: Sarah Lotz
: Tag Vier Thriller
: Goldmann Verlag
: 9783641177751
: 1
: CHF 7.10
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Drei Tage im Paradies, aber am vierten bricht die Hölle los.

Am vierten Tag einer Kreuzfahrt durch den Golf von Mexiko hält das betagte Schiff „Beautiful Dreamer” plötzlich und unerwartet an. Die Maschinen lassen sich nicht wieder starten, es gibt keinen Strom, keinen Funkempfang, und weder Passagiere noch Crew-Mitglieder können Rettung anfordern. Als die Situation sich verschlimmert und das Essen sich dem Ende neigt, beginnt die Besatzung unruhig zu werden. Und dann wird noch die Leiche einer jungen Frau in ihrer Kabine entdeckt, Panik bricht aus. An Bord hält sich ein Mörder auf – aber das ist noch nicht alles: Merkwürdige Dinge geschehen, und bald wünschten alle, es wäre nur ein Mörder, der unter ihnen ist.

Sarah Lotz ist Drehbuch- und Romanautorin und lebt mit ihrer Familie und diversen Tieren in Kapstadt, Südafrika.

Die Helferin der Hexe

Maddie wartete, bis sich Celine mitten in ihrem Eröffnungsmonolog befand, dann bahnte sie sich den Weg zwischen den Schalenstühlen hindurch und steuerte auf den leeren hinteren Bereich der Starlight Dreamer Lounge zu. Als sie beinahe dort angelangt war, dröhnte die Stimme des Kreuzfahrtdirektors aus der Lautsprecheranlage und übertönte Celines Geplapper mit seiner Erinnerung, dass die Silvesterfeierlichkeiten in »T minus zwei Stunden« beginnen würden.

»Stimmen von oben«, scherzte Celine, doch Maddie ließ sich von dieser Zurschaustellung guter Laune nicht täuschen: Celine hatte sich den ganzen Tag wie ein Rottweiler mit Zahnschmerzen benommen, hatte den Techniker hinter der Bühne zur Schnecke gemacht, als er sich beim Befestigen des Mikrofon-Senders an ihrem Rollstuhl in ihrem Kleid verhakt hatte, und hatte sich darüber beklagt, dass sich der Spot nicht an der richtigen Stelle befände, um ihr Haar zu nimbieren.

»Sie müssen wissen«, fuhr Celine fort, nachdem die Durchsage verklungen war. »Wenn Sie alle wieder zu Hause ankommen, erholt und sonnengebräunt und vielleicht ein paar Pfund schwerer«, sie wartete, bis ein Anflug von Gelächter wieder verebbte, »werden Sie nicht allein sein. Meine Freunde, nach all den Jahren, seit ich Menschen helfe, mit Verstorbenen in Kontakt zu treten, kann ich Ihnen zwei Dinge versichern. Erstens: Es gibt keinen Tod. Und zweitens: Die Seelen derjenigen, die die materielle Welt verlassen haben, sind immer bei uns …«

Nachdem Celine wieder auf Kurs war, gestattete sich Maddie, ein wenig abzuschalten. Sie lehnte sich gegen eine Säule und versuchte vergeblich, die Kopfschmerzen zu lindern, die sie seit dem ersten Tag der Kreuzfahrt quälten, indem sie sich den Nacken massierte. Vermutlich handelte es sich nur um eine Nebenwirkung des Medikaments gegen Reiseübelkeit, das sie einnahm, doch die grellbunte Umgebung war auch nicht gerade hilfreich. Wer auch immer die Innenausstattung des Schiffs entworfen hatte, stand total auf Neon nach Las-Vegas-Art und nackte männliche Engel; man konnte nirgendwohin gehen, ohne von einer beleuchteten Palme geblendet oder von einem Cherub lüstern angeglotzt zu werden. Aber: Nur noch eine Nacht, dann wäre sie raus aus diesem schwimmenden Drecksloch. Wenn sie wieder in ihrer Wohnung war, würde sie sich als Erstes ein Bad einlaufen lassen und sich das Schiff von der Haut schrubben. Anschließend würde sie sich bei Jujubee’s etwas zum Mitnehmen holen – würde sich das Krabben-Special mit Glasnudeln und Extra-Knoblauch gönnen. Die Kalorien konnte sie sich erlauben; sie hatte im Lauf der