufen und Prozesse des Explizierungsprozesses im Einzelnen
52
4.1Einleitung
52
4.2Keine persönlichen Probleme
52
4.3Intellektualisierung
52
4.4Unkonkreter Bericht
53
4.5Konkreter Bericht
53
4.6Situation im Fokus
54
4.7Klärung der Verarbeitungsprozesse
54
4.8Rekonstruktion von Schema-Aspekten
54
4.9Funktionen
55
5Wie unterstützt ein Therapeut den Klärungsprozess des Klienten
57
5.1Grundsätzliche Überlegungen
57
5.2Keine persönlichen Probleme
58
5.3Intellektualisierung
59
5.4Unkonkreter Bericht
59
5.5Konkreter Bericht
60
5.6Fokussieren auf die Situation
60
5.7Fokussieren auf Verarbeitungsprozesse
60
5.8Rekonstruktion von Schema-Annahmen
62
6Therapeutische Intervention zur Klärung
65
6.1Einleitung
65
6.2Synthetische und analytische Interventionen
65
6.3Therapeutisches Tempo von Interventionen
73
6.4Therapeutische Strategien
75
7Eine besondere therapeutische Strategie: Explikationen durch den Therapeuten
82
7.1Einleitung
82
7.2Implikationsstrukturen
82
7.3Explikationen durch den Therapeuten
85
7.4Therapeuten können oft Implikationen vor dem Klienten erkennen
90
7.5Explizierungen haben Voraussetzungen
91
8Klären bis an die Kante des Möglichen
92
8.1Die Ambivalenz von Klärungsprozessen
92
8.2Die Vermeidungsstrategien
93
8.3Therapeutische Arbeit an der Kante des Möglichen
94
9Therapeut-Klient-Beziehung
97
10Ein besonderer Aspekt von therapeutischer Klärung: Klärung impliziter Motive
99
10.1Einleitung
99
10.2Alienation
99
10.3Motivklärung
103
11Klärungsprozesse an Beispielen
105
11.1Beispiel 1: Der Prozess des Herrn G.
105
11.2Das Transkript
105
11.3Kommentar
109
11.4Beispiel 2: Klientin mit dependenter Persönlichkeitsstörung
111
11.5Das Transkript
111
Literatur
118