Der blinde Passagier
Carol versuchte ihre zunehmende Nervosität zu verbergen und sah sich im Wartebereich des Terminals um. Die farbenfroh gekleideten Folklorepuppen in den Schaukästen wollten so gar nicht zu den grimmigen Polizisten passen, die davor auf und ab patrouillierten. Die Handvoll Passagiere, die darauf warteten, an Bord zu gehen, warfen ihnen hasserfüllte Blicke zu.
»Die Suche dauert schon zu lange«, sagte einer von ihnen, als sich Carol in ihrer rauchblauen Uniform der Gruppe näherte. »Die Schlächter sind sauer.« Er wandte sich an Carol. »Wie lange fliegen Sie schon, Stewardess?«
»Drei Jahre«, antwortete Carol.
»Dafür sehen Sie noch sehr jung aus. Sie hätten das Land vor der Besatzung erleben sollen. Damals war hier alles voller fröhlicher Menschen. Zwanzig Verwandte haben mich bei meinem letzten Besuch verabschiedet. Jetzt wagt es keiner mehr, sich blicken zu lassen. Es ist nicht klug, sich in der Öffentlichkeit mit Leuten zu zeigen, die Verbindungen nach Amerika haben.«
Carol senkte die Stimme. »Heute sind sehr viel mehr Polizisten als sonst hier. Kennen Sie den Grund dafür?«
»Ein Dissident ist ihnen entkommen«, flüsterte er. »Angeblich ist er vor einer Stunde irgendwo in der Nähe gesichtet worden. Sie werden ihn bestimmt schnappen. Ich hoffe nur, ich muss das nicht mit ansehen.«
»In einer Viertelstunde beginnt das Boarding«, entgegnete Carol. »Entschuldigen Sie mich, ich muss zum Kapitän.«
Tom kam soeben von der Zentralen Disposition. Als sich ihre Blicke trafen, nickte er ihr zu. Wie lang würde es ihr noch einen Stich versetzen, wenn sie ihn sah, diesen wunderbaren, groß gewachsenen Mann in seiner dunklen Uniform? Dabei wäre es längst an der Zeit, in ihm nichts weiter als einen Piloten zu sehen und nicht mehr den Mann, in den sie so verliebt gewesen war.
»Du wolltest mich sprechen, Kapitän?«, sagte sie so förmlich wie möglich.
»Hast du nach Paul gesehen?«, fragte Tom ebenso kühl wie sie.
Carol musste sich eingestehen, dass sie seit ihrer Landung in Danubia keinen Gedanken mehr an den Chefsteward verschwendet hatte. Aufgrund der Nebenwirkungen einer Auffrischimpfung war ihm nicht ganz wohl, deshalb war er im Ruheabteil der Crew geblieben, solange die Maschine für den Rückflug nach Frankfurt aufgetankt wurde.
»Nein, Kapitän. Das Räuber-und-Gendarmspiel unserer Freunde hier hat mich mehr interessiert.« Mit dem Kopf deutete sie in Richtung der Polizisten.
Tom nickte. »Ich möchte nicht in der Haut dieses armen Kerls stecken, wenn sie ihn erwischen. Sie gehen davon aus, dass er sich irgendwo auf dem Flughafen herumtreibt.«
Kurz spürte sie wieder die Vertra