: Claude Anet
: Ende einer Welt
: OTB eBook publishing
: 9783956768538
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 123
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Claude Anet (* 28. Mai 1868 in Morges, † 9. Januar 1931 in Paris, bürgerlicher Name Jean Schopfer) war ein französischer Schriftsteller und Tennisspieler Schweizer Herkunft. Anet studierte Philosophie an der Sorbonne. Ab 1888 arbeitete er als Vertreter einer amerikanischen Firma in Paris. Er reiste per Fahrrad und mit dem Auto durch Italien, Iran und Russland. Über seine Erlebnisse schrieb er Reiseberichte. Die Russische Revolution erlebte er als Augenzeuge. Bekannt geworden ist er durch Reiseliteratur, Romane und Bühnenstücke. Seine Reiseberichte aus Iran oder Russland in der Phase der Revolution erreichten Popularität, und drückten sich auch als Hintergrund seiner Romane und Erzählungen aus, die entweder in der französischen Provinz oder in Russland spielten. Als Tennisspieler gewann Anet im Jahr 1892 die Französischen Tennismeisterschaften in Paris, und stand im Jahr darauf im Endspiel. (Auszug aus Wikipedia)

Da stand er auch eines Tages, in der Kühle des Morgens, ermüdet nach einer Jagd auf ein Hirschkalb, das er die ganze Nacht verfolgt hatte und erst früh in heißem, langem Wettlauf bezwingen konnte. Er warf seine Beute hinter sich und legte sich auf einen Felsen, von dem das Flußtal auf dreißig Schritte zu überblicken war. Von den Sonnenstrahlen erwärmt, war er eben im Begriff, einzuschlummern, als aus der Ferne ein Geräusch zu ihm rang. Er lauschte, sich so flach als möglich an den Boden schmiegend. Bald war er beruhigt. Helles Lachen aus Frauenmund und fröhliche Rufe klangen bis zu ihm herauf. Kurz danach sah er auf dem Pfade, der sich unter ihm durchs Dickicht schlängelte, fünf oder sechs Mädchen auftauchen. Sie gehörten zu einem Stamm, mit dem die Leute des Flusses wenig Beziehungen unterhielten. Es hatte einmal blutigen Streit zwischen ihnen gegeben, und obwohl es schon lange her war, die Erinnerung daran war noch nicht erloschen. Im übrigen betrachteten die Söhne des Bären mit Verachtung diese Nachbarn, die an den Ufern des Flusses wohnten, die Jagd vernachlässigten und fast ausschließlich vom Fischfang lebten.

Die Mädchen, deren aufgelöste Haare im Winde flatterten, gingen nahe an No vorüber und verschwanden ein wenig weiter hinter den Weiden, deren Zweige bis auf das Wasser des Flusses niederhingen. Doch wenige Augenblicke später sah No, wie die Zweige sich bewegten, und bald entdeckte er die Mädchen – nun entkleidet – wie sie, Forellen gleich, sich munter im Flusse tummelten. Sie schwammen nur etwa hundert Schritte von ihm entfernt im klaren Wasser, in dem ihre feinen, schlanken Körper in der Tönung dem Elfenbein glichen, aus dem er Mah geschnitzt hatte. Das entzückende Schauspiel dauerte an. Sie bewegten sich in vollkommener Sicherheit. Zweifellos war diese Uferstelle schon seit langem für ihr Bad bestimmt, und die Männer kamen nicht hierher. Eine von ihnen war jetzt näher zu No geschwommen. Er vermochte sogar ihre Züge zu unterscheiden. Etwas in ihrem kleinen Gesichte mit den vollen Wangen erinnerte ihn an seine verschwundene Schwester ... Doch schon entfernte sich die Badende und begab sich zu ihren Gefährtinnen unter den Weiden.

No wartete noch. Von der Höhe seines Felsens sah er sie in der Richtung ihrer Wohnstätten vorbeiziehen. Er fand, daß diese Töchter von Fischern anmutig dahinschritten.

Da nahm auch er seine Jagdbeute auf die Schulter und machte sich auf den Heimweg, der noch recht lang war. Erst nachts kam er zu Hause an. Und er empfand, wie traurig es sei, wenn man müde von schwerer Arbeit heimkehrt und keine Frau einen empfängt. Keine Frau, die das Essen vorbereitet hat, die dem Manne die Knöchel einreibt und dabei all die hund