»Wo sind denn Ihre Schuhe?«
Der Mann, der mit mir an der roten Ampel wartet, schaut mich überrascht an, als er mir diese Frage stellt.
»Sie sind zu Hause in meinem Schrank.«
Ich lächle ihn an und merke im selben Moment, dass das so eigentlich nicht ganz stimmt. Meine Schuhe sind indrei Schränken untergebracht.
Ich habe hundertzwei Paar. Ich hatte zwar immer gewusst, dass ich viele Schuhe besitze, aber dass es so viele sind, hätte ich nicht gedacht. Niemand braucht hundertzwei Paar Schuhe (wie viele man wirklich braucht, würde ich bald herausfinden).
Allein Flipflops habe ich elf Paar! Ich besitze erstaunlicherweise zehn Paar schwarze Stiefel: schwarze Cowboyboots, flache Stiefel mit Lammfell und flache Stiefel ohne Fell. Overknees mit hohem Absatz und Overknees mit flachem Absatz. Ich habe einmal hohe Stiefel bis unters Knie mit breitem Absatz und einmal mit elegantem Absatz. Ebenfalls in unterschiedlicher Absatzhöhe besitze ich zwei Paar Ankleboots (auf Deutsch die gute Stiefelette, die knöchelhoch ist), vorn abgerundet, und zusätzlich noch zwanzig Jahre alte Ankleboots, die vorn spitz zulaufen. Die werden bestimmt wieder modern. Wann ich die zum letzten Mal getragen habe? Ich kann mich nicht erinnern. Zwölf, dreizehn Jahre ist das bestimmt her. Und dann besitze ich noch ein Paar schwarze australische Uggs. Die habe ich als Stiefel gar nicht mitgezählt, weil die eher so was wie ein Fell-Hausschuh für draußen sind. Ich mag meine Uggs. Sie sind so elegant wie ein Traktor, aber so nützlich wie eine Küche. Davon habe ich ein weiteres Paar in Hellbraun und noch eines in Dunkelblau. Da kann man einfach bequem rein- und rausschlüpfen.
Ich habe Schuhe, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr getragen habe. Jedes Mal, wenn ich in meinen Schränken aufräume und Sachen hergebe – Sie werden es nicht glauben, aber das mache ich tatsächlich –, habe ich dieses bestimmte Paar Wanderstiefel in der Hand, von denen ich immer wieder glaube, dass ich sie doch noch mal anziehe. Vielleicht brauche ich die mal, wenn ich über die Alpen wandere? Oder diese zwei Paar handbestickter Pantoletten von Emma Hope. Das sind Kunstwerke! Die hatte ich letztes Mal, lassen Sie mich nachdenken, 1991 an. Die haben ein Vermögen gekostet! Und sie sehen toll aus – in meinem Schrank.
In meinen drei Schränken.
Es gibt Schuhe, die ich vielleicht einmal im Jahr anziehe. Davon habe ich jede Menge: meine witzigen lila High Heels zum Beispiel. Weiße Pumps, die man wirklich so gut wie nie braucht. Und dann gibt es Schuhe, die habe ich noch nie getragen: beige Ankleboots mit schwarzer Spitze. (Was mich da geritten hat? Ich weiß es nicht.) Wie viele ich wirklich oft regelmäßig trage? Vielleicht fünfzehn, vielleicht achtzehn Paar.
In meinem rechten Schuhschrank befindet sich auch eine Schale mit Blasenpflaster für meine sehr empfi