Louis Marthe
Louis Marthe gab den Kindern der Bürger von Valleyres Klavierstunden.
Er war der Sohn eines Stadtschreibers und da er schon als kleiner Junge auffallendes Interesse für die Musik gezeigt, hatte der alte Organist Faguet sich seiner angenommen und ihn alles gelehrt, was er selbst von seiner Kunst verstand. Als Faguet starb, wurde Marthe sein Nachfolger. Er wäre gern in die Provinzhauptstadt gegangen, um sich weiter auszubilden, doch es fehlten ihm dazu die Mittel: so blieb er in Valleyres. Er erwarb aus dem Nachlasse seines Lehrers ein altertümliches Klavier mit vergilbten Elfenbeintasten, dessen Saiten einen rauhen Ton gaben. Auch die Noten übernahm er, die Sonaten von Diabelli, die Übungen von Czerny und einige Glanzstücke. Um diese umfangreichen Ankäufe zu bezahlen, verpflichtete er sich, zehn Jahre hindurch zu Mariä Lichtmeß und zu Mariä Himmelfahrt kleine Raten zu erstatten. Sein Vater starb, ohne ihm einen Sou zu hinterlassen.
Louis Marthe verließ sein Zimmer, das er seit Jahren bewohnt hatte, behielt die besten Möbel der väterlichen Einrichtung, verkaufte die übrigen und mietete sich bei Frau Poiret, der Krämerin in der Hauptstraße, ein. – Hier erwartete er seine Schüler.
Er mußte nicht lange warten. Die Art und Weise, mit der er beim Gottesdienste die Orgel spielte, hatte die Aufmerksamkeit der Bürger von Valleyres bald auf ihn gelenkt. Man erkundigte sich und erfuhr, daß Marthe das Klavier nicht weniger gut zu spielen verstand; der Herr Pfarrer empfahl ihn wärmstens und so fanden sich bald seine ersten Schülerinnen ein. Es waren die Mädchen Vertot. Louis Marthe kam in Mode. Das alte Fräulein Proteau, das die Ehre gehabt hatte, drei Generationen im Klavierspiel zu unterweisen, sank in Vergessenheit. Marthe aber hatte bald soviel Schüler, als er nur gebrauchen konnte. Die Stunden, die er bei sich gab, berechnete er mit eineinhalb Francs, in der Wohnung seiner Schülerinnen verlangte er vierzig Sous für einen Unterricht von fünfzig Minuten. Sein stets korrektes Benehmen und seine Schüchternheit verschafften ihm das Vertrauen selbst der mißtrauischsten Damen der Stadt. Zu seinen Schülerinnen sprach er nur in der dritten Person.
Nach achtzehn Monaten schon waren seine Schulden bezahlt und er entschloß sich sogar, einen Erard-Flügel zu kaufen.
Nach Beendigung seiner Stunden verbrachte Marthe fast alle seine Abende beim Ehepaar Mathieu Fleuriot. Dies waren zwei alte Leutchen, Freunde seines verstorbenen Vaters, die geruhsam ihren Lebensabend verbrachten. Sie besaßen einen kleinen Laden an der Ecke des Rathausplatzes und der Hauptstraße, und nach dem Abendessen, pünktlich um sieben Uhr, pflegte Marthe bei ihnen einzutreten. Im Winter sahen sie alle drei plaudernd vor dem Kamin, im Sommer gingen sie gemächlich den Ufern der Ourche entlang, die Val