: Charles Dickens
: Eine Weihnachtsgeschichte
: OTB eBook publishing
: 9783956762963
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 82
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Der alte Ebenezer Scrooge ist ein hartherziger Geizkragen, wie man ihn im ehrwürdigen London wohl kaum ein zweites Mal antrifft. Seinem unterbezahlten Angestellten Bob Cratchit droht er regelmäßig mit Kündigung, wenn dieser es auch nur wagt einen Blick auf den Kohlenkasten zu werfen, um vielleicht das bitterkalte Kontor damit etwas aufzuheizen, für seine bedürftigen Mitmenschen hat er nur Geringschätzung übrig und Weihnachten hält er für geld- und zeitverschwendenden Humbug. In der Nacht zum 25. Dezember jedoch erhält er unerwarteten Besuch. Der Geist seines vor sieben Jahren verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley sucht ihn auf, um ihn vor einem schrecklichen Schicksal zu warnen. Die schaurige Erscheinung ist an eine lange, schwere Eisenkette gefesselt. Jene Kette, die er sich mit seiner Hartherzigkeit, seiner Gier und seinem Geiz im Leben selbst geschmiedet hat. Marley bietet Scrooge nun eine Möglichkeit sich zu bessern und seine eigene, jetzt noch unsichtbare Kette abzustreifen. Dazu werden ihn drei Geister aufsuchen. (Auszug aus Wikipedia)

Erste Strophe

Marleys Geist

Marley war tot – soviel zum Anfang. Darüber konnte auch nicht der geringste Zweifel herrschen. Sein Beerdigungsschein war von dem Geistlichen, dem Küster, dem Leichenbestatter und dem Hauptleidtragenden unterzeichnet. Scrooge hatte seine Unterschrift darunter gesetzt, und Scrooges Name war gut auf der Börse für alles, was er mit seiner Handschrift zu versehen beliebte.

Der alte Marley war so tot wie ein Sargnagel.

Wußte Scrooge, daß er tot war? Natürlich. Wie hätte es auch anders sein können? Scrooge und er waren, ich weiß nicht wie viele Jahre, Geschäftspartner gewesen. Scrooge war sein einziger Nachlaßpfleger, sein einziger Rechtsnachfolger, sein einziger Universalerbe, sein einziger Freund und sein einziger Leidtragender. Und selbst Scrooge war von dem traurigen Ereignis nicht so sehr ergriffen, daß er sich nicht sogar am Tag der Beerdigung als vortrefflicher Geschäftsmann erwiesen und ihn mit einem unzweifelhaft guten Geschäft gefeiert hatte.

Scrooge hatte den Namen des alten Marley nie ausstreichen lassen. Jahre später stand noch über der Tür des Geschäfts: „Scrooge und Marley.“ Die Firma war bekannt als Scrooge und Marley. Leute, die die Firma nicht näher kannten, nannten Scrooge bisweilen Scrooge, bisweilen Marley, aber er antwortete auf beide Namen – es war eins wie das andre für ihn.

Aber Scrooge war eine feste Hand an dem Mahlstein – ein auspressender, an sich reißender, zupackender, zusammenscharrender, zäh festhaltender, habgieriger alter Sünder, aus dem nie ein edelmütiger Funken geschlagen – verschwiegen und verschlossen und einsam wie eine Auster. Seine innere Kälte machte sein altes Gesicht frostig, zwickte seine spitzige Nase, runzelte seine Wangen, machte seinen Gang steif, seine Augen rot, seine dünnen Lippen blau und sprach hämisch aus seiner knarrenden Stimme. Ein frostiger Reif lag auf seinem Kopf, auf seinen Augenbrauen und auf seinem dünnen Kinn. Stets umgab ihn die eisige Atmosphäre seines Innern; er durchkältete sein Kontor in den Hundstagen und ließ es auch am Christfest nicht um einen einzigen Grad auftauen.

Äußere Hitze und Kälte hatten wenig Einfluß auf Scrooge. Keine Hitze konnte ihn erwärmen, kein winterliches Wetter ihn erkälten. Kein Wind war schneidender als er, kein fallender Schnee schärfer auf seinen Zweck erpicht und kein Platzregen der Bitte unzugänglicher. Das schlechte Wetter wußte nicht, wo es ihm etwas anhaben sollte.

Kein Mensch hielt ihn je mit frohen Blicken auf der Straße an, um zu ihm zu sagen:

„Mein lieber Scrooge, wie geht’s Ihnen? Wann werden Sie mich besuchen?“

Kein Bettler bat ihn um eine Kleinigkeit, kein Kind wollte von ihm wissen, wieviel Uhr es sei, kein Mann, keine Frau hatten i