Den ganzen Monat über konnte ich bisweilen schon von weitem ihr Gesicht sehen, das an der Fensterscheibe lehnte, und wenn ich in das Zimmer trat, fand ich sie über ihren Stickrahmen gebeugt. Wenn ich nicht zur wortlos verabredeten Stunde erschien, irrte manchmal ihre weiße Gestalt über die Terrasse, und wenn ich sie dort überraschte, sagte sie: »Ich bin Ihnen entgegengegangen. Muß man nicht ein bißchen nett sein zu seinem Jüngsten?«
Die grausamen Tricktrackpartien zwischen dem Comte und mir waren unterbrochen worden; seine letzten Käufe erforderten eine Menge von Gängen, von Besichtigungen, Nachprüfungen, Grenzsteinsetzungen und Messungen. Er hatte Befehle zu geben, er war von allerhand Feldarbeiten in Anspruch genommen, die das Auge des Herrn brauchten und die er mit seiner Frau besprach. Oft suchten die Comtesse und ich ihn auf seinen neuen «Besitzungen auf. Die beiden Kinder begleiteten uns dann, machten Jagd auf Insekten, Grasmücken, ließen Drachen steigen und banden auch Sträuße oder, genauer gesagt, Blumenbüschel. Mit der Frau, die man liebt, lustwandeln, ihr den Arm geben, für sie den Weg wählen, diese wechselvollen Freuden würden einem ganzen Leben genügen. Die Unterhaltung ist dann so vertrauensvoll. Allein gingen wir hin, und zurück kamen wir mit dem General, wie wir den Comte scherzhaft nannten, wenn er gut gelaunt war. Diese beiden Arten, den Weg zurückzulegen, brachten Abwechslung in unsere Freude durch Gegensätze, wie sie nur die kennen, deren Liebe voller Wechselfälle ist. Auf dem Heimweg waren dieselben Glückseligkeiten, ein Blick, ein Händedruck mit Aufregungen verknüpft. Das Wort, das auf dem Hinweg so frei war, nahm auf dem Rückweg einen geheimnisvollen Sinn an, wenn einer von uns nach einigem Nachdenken auf verfängliche Fragen die Antwort fand oder ein begonnenes Gespräch mit rätselhaften Worten fortgesetzt wurde. Zu dieser Gesprächsform eignet sich unsere Sprache vorzüglich, und gerade die Frauen verstehen sie überaus erfinderisch zu handhaben. Wer hätte nicht das Glück empfunden, sich so gewissermaßen in einer unbekannten Sphäre zu verständigen, wo Eingeweihte sich von der Menge sondern und sich gemeingültigen Regeln zum Trotz enger miteinander verbinden. Eines Tages stieg mir eine verwegene Hoffnung auf, die zu schnell zerrann – als auf die Frage des Comte, wovon wir sprächen, Henriette mit einem Doppelsinn antwortete, womit der Comte sich zufriedengab. Dieser unschuldige Scherz belustigte Madeleine und trieb ihrer Mutter das Rot in die.Wangen. Mit einem strengen Blick gab sie mir zu verstehen, daß sie mir ihre Seele entziehen könne, wie sie mir einst ihre Hand entzogen hatte, da sie eine unantastbare Gattin hatte bleibe