: Terry Pratchett
: Die Krone des Schäfers Ein Märchen von der Scheibenwelt
: Manhattan
: 9783641183110
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Noch einmal tut sich Großes auf der Scheibenwelt …

Tiffany Weh, die junge Hexe aus dem Kreideland, musste einige beeindruckende Gegner bezwingen und viele Prüfungen bestehen, bevor die anderen, erwachsenen Hexen der Scheibe sie als eine der Ihren akzeptierten. Nun ist die sie die offizielle Hexe ihrer Heimat, stolz und glücklich – und steht doch vor ihrer bisher größten Herausforderung. Denn tief im Kreideland rührt sich etwas: Ein alter Feind sammelt neue Kraft. Und nicht nur hier, auf der ganzen Scheibenwelt hat eine Zeit der Umbrüche begonnen. Grenzen verschwimmen, Allianzen verschieben sich, neue Mächte entstehen. Tiffany muss wählen zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Gut und Böse. Als sich eine gewaltige Invasion ankündigt, ruft Tiffany die Hexengemeinde auf, ihr beizustehen. Denn der Tag der Abrechnung rückt näher ...

Terry Pratchett, geboren 1948, schrieb 1983 seinen ersten Scheibenwelt-Roman – ein großer Schritt auf seinem Weg, einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt zu werden. Von Pratchetts Romanen wurden weltweit 85 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 40 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur verlieh ihm Queen Elizabeth sogar die Ritterwürde. Terry Pratchett starb am 12.3.2015 im Alter von 66 Jahren.

2
Eine Stimme in der Dunkelheit

Ein Tag, wie er schöner wirklich nicht hätte sein können. Oma Wetterwachs war die ganze Nacht auf gewesen und hatte Diele und Küche geputzt, bis alles blitzte, was überhaupt nur blitzen konnte. Jetzt waren der Herd gescheuert, der Fleckenteppich ausgeschüttelt, der Fußboden geschrubbt.

Sie stieg die kleine gewendelte Treppe hinauf und nahm sich als Nächstes das Schlafzimmer vor. In diesem Jahr war ihr die Seife8 besonders gut gelungen, und es dauerte nicht lange, bis der Krug und die Waschschüssel neben dem Bett vor Sauberkeit glänzten. Die Spinnen, die ihre Zimmerecken bis zum Jüngsten Tag gepachtet zu haben glaubten, wurden samt ihren Netzen vorsichtig zum Fenster hinauskomplimentiert. Sogar die Matratze sah einladend aus. Hin und wieder schaute die Katze Du herein, um zu sehen, was hier oben vor sich ging, und rollte sich auf der bunten Steppdecke zusammen, die aussah, als wäre jemand auf eine riesige Schildkröte getreten.

Anschließend putzte Oma Wetterwachs sicherheitshalber noch einmal die Toilette, keine schöne Aufgabe für so einen herrlichen Tag. Aber Esmeralda Wetterwachs war in solchen Dingen äußerst gewissenhaft, und schon zeitigten ihre Bemühungen strahlende, ja geradezu blendende Erfolge.

Die Katze verfolgte ihr Tun mit höchster Aufmerksamkeit. Du spürte, dass heute ein besonderer Tag war. Ein Tag, wie sie ihn noch nie erspürt hatte. Ein Tag, der so ausgefüllt war, als wäre er der Letzte.

Nachdem Oma Wetterwachs alle anderen Zimmer auf Vordermann gebracht hatte, folgte Du ihr in die Spülküche. Einen Eimer Wasser aus der Pumpe, mehr brauchte es hier nicht. Die alte Hexe lächelte. Sie mochte diesen Raum ganz besonders. Er roch nach harter, ehrlicher Arbeit. Die Spinnen, die hier hausten, meist hinter den Flaschen und Gläsern auf den Regalen versteckt, störten Oma Wetterwachs nicht weiter. Leben und leben lassen.

Alsdann sah sie nach den Ziegen, die auf der von einer Mauer umgebenen Koppel hinter dem Häuschen weideten. Auch dort vermeldete ihr innerer Fahrplan, dass alles in bester Ordnung war.

Zufrieden – das heißt, so zufrieden, wie eine Hexe überhaupt sein konnte – ging Oma Wetterwachs zu den Bienenkörben.

»Ihr seid meine Bienen«, sagte sie, »ich danke euch. Ihr habt mich jahrelang mit Honig versorgt. Nehmt es euch nicht so zu Herzen, aber ihr müsst euch jetzt an ein anderes Gesicht gewöhnen. Bitte gebt ihr genauso viel Honig wie mir. Und jetzt werde ich ein letztes Mal mit euch tanzen.« Doch die Bienen summten leise und tanzten stattdessen für sie. Sachte schoben sie den Geist der alten Hexe aus ihrem Korb. Und sie sagte: »Bei unserem letzten Tanz war ich noch jünger. Jetzt bin ich alt. Ich werde nie mehr tanzen.«

Die weiße Katze Du, die den Bienen lieber nicht zu nahe kam, stakste durch den Kräutergarten hinter Oma Wetterwachs her, die im Vorbeigehen hier einen Farnwedel und da ein Blatt berührte. Der ganze Garten schien ihr zu antworten, und es war, als verneigten sich die Pflanzen vor ihr.

Du kniff missbilligend die Augen zusammen und sah das Grünzeug schief von der Seite an. Da sich die Kräuter oft auch dann bewegten, wenn kein Wind ging, hätte ein unbeteiligter Betrachter geschworen, dass es sich bei ihnen um intelligente Wesen handelte. Zum abgrundtiefen Entsetzen der Katze hatten sich Omas Pflanzen mindestens einmal tatsächlich nach ihr umgedreht, als sie auf einem Jagdausfl