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Kate hatte ihren Ford Crown Vic bei einer Gebrauchtwagenauktion der Polizei gekauft. Der verbeulte, verspachtelte Schlitten gehörte nicht zu den Wagen, die attraktive, berufstätige Frauen Anfang dreißig üblicherweise bevorzugten. Aber solche Frauen trugen normalerweise als Accessoires auch keine Glocks undFBI-Marken. Und sie hatten auch keine schmale Narbe am Bauch, als Andenken an einen angriffslustigen Messerstecher.
Kate fuhr gern gebrauchte Polizeiwagen, denn sie waren günstig, wartungsarm und mit einigen Extras ausgestattet, die ein Toyota Prius nicht hatte: kugelsichere Türen, die bei einer Schießerei gute Deckung boten, leistungsstarke V8-Motoren, die sich hervorragend für Verfolgungsjagden auf der Autobahn eigneten, und Frontschutzbügel aus Stahl, mit deren Hilfe man andere Wagen aus dem Weg schieben konnte.
Sie war gerade in Richtung Norden auf dem Freeway 405 durch den Sepulveda Pass unterwegs, als ihr Boss, der leitende Special Agent Carl Jessup, anrief. Nicolas Fox, die Nummer sieben auf derFBI-Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher, war soeben dabei, sich auf Platz sechs vorzuarbeiten.
»Vielleicht war es doch keine so gute Idee, einen Weltklassedieb und Betrüger vor dem Gefängnis zu bewahren«, sagte Jessup in seinem liebenswerten Kentucky-Akzent. »Und noch schlimmer ist, dass wir ihm Zugang zu dem Geld verschaffen, das wir in geheimer Mission Bösewichtern abnehmen, um damit unsere verdeckten Operationen zu bezahlen. Sowohl Nick als auch eine Million Dollar aus unserem Bestand scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben.«
»Dafür gibt es bestimmt eine ganz harmlose Erklärung«, meinte Kate.
»Nichts an Nicolas Fox ist harmlos.« Das wusste Kate besser als jeder andere. AlsFBI-Agentin hatte sie Nick fünf Jahre lang gejagt, bevor sie ihn endlich hinter Gitter bringen konnte. Zu ihrem Entsetzen hatten Jessup und der Stellvertretende Direktor desFBI, Fletcher Bolton Fox, ihn in Rekordzeit wieder entlassen. Denn sie hatten einen Plan: Fox würde undercover für dasFBI arbeiten, unterstützt von Kate, die nebenher auch noch darauf achten sollte, dass er keine krummen Dinger mehr drehte. Gemeinsam sollten sie Großkriminelle schnappen, denen mit konventionellen Methoden nicht beizukommen war. Also blieb Nick ein hochkarätiger Verbrecher, der im Geheimen für dasFBI arbeitete, und Kate blieb eine ausgezeichneteFBI-Agentin, die verdeckt mit einem international gesuchten Flüchtigen zusammenarbeitete.
Und deshalb legte Kate sich im Augenblick in die Kurven des Sunset Boulevard, als wäre es der Talladega Superspeedway. Sie hoffte, Nick in seinem Pentho