: Marquis de Sade
: Die 120 Tage von Sodom
: OTB eBook publishing
: 9783956765353
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 343
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

“Die 120 Tage von Sodom” oder die Schule der Libertinage (orig. franz. Titel: Les 120 Journées de Sodome ou L'Ecole du Libertinage) ist ein teils nur skizzenhaft ausgeführter Text (Episodenroman) des französischen Schriftstellers Marquis de Sade, den dieser in der Pariser Bastille als Gefangener auf einer schmalen Papierrolle am 22. Oktober 1785 niederzuschreiben begann und in 37 Tagen fertig stellte. De Sade schildert ausführlich die später nach dem Autor benannten sadistischen Sexualpraktiken von vier während der Regentschaft Ludwigs XIV. durch Steuer-Erpresserei zu Reichtum gelangten Franzosen im Laufe eines von obszönen Erzählungen begleiteten, mehr als viermonatigen Aufenthalts in einem zugemauerten Schloss an einem geheimen abgelegenen Ort Südwestdeutschlands oder der Westschweiz. (Auszug aus Wikipedia)

Bestimmungen


Man wird täglich um 10 Uhr morgens aufstehen; zu dieser Zeit werden jene vier Ficker, welche keinen Nachtdienst hatten, unseren Freunden einen Besuch abstatten und jeder von ihnen wird einen kleinen Knaben mitbringen. Sie werden nacheinander von einem Zimmer ins andere gehen und nach den Wünschen der Freunde handeln; die jungen Knaben aber, die sie mitbringen, werden anfänglich nur zur Aufgeilung dienen, denn nach Beschluß werden die acht Jungfernschaften der Vötzchen der jungen Mädchen erst im Dezember, die ihrer Popos sowie derÄrsche der jungen Knaben erst im Laufe des Januars geraubt werden, damit die Wollust durch das Anwachsen einer Begierde unaufhörlich entflammt und niemals gesättigt werde, ein Zustand, der notwendigerweise zu einer gewissen geilen Wut führen muß, in welche die Freunde mit Absicht geraten wollen, da sie einer der lustvollsten Zustände der Geilheit ist.

Um elf Uhr begeben sich die Freunde in das Appartement der jungen Mädchen: hier wird das Frühstück serviert, bestehend aus Schokolade oder Braten oder spanischem Wein oder anderen stärkenden Erfrischungen. Dieses Frühstück wird von den acht jungen Mädchen nackt serviert, unter Führung der zwei Alten, Marie und Luison, welche dem Mädchenserail zugeteilt sind, während die andern zwei bei den Knaben sind. Wenn die Freunde Lust haben, mit den Mädchen Schamlosigkeiten zu begehen vor dem Frühstück, während des Frühstücks oder nach demselben, werden diese sich dazu mit der Unterwürfigkeit hergeben, die ihnen befohlen ist, und die sie bei schwerer Strafe stets zeigen müssen. NachÜbereinkunft darf dies aber nicht geheim und abgesondert geschehen, und wer zu dieser Zeit einen Moment schweinigeln will, muß esöffentlich vor allen beim Frühstück Anwesenden tun.

Die Mädchen müssen im Allgemeinen jedes Mal niederknien, sobald sie einen der Freunde sehen oder begegnen, und in dieser Stellung verharren, bis man ihnen befiehlt, aufzustehen. Nur sie, die Gattinnen und die Alten sind dieser Bestimmung unterworfen, alle anderen sind davon befreit, doch alle müssen unsere Freunde stets mit»Monseigneur« ansprechen.

Vor dem Verlassen des Mädchensaals prüft derjenige der Freunde, dem für den Monat die Aufsicht obliegt (in jedem Monat hat nämlich einer die Aufsichtüber alles, und jeder gelangt nach folgender Ordnung einmal daran: Durcet im November, der Bischof im Dezember, der Präsident im Januar und der Herzog im Februar), prüft also der nach dem Monat die Aufsicht führende Freund alle Mädchen, eine nach der andern, um nachzusehen, ob sie sich in dem Zustand befinden, in dem zu befinden ihnen befohlen wurde. Es wird ihnen nämlich jeden Morgen durch die Alten mitgeteilt, daß sie sich in dem oder dem Zustand befinden sollen, je nach der Laune der Freunde.[Fußnote: Dies und das Folgende, das hier mit Sadescher Geheimtuerei nur angedeutet wird, erklärt sich später, und ist auch für das skatologische Element der Sadeschen Erotik ungemein charakteristisch.
Anmerkung desÜbersetzers.]

Ebenso ist es streng verboten, anderswohin auf die Seite zu gehen, als in die Kapelle, die für diesen Zweck bestimmt und hergerichtet ist, und verboten, dorthin ohne besondere Erlaubnis zu gehen, eine Erlaubnis, die sehr oft und aus gewissen Gründen verweigert werden wird.

Der Aufsichtsführende des Monats untersucht sogleich nach dem Frühstück aufmerksam die speziellen Garderoben der Mädchen, und im einen oder andern Fall des Ungehorsams gegen die zwei oben bezeichneten Punkte wird die Schuldige zu einer empfindlichen Strafe verdammt. Von hier begibt man sich ins Appartement der Knaben, um hier dieselbe Untersuchung anzustellen und die Schuldigen gleicherweise zu schwerer Strafe zu verurteilen.

Die vier kleinen Knaben, die am Morgen nicht bei den Freunden waren, empfangen sie diesmal, wenn sie in ihren Saal kommen. Sie lassen sich vor ihnen die Höschen herab, während die anderen vier stehen bleiben, ohne etwas zu tun, und die Befehle erwarten, die ihnen gegeben werden. Die Herren begehen mit diesen vier, die sie an diesem Tage noch nicht gesehen haben, Unzüchtigkeiten oder nicht, aber was sie tun, geschieht vor allen Augen: keine Heimlichkeiten zu dieser Stunde!

Um ein Uhr begeben sich diejenigen von den Männlein und Weiblein, groß oder klein, welche die Erlaubnis erhalten haben, dringende Bedürfnisse, u.zw. der großen Seite, zu besorgen (diese Erlaubnis wird immer nur sehr schwierig erteilt und höchstens einem Drittel der sich Meldenden), di