: Fritz Kreisler
: Clemens Hellsberg, Oliver Rathkolb
: Trotz des Tosens der Kanone Frontbericht eines Virtuosen
: Braumüller Verlag
: 9783992001361
: 1
: CHF 15.30
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 136
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der weltberühmte Violinvirtuose und Komponist Fritz Kreisler kehrte 1914 nach der Kriegserklärung Österreich-Ungarns aus der neutralen Schweiz zurück und rückte freiwillig als Reserveoffizier bei seinem Regiment in Leoben ein. Während eines Kosaken­angriffes im Kampf gegen das zaristische Russland wurde er schwer verwundet und verfasste sechs Monate später eine der authentischsten Beschreibungen der tief greifenden psychischen Veränderungen an der Front. 1915 wurde dieses außergewöhnliche Selbstzeugnis eines feinfühligen Künstlers in den USA publiziert, wo Kreisler seine Konzerttätigkeit wieder aufgenommen hatte. In der englischsprachigen Weltkriegsliteratur gelten seine Four Weeks in the Trenches als eine der bedeutendsten und emotional offensten Schilderungen über die persönlichen Front-Erfahrungen während der ersten Kriegswochen 1914.

Fritz Kreisler, am 2. Februar 1875 in Wien geboren, war ein österreichischer Violinist und Komponist. Bereits mit 4 Jahren erster Violinunterricht bei seinem Vater, dem jüdischen Arzt Samuel Kreisler, der auch Sigmund Freud behandelte. 1882 mit 7 Jahren als jüngstes Wunderkind Aufnahme in das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 1885 bis 1887 Studium am Pariser Konservatorium. 1898 Konzert mit den Wiener Philharmonikern. 1899 Konzert mit den Berliner Philharmonikern. 1904 Verleihung der Gold Medal der Royal Philharmonic Society in London. Kreislers Charakterstücke für Violine und Klavier (besonders die Alt-Wiener Tanzweisen Liebesfreud, Liebesleid, Schön Rosmarin, Tambourin Chinois, Caprice Viennois etc.), die sich an alten Formen und Stilen orientieren, erlangten hohen Bekanntheitsgrad. Er starb am 29. Januar 1962 in New York.

FRITZ KREISLER – KÜNSTLER UND HUMANIST


VON CLEMENS HELLSBERG


Fritz Kreisler ist in mehrfacher Hinsicht eine zeitlose Erscheinung: Er gilt vielen als größter Geiger aller Zeiten, ist als Komponist bezaubernder Violinwerke („Liebesfreud“, „Liebesleid“, „Schön Rosmarin“, „Tambourin Chinois“, „Caprice Viennois“, „Kleiner Wiener Marsch“ etc.) im Konzertrepertoire präsent und wird aufgrund seines philanthropischen Engagements als Leuchtturm der Humanität verehrt. Die nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegende Schilderung seiner Kriegserlebnisse erschließt eine zusätzliche Seite dieses einzigartigen Künstlers: Kreisler offenbart sich als Erzähler, der seine Leserinnen und Leser in gleichem Maße in den Bann zieht wie einst das Konzertpublikum. Und obwohl von erstaunlicher Klarheit und Objektivität, vermittelt selbst seine ungeschönte Darstellung des Krieges unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Menschlichkeit.

Fritz Kreislers Ausbildungsweg verband eine Verankerung in Wiens Musiktradition mit Internationalität auf höchstem Niveau: Aufgrund seines herausragenden Talents wurde er bereits im Alter von sieben Jahren in das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufgenommen, obwohl dies laut den Statuten dieses Vorläuferinstituts der nachmaligen Wiener Musikakademie bzw. der heutigen Musikuniversität nicht möglich war (es sollte übrigens rund 70 Jahre dauern, ehe dieser „Rekord“ am 19. September 1952 durch den zum Zeitpunkt seiner Inskription fünfjährigen Rudolf Buchbinder unterboten wurde). Sein Violinlehrer entstammte „der“ Wiener Musikerfamilie schlechthin: Joseph Hellmesberger jun. (1855–1907), Konzertmeister und Abonnementdirigent der Wiener Philharmoniker sowie erfolgreicher Komponist von Operetten und Tanzmusik, war der Sohn von Joseph Hellmesberger sen. (1828–1893), dem Konzertmeister der Hofoper und der Wiener Philharmoniker, Direktor des Konservatoriums und führenden Quartettspieler seiner Zeit, sowie der Enkel von Georg Hellmesberger sen. (1800–1873), dem ersten Konzertmeister der Wiener Philharmoniker und Professor am Konservatorium, zu