: Honoré de Balzac
: Die dreißig tolldreisten Geschichten – Zweites Zehent
: OTB eBook publishing
: 9783956765544
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 194
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Aus dem Vorhaben, ein neues Decamerone zu verfassen, entstanden drei mal zehn kurzweilige Geschichten über die hohe französische Gesellschaft des späten Mittelalters. Balzac stellt den Hochadel in seiner ganzen, diesseitsbejahenden Lebenslust dar und enthüllt in brillanter Sprache skandalöse Details über vermeintliche Verbindungen, die laut Standesgesetzen nicht hätten sein dürfen. Dies ist der zweite Band. (Auszug aus Wikipedia)

Prolog


Einige Kritiker haben dem Autor vorgeworfen, von der Sprache der alten Zeit soviel zu verstehen als eine Kuh vom Spanischen. Ehemals hätte man ohne viel Federlesens derartige Leute Kannibalen geheißen, Lästermäuler, Sykophanten und sogar Sodomiter, aber der Autor will sie gern verschonen mit solchen Stilblüten älterer Schriftsteller und freut sich nur, daß er nicht in ihrer Haut steckt, weil er sich sonst verachten und vor sich selber schämen müßte. Für den niederträchtigsten Sudler würde er sich halten, ein armes Buch zu verleumden, weil es ganz und gar anders ist als die Bücher all dieser traurigen Tintenkleckser unsrer Tage.

Oh, ihr armseligen Gesellen! Ihr solltet ein wenig sparsamer mit eurer Galle umgehen. Ich meine, ihr könntet sie recht gut untereinander gebrauchen. Der Autor ist nicht unglücklich darüber, daß er nicht allen gefällt, er tröstet sich mit einem gewissen alten Tourainer ewigen Angedenkens, dem einst Buben vom gleichen Schlag so lange zugesetzt und mitgespielt haben, bis er es satt bekam und in einem seiner Dialoge erklärte, er sei entschlossen, kein Jota mehr zu schreiben. Andre Zeiten, andre Sitten. Nein, Herrgottsdonnerwetter, andre Zeiten, aber die nämlichen Sitten. Alles bleibt sich gleich, im Himmel oben wie hier unten bei den Menschen. Und also stützt sich der Autor lachend auf seinen Spaten und verschiebt die Rache an seinen Lästerern auf gelegenere Zeit. Er hat jetzt andres zu tun. Wahrlich, ein Hundert lustiger Geschichten kann man nicht so aus dem Boden stampfen und aus dem Ärmel schütteln. Das ist schon an sich kein leichtes Tagewerk, auch wenn es einem nicht dazu von andern noch erschwert wird, zuerst von Lumpen und Neidhammeln und zuletzt nicht weniger von den eignen Freunden, die einem zur Unzeit wie Unglücksraben mit ihrem Gekrächze über den Hals kommen. »Bist du verrückt?« sagen sie, »hast du dir's auch recht überlegt? Solche Geschichten und Schwanke hat nicht leicht einer hundertweis in seiner Gehirnkammer vorrätig, du hast, scheint uns, das Maul etwas allzuweit aufgemacht. Ein wenig bescheidener, guter Herr, ein wenig bescheidener, wenn wir bitten dürfen.« Das sind weder Misanthropen noch Kannibalen, ob Lumpe, ich weiß es nicht. Es sind aber, das ist keine Frage, gute Freunde. Aber ihre Fr