: Josephine Mutzenbacher
: Die Lebensgeschichte einer Wiener Dirne, erzählt von ihr selbst
: OTB eBook publishing
: 9783956765933
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 152
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Josefine „Pepi“ Mutzenbacher ist der Name einer Wiener Prostituierten, die 1852–1904 gelebt haben soll. Ihre (vermutlich fiktiven) erotischen Lebenserinnerungen erschienen erstmals 1906. Dieser Roman gilt seit seinem Erscheinen als ein Meisterstück erotischer Literatur, fand aber erst in den 1970er Jahren nach seiner Verfilmung durch den Regisseur Kurt Nachmann im deutschsprachigen Raum größere Verbreitung. (Auszug aus Wikipedia)

Die Kirche war voll Kinder, und es wurde an drei Beichtstühlen gebeichtet. Ich kam zu einem ältlichen fetten Kooperator mit einem großen runden Gesicht. Ich kannte ihn nur vom Sehen, und er schien mir nachsichtig zu sein, weil er immer so freundliche Miene machte.

Zuerst beichtete ich meine kleinen Sünden. Doch er unterbrach mich mit der Frage:"Hast vielleicht gar Unkeuschheit getrieben?"

Zitternd sprach ich:"Ja."

Er legte seine harten Wangen dicht an das Gitter und fragte:"Mit wem?"

"Mit dem Franzl."

"Wer ist das?"

"Mein Bruder."

"Dein Bruder? So! So! Und vielleicht noch mit wem?"

"Ja"

"Also?"

"Mit dem Herrn Horak."

"Wer ist das?"

"Der Bierversilberer in unserm Haus."

"Mit wem noch?" Seine Stimme bebte.

Ich mußte das ganze Namenregister herzählen.

Er rührte sich nicht, als ich fertig war. Nach einer Pause fragte er:"Wie hast du Unkeuschheit getrieben?"

Ich wußte nicht, was ich antworten sollte. Da herrschte er mich an:"Also wie habt ihr's denn gemacht?"

"Mit..., na...", ich stotterte,"mit dem, was ich zwischen den Füßen..."

Er schüttelte den Kopf:"Habt ihr gevögelt?"

Mir kam das Wort aus seinem Munde merkwürdig vor, aber ich sagte:"Ja."

"Und hast du's auch in den Mund genommen?"

"Ja."

"Und hast du dir's auch in den Arsch stecken lassen?"

"Ja."

Er schnaufte und seufzte und sagte:"Ach Gott, ach Gott, mein Kind ..., Todsünden ..., Todsünden ..."

Ich war ganz weg vor Angst. Er aber meinte:"Da muß ich alles wissen, hörst du? Alles!" Nach einer Weile fuhr er fort."Das wird aber eine lange Beichte werden ..., und die andern Kinder warten ..., bleibt nix übrig, als daß du extra beichten kommst, verstehst?"

"Ja, Hochwürden"