Fußprobleme – eine Zivilisationskrankheit?
Unsere Füße tragen uns im wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben, im Ganzen immerhin ein- bis dreimal um die Erde. Das können bis zu 120000 Kilometer sein – ein guter Grund, ihnen mehr Beachtung zu schenken, als wir das in unseren westlichen Gesellschaften üblicherweise tun. Am besten schon, bevor »der Schuh drückt«! Dabei ist es nicht immer der Schuh, der drückt, vielmehr melden sich unsere Füße auch, wenn sie Aufmerksamkeit für andere Bereiche des Körpers oder der Seele wecken wollen, indem sie Beschwerden entwickeln. Schon unsere Umgangssprache besagt so, wie eng unser Wohlbefinden mit unseren Füßen zusammenhängt. Nicht von ungefähr fragen wir nämlich: »Wie geht’s, wie steht’s?« Wenn die Füße nicht mehr mitmachen, dann »geht« manchmal fast gar nichts mehr.
Als ich vor einigen Jahren das erste Mal Indien bereiste, dachte ich mir, in diesem Land wäre ich wohl arbeitslos. Mein hoch sensibilisierter »Fußblick« wurde mit wunderschönen, meist gesunden und sehr beweglichen, ja oft sogar geschmückten Füßen verwöhnt. Die von »Heiligen« wurden sogar verehrt und geküsst. Etwas Ähnliches gibt es zwar auch in unserer Kultur, der Papst küsst einmal im Jahr, gründonnerstags, Strafgefangenen die Füße. Dies ist sicherlich eine schöne und tief gehende Geste, die aber nur sehr wenigen Menschen zuteilwird.
In der fernöstlichen Barfuß- beziehungsweise Sandalenkultur konnte ich auf jeden Fall keine der in unseren Breitengraden üblichen Fußprobleme entdecken. Viele Menschen leben anderenorts wesentlich »bodennäher« als wir. Auch zahlreiche soziale Rituale und Beschäftigungen wie Essen, Trinken, Beten und Arbeiten finden dort auf dem Boden statt. Diese Menschen sind oft bis ins hohe Alter wesentlich beweglicher als wir und verlieren nicht so schnell den Kontakt zu Mutter Erde.
Bei uns spielen sich sehr viele Aktivitäten abgehoben vom Boden ab. Wir sitzen auf Stühlen, erheben uns mit High Heels, arbeiten ein bis mehrere Stockwerke höher in Hochhäusern. Viele Zivilisationsfüße sind das ganze Jahr über in Schuhe und Strümpfe verpackt und dürfen nicht mehr den direkten Kontakt zur Erde spüren. Arbeiten auf und mit der Erde erledigen meist »kopfgesteuerte« Maschinen, und wenn wir zu Fuß unterwegs sind, geschieht dies in der Regel auf versiegelten Untergründen. Mit genormten Treppenabständen müssen unsere Füße nicht mehr »mitdenken« beziehungsweise aufmerksam sein, sie schlafen mehr oder weniger vor sich hin und müssen in erster Linie als »Fortbewegungsmittel« funktionieren.
Insgesamt sind wir also in einer sehr kopfgesteuerten Kultur unterwegs und haben viel Boden unter den Füßen verloren. Die immer häufiger auftretenden Fußprobleme in unserer Zivilisation sind meines Erachtens ein fast kollektiver Schrei unserer Füße nach Mutter Erde, nach Aufgehobensein, nach Getragenwerden. Sie drücken oft die Sehnsucht aus, seinen eigenen Weg in seinem individuellen Tempo auf dieser Erde finden zu dürfen, aber auch das Bedürfnis, auszuruhen auf einem Stückchen Erde unter unseren Füßen, das zu uns gehört.
In meine Praxis kommen Menschen aller Altersstufen mit Beschwerden bei Knick-Senk-Spreizfuß, Hallux valgus, Hammerzehen, Hohlfuß oder Fersensporn. Die Natur hat