Fritz Kreisler ist in mehrfacher Hinsicht eine zeitlose Erscheinung: Er gilt vielen als größter Geiger aller Zeiten, ist als Komponist bezaubernder Violinwerke („Liebesfreud“, „Liebesleid“, „Schön Rosmarin“, „Tambourin Chinois“, „Caprice Viennois“, „Kleiner Wiener Marsch“ etc.) im Konzertrepertoire präsent und wird aufgrund seines philanthropischen Engagements als Leuchtturm der Humanität verehrt. Die nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegende Schilderung seiner Kriegserlebnisse erschließt eine zusätzliche Seite dieses einzigartigen Künstlers: Kreisler offenbart sich als Erzähler, der seine Leserinnen und Leser in gleichem Maße in den Bann zieht wie einst das Konzertpublikum. Und obwohl von erstaunlicher Klarheit und Objektivität, vermittelt selbst seine ungeschönte Darstellung des Krieges unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Menschlichkeit.
Fritz Kreislers Ausbildungsweg verband eine Verankerung in Wiens Musiktradition mit Internationalität auf höchstem Niveau: Aufgrund seines herausragenden Talents wurde er bereits im Alter von sieben Jahren in das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufgenommen, obwohl dies laut den Statuten dieses Vorläuferinstituts der nachmaligen Wiener Musikakademie bzw. der heutigen Musikuniversität nicht möglich war (es sollte übrigens rund 70 Jahre dauern, ehe dieser „Rekord“ am 19. September 1952 durch den zum Zeitpunkt seiner Inskription fünfjährigen Rudolf Buchbinder unterboten wurde). Sein Violinlehrer entstammte „der“ Wiener Musikerfamilie schlechthin: Joseph Hellmesberger jun. (1855–1907), Konzertmeister und Abonnementdirigent der Wiener Philharmoniker sowie erfolgreicher Komponist von Operetten und Tanzmusik, war der Sohn von Joseph Hellmesberger sen. (1828–1893), dem Konzertmeister der Hofoper und der Wiener Philharmoniker, Direktor des Konservatoriums und führenden Quartettspieler seiner Zeit, sowie der Enkel von Georg Hellmesberger sen. (1800–1873), dem ersten Konzertmeister der Wiener Philharmoniker und Professor am Konservatorium, zu