: Paula Daly
: Herzgift Psychothriller
: Manhattan
: 9783641156473
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine glückliche Ehe, zwei hinreißende Töchter und ein florierendes kleines Hotel im englischen Lake District: Natty und Sean Wainwright stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Das Glück wird getrübt, als die jüngere Tochter auf der Klassenfahrt schwer erkrankt. Natty macht sich sofort auf den Weg nach Frankreich – nur gut, dass ihre beste Freundin Eve gerade zu Besuch ist und Sean in Nattys Abwesenheit unterstützen kann. Doch als Natty nach zwei Wochen zurückkehrt, erwartet sie ein Albtraum: Eve hat ihr den Mann ausgespannt und ihr Zuhause übernommen. Selbst ihre Töchter werden von Eve umgarnt. Natty ist fassungslos. Die einst so enge Frauenfreundschaft wandelt sich in nackten Hass – und ein mörderischer Zweikampf beginnt …

Paula Daly wurde in Lancashire geboren und lebt heute mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und Hund Skippy im englischen Lake District. Sie arbeitete freiberuflich als Physiotherapeutin, lebte für kurze Zeit in Frankreich, vermisste aber bald den gewohnten Trubel und kehrte nach Großbritannien zurück. Ihre Romane »Der Mädchensucher« und »Herzgift« wurden von Presse und Lesern begeistert gefeiert und etablierten Paula Daly als Autorin brillanter psychologischer Spannungsromane.

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Leben Sie immer in der Gegenwart?

Ich auch nicht.

Ich versuche es. Ehrlich. Im Laufe des Tages halte ich immer wieder inne und sage mir:Das ist es. Dieser Moment istalles, was du hast. Genieße ihn. Spür ihn. Umarme die Gegenwart.

So kommt es, dass ich jetzt in diesem Augenblick in die Aufgabe vertieft bin, Sprühbräune von den Duschfliesen zu kratzen. Das Badezimmer wurde erst kürzlich saniert – edle Wandfliesen aus Marmor, Doppelwaschbecken aus Acrylstein –, aber offenbar war einer unserer Hotelgäste der Meinung, die Duschkabine würde sich wunderbar für die Aufbringung einer Sprühbräune à la St. Tropez eignen.

Dass die Frau unsere neuen cremeweißen Badetücher von Ralph Lauren benutzt hat, um sich die Haare in einem dunklen Mahagonirot zu färben, beschließe ich zu ignorieren. Meine Aufmerksamkeit ist jetzt auf die Frage gerichtet, wie sie wohl im unbehandelten Naturzustand aussähe und ob das Hühnchen bis zum Abendessen auftauen wird, wenn ich jetzt schnell nach Hause fahre und es aus dem Gefrierschrank nehme.

Ich schiebe die ruinierten Badetücher zu einem Haufen zusammen und gieße Chlorbleiche auf eine Zahnbürste. Es macht große Mühe, den Selbstbräuner aus den Fugen zu entfernen, doch mit Bleiche lässt sich praktisch alles reinigen; so mache ich mich ans Werk, immer bemüht, die Hose meiner Arbeitsuniform nicht zu bekleckern. Gleichzeitig muss ich mich fragen, was ich hier eigentlich tue. Schließlich beschäftigen wir eine ganze Armee von Angestellten.

Doch die legen keinen Wert auf Details. Man kann sich den Mund fusselig reden, sie werden dennoch keinen Handgriff zu viel tun. Ihnen ist es egal, ob es hier besonders schön ist oder nicht.

Und nur deswegen kehren unsere Gäste immer wieder zurück: weil die Lakeshore Lodge tatsächlich etwas ganz Besonderes ist.

Falls Sie schon einmal bei uns zu Gast waren, werden Sie bei Ihrer Ankunft persönlich begrüßt, entweder von mir, meinem Mann Sean oder unserem Geschäftsführer. Wir werden uns nach Ihrer Familie erkundigen, und ob Sie eine gute Reise nach Windermere hatten. Auf Ihrem Zimmer wartet eine kleine Flasche Rosé-Champagner neben einer Schachtel mit sechs handgemachten Pralinen und einem einzeln verpackten Sticky Toffee Pudding, einer Spezialität aus Cartmel. Und eine handgeschriebene Karte: »Wie schön, Sie wieder bei uns begrüßen zu dürfen!«

Wir legen großen Wert auf Kleinigkeiten. Wir geben alles, um unseren Gästen das Gefühl zu vermitteln, wirklich willkommen zu sein. Nur aus diesem Grund sind wir fast immer zu neunzig Prozent ausgebucht, sogar in der Nebensaison. Selbst im November, wenn es dreißig Tage und Nächte am Stück regnet und die schmutzig grauen Wolken so tief hängen, dass man meint, die Hand hineinstecken zu können.

Ein Klopfen an der Badezimmertür. Ich lasse die Zahnbürste sinken und drehe mich um.

»Mrs Wainwright, e