: Dirk Weil
: Java EE 7 Enterprise-Anwendungsentwicklung leicht gemacht (2. Aufl.)
: entwickler.press
: 9783868026801
: 1
: CHF 25.30
:
: Informatik
: German
: 348
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB
Java EE stellt schon seit mehr als siebzehn Jahren eine verlässliche und tragfähige Plattform zur Entwicklung von Enterprise-Anwendungen dar. Waren die ersten Versionen bis zu J2EE 1.4 noch komplex und schwergewichtig, so ist die aktuelle Version trotz des großen Leistungsumfangs stark auf die Einfachheit der Softwareentwicklung fokussiert. Anwendungsentwicklung auf dieser Basis macht Spaß und ermöglicht schnelle Erfolge - dies möchte dieses Buch seinen Lesern vermitteln. Es zeigt anhand vieler Beispiele, wie einfach Software für die Java-EE-Plattform erstellt werden kann. Das Buch hat nicht den Anspruch einer allumfassenden Darstellung von Java EE. Vielmehr werden die für die leichtgewichtige Softwareentwicklung genutzten Teile der Gesamtspezifikation ohne Ballast verständlich erläutert. Dadurch wird stückweise ein leistungsfähiger, aber überschaubarer Stack für Enterprise-Anwendungen zusammengesetzt: von Java Persistence über CDI bis hin zur browserbasierten Oberfläche mit JavaServer Faces. Neben der Betrachtung einzelner Anwendungen spielen heute vernetzte Architekturen, anwendungsübergreifende Kommunikation, Microservices etc. eine immer stärkere Rolle. Dem trägt diese überarbeitete Auflage mit dem neu hinzugekommenen Kapitel über RESTful Web Services Rechnung. Ein durchgängiges Real-World-Beispielprojekt dient der weiteren Verdeutlichung und Abrundung. Hier werden alle behandelten Teile zu einer kompletten Anwendung zusammengesetzt, die in der diskutierten Form mittlerweile im Einsatz ist. Zielgruppe: Java-Enterprise-Entwickler, Projektleiter, IT-Architekten

Dirk Weil ist seit 1998 als Berater im Bereich Java tätig. Als Geschäftsführer der GEDOPLAN GmbH in Bielefeld ist er für die Konzeption und Realisierung von Informationssystemen auf Basis von Java EE verantwortlich. Seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung anspruchsvoller Unternehmenslösungen machen ihn zu einem kompetenten Ansprechpartner und anerkannten Experten auf dem Gebiet Java EE. Er ist Fachbuchautor, schreibt Artikel für Fachmagazine, hält Vorträge und leitet Seminare und Workshops zu diversen Java-SE- bzw. Java-EE-Themen.

2 CDI

2.1 Was ist das?

CDI steht für „Contexts and Dependency Injection for the Java EE Platform“ und ist ein Standard innerhalb des Webprofils der Dachspezifikation Java EE. Der Arbeitsbereich von CDI ist die Bereitstellung und Verknüpfung von Komponenten und Diensten als Basis für Enterprise-Applikationen. CDI ist allerdings nicht nur im EE-Umfeld nutzbar, sondern kann auch ohne Applikationsserver eingesetzt werden.

CDI 1.0 wurde im JSR 299 lange Zeit unter den Namen WebBeans entworfen und standardisiert viele Ideen und Konzepte von populären Open-Source-Frameworks wie Seam und Spring(-Core). Die aktuelle Version 1.1 (JSR 346) hat eine für Java-EE-Verhältnisse angenehm kurze Spezifikation: ca. 130 gut lesbare Seiten1.

Neben der Referenzimplemtierung JBoss Weld2 steht u. a. Apache OpenWebBeans3 als CDI-Container zur Verfügung.

2.2 Wozu braucht man das?

Professionelle Anwendungen sind nicht monolithisch aufgebaut, sondern bestehen aus Komponenten. Zum einen ergeben sich bei der Entwicklung von Software aus der Analyse der Aufgabenstellung fachliche Bereiche, die durch fachliche Komponenten abgebildet werden können. Innerhalb dieser Komponenten lassen sich wieder Teile abgrenzen, diesmal eher technischer Natur. Die Komponenten benutzen andere Komponenten sowie die Plattformdienste, sind aber weitgehend abgegrenzt (Abb. 2.1).

