: Shannon Kirk
: Ihr tötet mich nicht Psychothriller
: Goldmann Verlag
: 9783641183523
: 1
: CHF 2.70
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sie ist 16 Jahre alt und im 7. Monat schwanger, als sie auf dem Heimweg von der Highschool überwältigt und in einen Lieferwagen gezerrt wird. Doch die Entführer machen Fehler – Fehler, die ihr vermeintlich hilfloses Opfer kühl kalkulierend registriert. Und der größte Fehler war, sich dieses Opfer auszusuchen. Denn das Mädchen in ihrer Gewalt verfügt über einen messerscharfen Verstand und die einzigartige Fähigkeit, seine Emotionen vollständig zu kontrollieren. Sie weiß, dass es den Kidnappern um ihr Baby geht, und sie selbst nach der Geburt wertlos für sie ist. Also fasst sie einen Plan:Ihr werdet mich nicht töten, ihr werdet mein Kind nicht bekommen – und ich werde mich rächen ...

Shannon Kirk ist Anwältin, sie lebt und arbeitet in Massachusetts. Ihre Freizeit nutzt sie zum Schreiben: die Thriller um Ermittlerin und Racheengel Lisa Yyland, aber auch Gedichte und Romane in unterschiedlichen Genres. Shannon Kirk ist verheiratet und hat einen Sohn.

KAPITEL EINS

Tage 4–5 in Gefangenschaft

An Tag 4 lag ich da und plante seinen Tod. In Gedanken erstellte ich eine Liste mit verfügbaren Gegenständen und Umständen, die mir eventuell in die Hände spielten, und dieses strategische Auflisten von Pluspunkten verschaffte mir ein wenig Erleichterung …eine lose Diele, eine rote gestrickte Decke, ein hohes Fenster, freiliegende Deckenbalken, ein Schlüsselloch, mein Zustand …

Meine damaligen Gedanken sind mir heute noch so präsent, als erlebte ich sie erneut, als gingen sie mir gerade zum ersten Mal durch den Kopf.Da ist er wieder, vor der Tür, denke ich, obwohl seither siebzehn Jahre vergangen sind. Vielleicht werden jene Tage für immer meine Gegenwart bleiben, weil mir jede Stunde und jede Sekunde minutiöser Planung das Überleben gesichert hatten. Während jener unauslöschlichen, quälenden Zeit war ich vollkommen auf mich allein gestellt, und aus heutiger Sicht muss ich ohne falschen Stolz zugeben, dass das Endergebnis – mein unbestreitbarer Sieg – ein wahres Meisterwerk war.

An Tag 4 hatte ich bereits einen ganzen Katalog an Pluspunkten sowie den groben Entwurf eines Racheplans fertiggestellt, und das alles ohne Kugelschreiber oder Bleistift, lediglich mithilfe meines mentalen Skizzenblocks, auf dem ich Puzzleteile zu möglichen Lösungen zusammensetzte. Ich war fest entschlossen, sie in die richtige Konstellation zu bringen …eine lose Diele, eine rote gestrickte Decke, ein hohes Fenster, freiliegende Deckenbalken, ein Schlüsselloch, mein Zustand … Wie passt das alles zusammen?

Diese Frage stellte ich mir immer wieder aufs Neue, während ich gleichzeitig nach weiteren Pluspunkten Ausschau hielt.Ach ja, natürlich, der Eimer. Und ja, ja, ja: Die Untermatratze ist neu, er hat noch nicht einmal die Plastikfolie entfernt. Also gut, von vorne, geh noch mal in Ruhe alles durch und finde die Lösung. Freiliegende Deckenbalken, ein Eimer, die Untermatratze, die Plastikfolie, ein hohes Fenster, eine lose Diele, eine rote gestrickte Decke …

Ich ordnete jedem Gegenstand eine Zahl zu, um meiner gedanklichen Tüftelei einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen.Eine lose Diele (Pluspunkt #4), eine rote gestrickte Decke (Pluspunkt #5), Plastikfolie … Am frühen Morgen von Tag 4 schien die Sammlung bereits so vollständig zu sein, wie sie es unter den gegebenen Umständen sein konnte, aber mir war klar, dass das nicht reichen würde.

Das Knarren der Kiefernholzdielen vor meiner Gefängniszelle, einem einfachen Zimmer mit Bett, riss mich gegen Mittag aus meiner Grübelei.Er ist dort draußen vor der Tür. Mittagessen. Der Riegel bewegte sich von links nach rechts, der Schlüssel drehte sich im Schloss, und dann stürzte er auch schon herein, ohne den Anstand zu besitzen, für einen Moment auf der Türschwelle zu verharren.

Wie bei allen bisherigen Mahlzeiten stellte er ein Tablett mit inzwischen vertrau