: Paula Daly
: Schattensplitter E-Book Only Kurzkrimi
: Manhattan
: 9783641165413
: 1
: CHF 0.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 100
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wie weit würdest du gehen, um die zu schützen, die du liebst?
Nach zehn Jahren ist Catherine zurückgekehrt in das verschlafene Örtchen Windermere in der englischen Grafschaft Cumbria. Vorbei sind die glücklichen, finanziell erfolgreichen Zeiten - heute wird Catherine von ihren einstigen Freunden gemieden und muss jede Arbeit annehmen, um sich über Wasser zu halten. Doch fortgehen kann sie nicht. Noch nicht. Es gibt einen Menschen, der sie in Windermere hält - und eine Sache, die sie tun muss, bevor sie ihre Vergangenheit für immer hinter sich lässt ...

Ein Kurzkrimi der brillanten englischen Spannungsautorin.

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Paula Daly wurde in Lancashire geboren und lebt heute mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und Hund Skippy im englischen Lake District. Sie arbeitete freiberuflich als Physiotherapeutin, lebte für kurze Zeit in Frankreich, vermisste aber bald den gewohnten Trubel und kehrte nach Großbritannien zurück. Ihre Romane 'Der Mädchensucher' und 'Herzgift' wurden von Presse und Lesern begeistert gefeiert und etablierten Paula Daly als Autorin brillanter psychologischer Spannungsromane.

Bis zum heutigen Tag habe ich in meinem ganzen Leben nur ein einziges Mal betteln müssen, und damals waren die Umstände denkbar anders.

»Catherine«, seufzt er, »oh, Catherine. Wie viele hast du vor mir schon gefragt?«

Das Büro ist dunkel und verdreckt, es stinkt nach den Dieselabgasen aus der benachbarten Werkstatt. Neben seinem Schreibtisch steht ein einzelner Aktenschrank, dessen unterste Schublade durch regelmäßige Fußtritte völlig eingedellt ist.

»Zwei«, antworte ich.

Skeptisch zieht er die Augenbrauen hoch. »Nur zwei?«

»Also schön. Neun.«

Er lächelt gelassen und überfliegt meine Bewerbung, die vor ihm auf dem Schreibtisch liegt. Seine Wangen sind schlaff und seine Tränensäcke geschwollen, aber abgesehen davon hat er sich kaum verändert. Er trägt den gleichen zerknitterten Anzug wie früher, an den Schultern zu breit und an den Ärmeln zu kurz.

»Deine Fähigkeiten sind mehr als ausreichend«, sagt er. »Ehrlich gesagt bist du sogar überqualifiziert. Und wie ich sehe, achtest du auch auf dein Äußeres. Gut siehst du aus, Catherine. Aber du warst ja immer schon eine sehr gepflegte Erscheinung.«

Ich nehme das Kompliment mit einem Nicken an, auch wenn er total daneben liegt. Unter meinem Wollmantel trage ich eine transparente Bluse, die so alt ist, dass sich an den Achseln gelbe Flecken gebildet haben. Meine ehemals gute Hose ist an den Knien schon ganz abgewetzt. Meine Schuhe sind ebenfalls alt. Alt und abgelaufen.

»Du weißt, ich würde dir liebend gern helfen«, sagt er.

»Dann hilf mir.«

»Wir sind ein Familienbetrieb. Ich bin, was Aufträge angeht, auf die Bewohner dieser Stadt angewiesen. Wenn sich rumsprechen würde, dass du hier arbeitest …« Er unterbricht sich, zuckt die Schultern. »Tja, wer weiß, was dann wäre.«

Ich stehe auf. Zwinge mich zu lächeln und reiche ihm über den Schreibtisch hinweg die Hand. »Vielen Dank für deine Zeit, Bill«, sage ich, ohne ihm in die Augen zu sehen. »Ich verstehe, wie schwierig das ist. Ich verstehe, dass du so ein Risiko nicht eingehen kannst.«

Er steht ebenfalls auf. Beugt sich vor, umfasst meine Finger mit beiden Händen, drückt zu. »Nein«, sagt er leise, »das kann ich nicht.«

Als ich die Hand zurückziehen will, hält er mich fest. »Warum bist du zurückgekommen, Catherine? Sicher hättest du es anderswo leichter.«

Ich schüttele den Kopf, als käme das nicht in Frage. Er lässt meine Hand los, kommt um den Schreibtisch herum und bleibt dicht vor mir stehen.

»Pass auf dich auf, meine Liebe.«

Eine Aufforderung zu gehen. Ich streiche meinen Mantel glatt. Schlage die Augen nieder, um Bill weitere Peinlichkeiten zu ersparen.

»Bestimmt wird sich etwas anderes ergeben wird«, sagt er.

Ich will mich abwenden, aber dann zögere ich. Er war meine letzte Hoffnung. »Bitte, Bill«, flüstere ich. »Kannst du nichts für mich tun?«

»Nein.«

Ich hebe den Kopf, begegne seinem Blick. »Bill, ich flehe dich an.«

»Ich weiß. Ich weiß, meine Liebe.«

Der schneidend kalte Januarwind fegt durch die Hauptstraße von Windermere. Ich schlage meinen Kragen hoch, recke das Kinn in die Höhe und marschiere los, als hätte ich jedes Recht, hier zu sein. Meine Körperhaltung soll Selbstbewusstsein vermitteln. Ich setze die Miene einer tapfer