: Andreas Deffner
: Heimathafen Hellas Ellada s´agapó
: Größenwahn Verlag
: 9783957710628
: 1
: CHF 6.20
:
: Erzählende Literatur
: German
: 200
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sommer 1993. Der graublaue Ford Escort Diesel wurde gemütlich beladen, dann machte Andreas Deffner sich auf den Weg nach Griechenland. Sein Ziel war das Fischerdorf Toló auf der Peloponnes. Was er bei der Abfahrt nicht ahnte: Er sollte dort seine 'zweite Heimat' finden. Seitdem verbringt er, wann immer möglich, seine Freizeit in Hellas. Jedes Mal wird es für ihn zu einem 'Nachhausekommen'. Das Land und seine Einwohner hat er ins Herz geschlossen. Bei jeder Rück-kehr nach Toló scheinen die Sirenen auf offener See zu rufen: Kalós írthes Andréas! Und er, wie einst Odysseus, ruft zurück: Ellada, s´agapó! Griechenland, ich liebe dich! 'Heimathafen Hellas' ist eine Liebeserklärung an ein Land, das von Sonne, Meer und Lebensfreude lebt. In 22 Kapiteln aus 22 Jahren Griechenlanderfahrung berichtet der Autor von wahren Geschichten rund ums Meer: Von seinem ersten Besuch bei Poseidons Sohn Perikles, über Fahrten an Bord von Käpt´n Stavros Schiff bis hin zum morgendlichen Sportprogramm an Aristides´ Strandkiosk - aus Zeiten, als Griechenland wirtschaftlich boomte bis mitten in die aktuelle Finanzkrise. Eine Odyssee mit lustigen, traurigen und unglaublichen Erlebnissen, Rezepten zum Nachkochen und Genießen. Ein Urlaubsbuch für Griechenlandversteher und solche, die es werden wollen.

Andreas Deffner 1974 in Gladbeck, im Ruhrgebiet geboren. Er hat lange Zeit im Rheinland gelebt und wohnt heute mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Potsdam. Seine 'Zweite Heimat' aber ist Griechenland. Seit er nach dem Abitur im Jahr 1993 das erste Mal nach Hellas gefahren ist, war er von Land, Leuten und Kultur begeistert. Und so fährt er, wann immer die Zeit es zulässt, 'nach Hause', nach Tolo. In dem kleinen Fischerdorf auf der Peloponnes fühlt er sich ebenso heimisch wie in Potsdam, Gladbeck oder Berlin. Und Oma Vangelio hat immer gesagt: 'Junge, du bist in Toló groß geworden!'

1


Mit dem Ford nach Griechenland


Sommer 1993. Der graublaue Ford Escort Diesel war gemütlich beladen, als wir uns auf den Weg machten. Meinen Freund Finne, der eigentlich wie ich Andreas mit Vornamen heißt, holte ich auf dem Weg zur Autobahn in Kirchhellen ab. Von dem kleinen Dorf am Rande des Münsterlandes aus, lagen jetzt noch genau 2.587 Kilometer vor uns. Die Anzahl der Musikkassetten auf den Ablageflächen des Ford versprach jedoch eine kurzweilige Reise. Von allem war etwas dabei. Eine Kassette mit bunter Gute-Laune-Musik, die Best-of-Hits des Frühjahrs ’93, REM, U2, Fury in the Slaughterhouse, Fischer-Z und viele andere. Eine alte, mehrfach überspielte Kassette, stellte jedoch alles andere in den Schatten. Der Radio-Livemitschnitt eines Helge Schneider-Konzerts, das der WDR kurz vor unserer Abfahrt gesendet hatte. Das Band wurde unsere Lieblingsunterhaltung. Wir hörten es stundenlang, immer wieder, und irgendwann hatten wir Angst, dass das alte Tape sich auflösen könnte. Doch es hielt. Wir liebten das Absurde. Aus den Lautsprechern drang wieder und wieder Helge Schneiders verzerrte Stimme. Ich glaube, wir konnten damals die komplette Aufnahme mitsprechen. Kleine Kostprobe?

»Aus weißem Porzellan ist mein Gesicht. Doch wer wirklich unter der Gummiglatze schwitzt, interessiert kein Mensch. Mit dickem roten Lippenstift ist mir ein lustiger Clownsmund gemalt, ungefähr so groß wie Leber. Und auch die Schuhe. Riesengroße Schuhe. Schuhgröße 100, 1.000 sogar. Doch müssen die Schuhe wirklich so groß sein? Zwei ganze Kühe mussten dafür verreisen. Eine längere Reise antreten, und sich dann selbst vernähen.«

In Italien würden wir die Fähre nach Griechenland nehmen. Wie oft man bis dort wohl Helge Schneider hören könnte? Bis zum Hafen von Ancona lagen gut 1.400 Kilometer vor uns. Die Kassette lief schon, bevor wir auf die Autobahn auffuhren. Es war ein heißer Sommertag, als ich den Ford Escort auf die A2 lenkte. In kurzen Hosen und T-Shirts saßen wir in dem Kleinwagen, der damals üblicherweise von Rentnern gefahren wurde. Meiner war Baujahr 1986. Natürlich ohne Klimaanlage. Das hatten damals nur die wirklich teuren Autos. Am Autobahnkreuz Breitscheid taten uns vom Mitlachen mit Helge Schneider die Bauchmuskeln weh und spätestens am Kreuz Köln-West waren die ersten T-Shirts durchgeschwitzt. Was für ein Sommer! Ich hatte erst vor wenigen Wochen mein Abitur bestande