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»Wir haben so viel Kuchen übrig«, sagt Nora, als wir wieder zu Hause sind, und hebt eine Plastikgabel an den Mund.
Kleine Teigkrümel und grüne Glasur rieseln auf den Tresen zwischen uns. Wie sich herausgestellt hat, mag Ellen eigentlich nichts Süßes. Und sie hat uns erklärt, dass sie auch keine Blumen mag, als ich sagte, ich hätte ihr wohl lieber die kaufen sollen. Aber keinen Kuchen? Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist, aber ich esse ihn gern für sie.
Obwohl sie die meisten Sachen hasst, hatte sie trotzdem Spaß mit uns. Und so sehr sie sich auch bemüht hat, nicht zu grinsen – es hat nicht geklappt. Nora hatte das Schild in der Ladentür aufGESCHLOSSEN gedreht, und wir haben »Happy Birthday« gesungen. Dabei haben wir festgestellt, dass ich ein furchtbarer Sänger bin. Aber selbst ohne richtige Melodie oder Kerzen haben wir Ellen spüren lassen, dass uns ihr Geburtstag nicht egal ist.
Nora hat einen Pop-Sender auf ihrem Handy gestreamt, und Ellen hat mehr mit ihr geredet als jemals mit mir. Unsere improvisierte Party ging nur ungefähr eine halbe Stunde, dann wurde Ellen nervös, weil der Laden geschlossen war. Ich hatte auch das Gefühl, dass sie nicht mehr über sich sprechen wollte, was ein Jammer ist. Ich stelle oft fest, dass die Leute, die ungern über sich selbst reden, die sind, mit denen ich mich am liebsten unterhalte.
»Mehr für uns«, sage ich, nehme mir eine frische Gabel vom Tresen und steche mir eine Ecke vom Kuchen ab. Nora sitzt auf dem Stuhl neben mir, ein Bein auf der Sitzfläche angewinkelt. Die kleinen Pizzastücke auf ihren Socken sind schräg und anbetungswürdig zugleich. Ich strecke einen Arm aus und tippe ihr auf den Fuß.
»Was hat es eigentlich mit denen auf sich?«, frage ich.
Sie leckt sich die Lippen. »Das Leben ist zu kurz, um langweilige Socken zu tragen«, antwortet sie achselzuckend und nimmt noch eine Gabel voll Kuchen.
Ich sehe auf meine Socken, die weiß sind, mit Grau an den Fersen und Zehen. Sie sind langweilig. Und vor allem sind esKniestrümpfe. Kein Mensch trägt mehr Kniestrümpfe.
»Ist das dein Lebensmotto?«
Sie nickt. »Eins von mehreren«, sagt sie mit vollem Mund.
Da ist Kuchenglasur an ihrer Lippe, und ich wünschte, wir wären in einer romantischen Komödie, wo ich sie einfach mit dem Finger wegwischen könnte. Nora würde ganz verträumt schauen, und wir beide hätten Schmetterlinge im Bauch, während sie sich an mich lehnt.
»Du hast Glasur an der Lippe«, sage ich, was das genaue Gegenteil einer romantischen Geste sein dürfte.
Sie wischt sich mit dem Daumen über den Mund und verfehlt die Stelle.
»Willst du sie nicht für mich abwischen? In Filmen ist das die beste Einleitung zu einem Kuss.«
Also denkt sie dasselbe wie ich, und aus irgendeinem G