Eine Aufgabe der Softwareentwicklung ist es nun, diese Komponenten untereinander zu verknüpfen, sodass eine saubere Anwendungsarchitektur entsteht. Das kann natürlich mit einfachen Sprachmitteln von Java geschehen: Eine Komponente kann in ihrem Programmcode andere Komponenten instanziieren, indem sienew benutzt. Dadurch wird die Kopplung der Komponenten aber sehr stark: Die aufrufende Komponente muss die benutzte sehr genau kennen, Änderungen sind aufwändig, der Einsatz einer alternativen Komponente unmöglich.

Abbildung 2.1: Anwendungskomponenten

Zudem profitieren solche Objekte kaum von der Umgebung der Anwendung: Der Applikationsserver kennt sie nicht, kann also bspw. kein Monitoring und keine Laufzeitsteuerung dafür durchführen. Flexibler ist es, die benötigten Objekte vom Application Server herstellen zu lassen. In den früheren Versionen der Java EE – damals noch J2EE – hat man dazu weitgehend String-basierte Referenzen benutzt, hat also bspw. die benötigte Komponente per Namen im JNDI-Dienst adressiert. Hier stellt sich aber das Problem der Zielgenauigkeit: Ist ein Objekt unter dem verwendeten Namen überhaupt vorhanden und hat es den richtigen Typ (Listing 2.1)?

// Unsicher: Ist ein Objekt mit dem Namen konfiguriert?
// Falls ja, hat es den korrekten Typ?
MyService myService
= (MyService) jndiContext.lookup("ejb/myService");

Listing 2.1: Referenzierung einer Komponente über ihren Namen

Ein weiteres Problem ist die Abhängigkeit der aufrufenden Komponente von ihrer Umgebung: Der Code im Beispiel setzt unumstößlich voraus, dass es einen JNDI-Dienst gibt. Ein Test des Codes außerhalb des Applikationsservers ist damit unmöglich. Hier setzt die Idee „Inversion of Control“ an, die den aktiven Teil der Komponentenverknüpfung aus der Komponente herauslöst und in die Laufzeitumgebung – den Container – verlagert: Nicht die Komponente besorgt sich die von ihr benötigten Serviceobjekte, sondern der Container liefert sie an. Dieses Verfahren firmiert unter dem Namen „Dependency Injection“ – Injektion von benötigten Objekten –, womit wir auch schon die beiden letzten Drittel des Namens CDI erklärt hätten (Abb. 2.2).

Abbildung 2.2: Dependency Injection

Die Komponente weiß jetzt nicht mehr, woher sie die von ihr genutzten Objekte erhält. Damit ist die Kopplung zu ihrer Umgebung so klein geworden, dass ein Austausch leicht möglich wird: Im Produktivsystem werden Komponenten und Ressourcen vom Container bspw. weiterhin im JNDI-Dienst verwaltet, während sie in einer Testumgebung ohne Container von der Testklasse geliefert werden.

Bei der Dependency Injection obliegt es dem Container, wann die benötigten Objekte erzeugt und zerstört werden, er kann also die Komponenten von der kompletten Lifecycle-Steuerung entlasten. Damit sind wir beim ersten Drittel des Namens CDI: Die injizierten Objekte können Kontexten zugeordnet werden, die über ihre Lebensdauer bestimmen. So können die von einem Geschäftsprozess genutzten Services inklusive der darin verwalteten Daten sitzungsorientiert gehalten werden.

Die geschilderten Konzepte sind beileibe nicht neu. Sie haben vielmehr seit vielen Jahren Einzug in die Java-Softwarelandschaft gehalten und dort ihren Nutzen unter Beweis gestellt – stark unterstützt insbesondere durch das Spring-Framework, das damit wesentliche Schwächen der damaligen J2EE adressierte. Neu ist allerdings ein Aspekt von CDI, der die beschriebene lose Kopplung um Typsicherheit ergänzt: Durch weitgehenden Verzicht auf Objektnamen und Verwendung von Java-Typen an ihrer Stelle wird erreicht, dass sich die Komponentenverdrahtungen schon sehr früh – zur Compile-Zeit, spätestens zur Deployment-Zeit – prüfen lassen und somit Fehler nicht erst zur Anwendungslaufzeit zutage treten.

2.3 Bereitstellung und Injektion von Beans

Die durch CDI miteinander verknüpften Klassen werden in der CDI-Spezifikation Managed Beans genannt. Im Folgenden wird der Begriff CDI Bean bevorzugt, da Managed Beans auch in anderen Teilen der Java EE auftauchen. CDI Beans können sowohl injizierte Objekte darstellen als auch Injektionsziele enthalten.

