: Henri Barbusse
: Das Feuer
: OTB eBook publishing
: 9783956765087
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 317
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

“Das Feuer” - Tagebuch einer Korporalschaft. (französischer Originaltitel: Le Feu. journal d'une escouade.) ist ein Roman von Henri Barbusse, der darin seine eigenen Erfahrungen als Teilnehmer am Ersten Weltkrieg verarbeitete.Barbusse meldete sich bei Kriegsausbruch 1914 freiwillig zum Dienst in der französischen Armee. Bis zu seinem Dienstende 1916 verbrachte er insgesamt elf Monate an der Front, noch im Schützengraben sollen nach seiner Auskunft die ersten Skizzen zu „Das Feuer“ entstanden sein. Verwundungsbedingt vom Kampfschauplatz abgezogen begann er noch während seiner Dienstzeit, die Schilderung des Stellungskriegs niederzulegen.(Auszug aus Wikipedia)

IV.


Volpatte und Fouillade.

Bei der Ankunft im Quartier rief eine Stimme:

– Wo ist nur Volpatte?

– Und wo ist Fouillade?

Sie waren vom 5. Bataillon aufgeboten, mit in die erste Linie genommen worden, und sollten sich nachher wieder in unserm Quartier einfinden; aber man fand nicht die Spur von ihnen. So war die Korporalschaft um zwei Mann ärmer geworden!

– Der Teufel soll das holen! So geht's einem immer, wenn man seine Leute hergibt, kreischte der Sergeant.

Als der Hauptmann davon erfuhr, fluchte auch er und sagte:

– Ich brauch die Leute; man soll sie sofort auftreiben. Vorwärts!

Farfadet und ich wurden von Korporal Bertrand aus der Scheune gerufen, in der wir uns schon zur Ruhe hingelegt hatten und einschlummern wollten.

– Volpatte und Fouillade müssen her. Wir standen schnell auf und machten uns mit bangem Gefühl auf den Weg. Unsre beiden Kameraden waren vom fünften Bataillon mit in jene höllische Ablösung mitgezogen worden. Wer weiss, wo sie jetzt stecken und was aus ihnen geworden ist?

... Wir gehn den Hügel wieder hinauf und machen zum zweitenmal, in entgegengesetzter Richtung, den langen Weg, den wir letzte Nacht und seit Morgenanbruch bereits hinter uns gelegt hatten. Wir sind zwar unbepackt, tragen bloss das Gewehr und die gewöhnliche Ausrüstung, aber die Müdigkeit lastet dennoch auf uns; schlaftrunken schleppen wir uns durch die traurige Landschaft, unterm dunstgrauen Himmel. Farfadet fängt allmählich an zu keuchen; anfangs sprach er ein wenig, dann aber liess ihn die Müdigkeit verstummen. Er ist zwar tapfer, aber schwächlich und hatte früher kaum gelernt, sich seiner Beine zu bedienen; denn seit seiner ersten Kommunion kratzte er mit der Feder in einem Bürgermeisteramt hinter dem Ofen und in Gesellschaft von alten verstaubten Akten.

Als wir aber aus dem Holz treten und uns, auf dem glitschigen Boden vorwärts tappend, in die Verbindungsgräben drücken, sehen wir zwei dünne Schatten vor uns; es sind zwei Soldaten, die auf uns zuschreiten; man erkennt die rundliche Form ihrer Bepackung und den geraden Strich ihres Gewehres. Allmählich wird die schwankende Zwillingserscheinung deutlicher.

– Sie sind es!

Einer von ihnen hat den Kopf in dickes Verbandzeug eingewickelt.

– Verwundet? Es ist Volpatt