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Da kannst du nicht runtergehen!«
Eldh nahm eine Karte aus ihrer Brieftasche und wedelte damit.
»Keine Panik, Junge, ich arbeite hier.«
Eldh steckte ihre Coop-Kundenkarte in die Tasche, stieg die Stahltreppe am Bahnsteigende hinunter und folgte den Schienen. Weitere Einwände blieben aus, und sie war ehrlich erstaunt darüber, dass überhaupt jemand reagierte, das war eher untypisch für Stockholm. Einige andere Fahrgäste folgten ihr mit dem Blick, jedoch ohne sie wahrzunehmen, im öffentlichen Nahverkehr schalteten die Menschen auf Autopilot. Der Tunnel war dunkel, hier und da waren Lampen angebracht, die mit ihrem grellweißen Licht die rauen Wände beleuchteten. Weiter vorn hörte sie einen Zug am Medborgarplatsen losfahren und zwängte sich in einen schmalen Spalt, damit der Zugführer sie nicht sah. Sie zog sich die Kapuze ins Gesicht, und das Licht aus den Wagen zuckte an ihr vorbei. Vor ihr öffnete sich ein enger Durchgang zwischen den Gleisen, die nach Norden und Süden führten. Sie folgte den Stromleitungen, die wie breitspurige Straßen an den Wänden entlangliefen, und schlüpfte in den Durchgang zwischen den beiden Tunneln. Die Leitungen verschwanden in einer verputzten Wand. Eine Tür, übersät mit Verbotsaufklebern und Graffiti, das lädierte Schild oben in der Ecke–HochspannungTBS031–, dort wollte Eldh hin. Sie lehnte die Stirn an die kalte Stahltür und schloss die Augen, horchte auf die hallenden Geräusche in den Tunneln. Diesmal ging es viel schneller. Trotz des schrillen Kreischens der bremsenden Züge, der klappernden Wagen und des Knackens der Weichen hörte sie es wieder; die Störung in der Hochspannung. Dort drinnen hinter der Tür surrte der Transformator mit derselben rhythmischen Verschiebung, die sich jede sechste Sekunde wiederholte.
Eldh holte einen Schlagring aus der Jackentasche und schob ihn auf ihre linke Hand. Sie wartete, bis ein Zug aus südlicher Richtung in einem Streifenmuster aus Licht und Schatten vorbeigefahren war, ehe sie vorsichtig die Klinke prüfte. Die Tür war offen. Ein unmerklich angespannter Ausdruck huschte über ihr Gesicht, als sie die Klinke drückte. Die Stahltür glitt auf, und überraschend geschmeidig schlüpfte sie lautlos durch den schmalen Spalt. Eldh war groß. Nicht dick, aber groß, kräftig und breit wie ein Scheunentor. In ihrer Jugend war sie eine richtige Walküre gewesen, die Männer hatten ihre blonde Erscheinung umschwärmt wie Nachtfalter eine Terrassenleuchte, aber die Jahre hatten ihr Recht eingefordert. Obwohl sie aussah wie um die fünfzig, hatte das Leben immer wieder seine Fallstricke für sie gespannt. Die starren Glieder, die Narben und die gebrochene Nase verrieten den Abgrund hinter den dunkelblauen Augen.
Sie ließ die Tür angelehnt, verharrte reglos und versuchte, den dunklen Raum zu überblicken. Das Surren des Stroms irritierte die Haut, und die Härchen stellten sich unvermittelt auf. Eine Glühlampe leuchtete ein Stück weiter hinten. Mit Kabeln verbundene Metallscheiben waren an Halterungen aufgehängt, die in langen Reihe