2.3.1 CDI Beans

Die Anforderungen an CDI Beans sind denkbar gering: Nahezu jede konkrete Java-Klasse ist dazu geeignet4. Benötigt wird nur ein Konstruktor ohne Parameter (wir werden später sehen, dass auch Klassen mit anderen Konstruktoren CDI Beans sein können). Die KlasseGreetingBean aus Listing 2.2 ist somit als CDI Bean verwendbar.

public class GreetingBean
{
public String getGreeting()
{
int hourOfDay = Calendar.getInstance().get(Calendar.HOUR_OF_DAY);
if (hourOfDay< 10)
return"Guten Morgen";
else if (hourOfDay< 18)
return"Guten Tag";
else
return"Guten Abend";
}
}

Listing 2.2: Einfache CDI Bean5

CDI beachtet allerdings nicht alle Klassen im Classpath. Durch einen Deskriptor namensbeans.xml kann die sog. Bean Discovery gesteuert werden. Die Datei darf komplett leer sein und muss im VerzeichnisMETA-INF eines JAR-Files, eines Classpath-Verzeichnisses oder im VerzeichnisWEB-INF einer Webanwendung stehen, um die zugehörigen Klassen für CDI zu aktivieren. Da viele Entwicklungswerkzeuge über leere XML-Dateien meckern, sollte aber das in Listing 2.3 gezeigte wohlgeformte XML-Dokument statt der leeren Datei verwendet werden. Hierin können dann später auch einfacher Ergänzungen vorgenommen werden.

<?xml version="1.0"?>
<beans xmlns="http://xmlns.jcp.org/xml/ns/javaee"
xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance"
xsi:schemaLocation="http://xmlns.jcp.org/xml/ns/javaee
http://xmlns.jcp.org/xml/ns/javaee/beans_1_1.xsd"
bean-discovery-mode="all" version="1.1">
</beans>

Listing 2.3: Effektiv leerer CDI-Deskriptor „beans.xml“

Das Attributbean-discovery-mode lässt bereits vermuten, dass man mit dem Deskriptor genauer beeinflussen kann, welche Klassen als CDI Beans erkannt werden. Zudem ist der Deskriptorbeans.xml nicht mehr in allen Fällen notwendig. Darauf gehe ich später noch genauer ein.

Listing 2.4 zeigt den Deskriptor für die CDI-Version 1.0. Hier musste der Deskriptor für Webanwendungen im VerzeichnisWEB-INF stehen. Seit 1.1 ist auchWEB-INF/classes/META-INF erlaubt, was die Platzierung im Vergleich zu anderen Anwendungstypen vereinheitlicht.

<?xml version="1.0"?>
<beans xmlns=http://java.sun.com/xml/ns/javaee
xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance"
xsi:schemaLocation="http://java.sun.com/xml/ns/javaee
http://java.sun.com/xml/ns/javaee/beans_1_0.xsd">
</beans>

Listing 2.4: CDI-Deskriptor für die alte Version CDI 1.0

2.3.2 Field Injection

Die Nutzung einer derart bereitgestellten Klasse in einer weiteren CDI Bean kann durch Injektion in ein Feld der Bean geschehen. Dazu wird die betroffene Instanzvariable mit@Inject6 annotiert (Listing 2.5).

public class DemoModel
{
@Inject
private GreetingBean greetingBean;


public String getHelloWorld()
{
return this.greetingBean.getGreeting() +", Welt!";
}

Listing 2.5: Injektion in eine Instanzvariable

2.3.3 Bean Type

Es fällt auf, dass zur Injektion kein Name o. ä. verwendet wird, sondern offensichtlich allein der Typ des Injektionsziels für die Zuordnung ausreichend ist. Das ist ein entscheidendes Konzept, das die Injektion nicht passend getypter Objekte verhindert. Der Typ des Injektionsziels muss mit einem Bean Type des injizierten...

