: Honoré de Balzac
: Kitzliche Reden dreier Pilger
: OTB eBook publishing
: 9783958640665
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 341
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: ePUB

Honoré de Balzac (* 20. Mai 1799 in Tours, † 18. August 1850 in Paris) war ein französischer Schriftsteller. In der Literaturgeschichte wird er, obwohl er eigentlich zur Generation der Romantiker zählt, mit dem 17 Jahre älteren Stendhal und dem 22 Jahre jüngeren Flaubert als Dreigestirn der großen Realisten gesehen. Sein Hauptwerk ist der rund 88 Titel umfassende, aber unvollendete Romanzyklus La Comédie humaine (dt.: Die menschliche Komödie), dessen Romane und Erzählungen ein Gesamtbild der Gesellschaft im Frankreich seiner Zeit zu zeichnen versuchen.

Kitzliche Reden dreier Pilger


Damals, als der Papst sein liebes Avignon verließ, um sich in Rom niederzulassen, wurden einige Pilger, die in jene Grafschaft gewallfahrt waren, in die betrübliche Notwendigkeit versetzt, nun auch die Hochalpen zu übersteigen, um nach Rom zu gelangen, allwo sie für ihre vielfältigen Sünden dasremittimus einheimsen wollten. So erblickte man denn viel Volkes auf jenen Landstraßen und in den Gasthäusern, das teils den Orden der Kainsbrüderschaft, teils die Blumen der Reue trug, eine ganz üble Gesellschaft von Schandkerlen im übrigen, die es gelüstete, ihre aussätzigen Seelen in dem päpstlichen Fischteiche rein zu baden und die nun Gold und Geschmeide herbeischleppten, um ihren Missetaten Vergebung zu erkaufen, den Ablaß zu bezahlen und die Heiligen zu beschenken. Ihr könnt sicher sein, daß sie zwar auf dem Hinwege Wasser tranken, dafür aber auf der Rückreise um so mehr Weihwasser aus dem Weinkeller haben wollten. So kamen auch drei Pilger in die Stadt Avignon; aber das war ihr Unglück, denn die Stadt war ihren Papst bereits los. Daher wollten sie das Rhonetal entlang, um auf diesem Wege die Küste des Mittelländischen Meeres zu erreichen. Von diesen drei Pilgersleuten schleppte einer seinen zehnjährigen Sohn mit. Aber eines Tages blieb er mit diesem zurück, und als er in Mailand wieder seine Gefährten einholte, da hatte er seinen Sohn nicht mehr bei sich. Um das Wiedersehen zu feiern, begannen die drei nach der Vesper ein großes Gelage. Die anderen hatten nämlich geglaubt, ihr Kumpan habe seine Buße aufgegeben, weil er den Papst in Avignon nicht mehr angetroffen hatte. Einer der drei Romfahrer kam aus Paris, der andere aus Deutschland und der dritte, der seinem Sohn wohl bei dieser Gelegenheit die Welt hatte zeigen wollen, stammte aus dem Herzogtum Burgund, allwo er ein Lehen besaß. Er war ein jüngerer Sohn des Hauses Spaltstadt (Villa in Fago) und hieß Fehlkorn. Der deutsche Freiherr hatte den pariser Bürgersmann in Lyon getroffen, und diese zwei waren dem Herrn Fehlkorn vor den Toren von Avignon begegnet. In diesem Gasthause also ließen die drei ihren Zungen freien Lauf und vereinbarten, zusammen weiter zu pilgern, damit sie gegen Raubzug, Nachtvögel und ähnliches Gesindel gesichert seien, davon die Wallfahrer alle Zeit bedroht waren. Man konnte da leicht alles Überflüssige los werden, bevor man beim Papste seiner Sünden ledig wurde. Nach dem Essen plauderten die drei bei vollem Becher, und da der Wein die Zungen zu lösen pflegt, so gestanden bald alle drei, daß die Ursache ihrer Reise ein Weib gewesen sei. Worob d