Inhaltsverzeichnis5
Vorwort13
Kapitel 1 – Java EE im Überblick15
1.1Aufgabenstellung15
1.2Architekturmodell15
1.3Anwendungsbestandteile und Formate16
1.4Profile18
1.5Plattformen19
2CDI21
2.1Was ist das?21
2.2Wozu braucht man das?21
2.3Bereitstellung und Injektion von Beans24
2.3.1CDI Beans24
2.3.2Field Injection25
2.3.3Bean Type26
2.3.4Method Injection27
2.3.5Constructor Injection28
2.3.6Bean Name29
2.3.7Bean Scan30
2.4Lifecycle Callbacks31
2.5Qualifier32
2.6Alternatives34
2.7Nutzung der Java-EE-Umgebung36
2.7.1Java EE Resources36
2.7.2Built-in Beans37
2.8Producer und Disposer38
2.8.1Producer Methods38
2.8.2Producer Fields39
2.8.3Disposer Methods40
2.8.4Introspektion des Injektionsziels41
2.9Kontexte und Scopes42
2.9.1Request Scope43
2.9.2Session Scope43
2.9.3Application Scope44
2.9.4Conversation Scope45
2.9.5Bean Proxies46
2.9.6Dependent Scope46
2.9.7Qualifier @New47
2.9.8Transaction Scope47
2.10Interceptors47
2.10.1Interceptor Class47
2.10.2Interceptor Binding48
2.10.3Aktivierung eines Interceptors50
2.10.4Transaktions-Interceptor51
2.11Decorators52
2.11.1Decorator Class52
2.11.2Aktivierung eines Decorators53
2.12Stereotypes53
2.13Eventverarbeitung55
2.13.1Events erzeugen56
2.13.2Events verarbeiten57
2.14Programmgesteuerter Zugriff auf CDI Beans60
2.14.1Injektion von Bean-Instanzen60
2.14.2Bean Manager61
2.15Integration von JPA, EJB und JSF62
2.16Portable Extensions63
2.16.1Entwicklung eigener Extensions64
2.16.2Verfügbare Extensions65
2.17CDI in SE-Umgebungen68
3Java Persistence71
3.1Worum geht es?71
3.1.1Lösungsansätze72
3.1.2Anforderungen an O/R Mapper73
3.1.3Entwicklung des Standards74
3.1.4Architektur von Anwendungen auf Basis von JPA75
3.2Die Basics76
3.2.1Entity-Klassen76
3.2.2Konfiguration der Persistence Unit78
3.2.3CRUD80
3.2.4Detached Objects82
3.2.5Entity-Lebenszyklus83
3.2.6Mapping-Annotationen für einfache Objekte84
3.2.7Custom Converter90
3.2.8Generierte IDs91
3.2.9Objektgleichheit94
3.2.10Basisklassen für Entity-übergreifende Aspekte97
3.3Objektrelationen98
3.3.1Unidirektionale n:1-Relationen99
3.3.2Unidirektionale 1:n-Relationen102
3.3.3Bidirektionale 1:n-Relationen103
3.3.4Uni- und bidirektionale 1:1-Relationen107
3.3.5Uni- und bidirektionale n:m-Relationen109
3.3.6Eager und Lazy Loading110
3.3.7Entity Graphs112
3.3.8Kaskadieren114
3.3.9Orphan Removal115
3.3.10Anordnung von Relationselementen116
3.4Queries118
3.4.1JPQL118
3.4.2Native Queries131
3.4.3Criteria Queries133
3.5Vererbungsbeziehungen141
3.5.1Mapping-Strategie „SINGLE_TABLE“142
3.5.2Mapping-Strategie „TABLE_PER_CLASS“144
3.5.3Mapping-Strategie „JOINED“145
3.5.4Non-Entity-Basisklassen146
3.5.5Polymorphe Queries147
3.6Dies und das147
3.6.1Secondary Tables147
3.6.2Zusammengesetzte IDs149
3.6.3Dependent IDs150
3.6.4Locking152
3.6.5Callback-Methoden und Listener156
3.6.6Bulk Update/Delete158
3.7Caching159
3.8Erweiterte Entity Manager163
3.8.1Extended Entity Manager163
3.8.2Application-managed Entity Manager165
3.9Java Persistence in SE-Anwendungen169
3.9.1Konfiguration der Persistence Unit im SE-Umfeld169
3.9.2Erzeugung eines Entity Managers in SE-Anwendungen170
3.9.3Transaktionssteuerung in Java-SE-Anwendungen171
3.9.4Schema-Generierung171
Kapitel 4 – Bean Validation175
4.1Aufgabenstellung175
4.2Plattformen und benötigte Bibliotheken176
4.3Validation Constraints177
4.3.1Attribute Constraints177
4.3.2Method Constraints178
4.3.3Vordefinierte Constraints178
4.3.4Transitive Gültigkeit179
4.3.5Constraint Composition180
4.3.6Constraint Programming181
4.4Objektprüfung183
4.5Internationalisierung der Validierungsmeldungen