: Peter Lindner
: Der Kolchoz-Archipel im Privatisierungsprozess Wege und Umwege der russischen Landwirtschaft in die globale Marktgesellschaft
: Transcript Verlag
: 9783839407844
: Global Studies
: 1
: CHF 22.20
:
: Soziologie
: German
: 282
: Wasserzeichen
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Die Reorganisation der Kollektivbetriebe im ländlichen Raum Russlands stellt das größte jemals durchgeführte Privatisierungsprojekt überhaupt dar. Einbezogen waren über 10 Mio. Beschäftigte und eine Fläche, die dem fünffachen Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland entsprach. Sie musste meist gegen den Willen der Betroffenen durchgesetzt werden und erreichte ihr ursprüngliches Ziel, die Etablierung kleinbäuerlicher Strukturen, nicht einmal in Ansätzen. Die Studie geht den Ursachen dieses Scheiterns nach und setzt sich dabei insbesondere kritisch mit der verbreiteten These auseinander, kulturell verankerter Kollektivismus und Egalitarismus determinierten die Entwicklungen im ländlichen Raum. Stattdessen wird gezeigt, dass der Schlüssel zum Verständnis des Verlaufs der Transformation in der symbiotischen Beziehung zwischen Hofwirtschaften und Großbetrieben zu sehen ist, deren Auflösung durch die Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen erzwungen wird.

Peter Lindner (Prof. Dr. phil.) lehrt an der Universität Frankfurt am Main. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialgeographie mit den Schwerpunkten Transformations- und Globalisierungsforschung.
Inhalt5
Danksagung7
Verzeichnis der Abbildungen9
Verzeichnis der Tabellen10
Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen10
Verzeichnis der verwendeten russischen Termini11
Technische Vorbemerkung14
Vorwort15
Grundkategorien im Fokus der Privatisierung: staatlich, kollektiv, privat16
Privatisierung als Aushandlungsprozess16
Themen und Positionen19
Aufbau des Buches32
1 Egalitär und kollektiv? Erzählungen über das russische Dorf zwischen Feudalherrschaft und Zwangsprivatisierung37
Individualistisch – kollektiv: Grenzen und Identitäten37
Strukturelle Analogien: Familie und Staat41
Zur falschen Zeit am falschen Ort: Die Stellung der Landkommunen im unilinearen Entwicklungsmodell der marxistischen Orthodoxie43
Das »neue Paradigma«46
»Sowjetische Kultur«?49
Kollektivismus und Egalitarismus als Deutungsrahmen52
2 »Was die Kommune anordnet, hat den Segen Gottes!«59
Landumverteilungen und Steuererhebung61
Ein Netzwerk in Grenzen71
Haushalt und Kommune78
3 »Alles hier gehört dem Kolchoz, alles hier gehört mir!«83
Die interne Verfasstheit des Kolchoz: Das dritte Musterstatut86
Kolchoz und kommunale Verwaltung94
Kolchoz und Hoflandwirtschaft98
4 Die Entstehung »paralleler Halböffentlichkeiten«111
Die vorrevolutionären Landkommunen: lokale Gemeinschaften112
Die vorrevolutionären Landkommunen: lokale Gemeinschaften115
Egalitarismus und Kollektivismus als Praktiken der kommunalen Halböffentlichkeit130
Öffentlichkeit als Medium der Repräsentation133
Die lokal-informelle Sphäre144
Exkurs: Das Mysterium der Selbstkosten150
Das Kolchoz-Kollektiv156
5 Föderale Vorgaben und lokale Antworten163
Die Reformgesetzgebung164
Methodische Annäherung I: Auswahl von Beispielbetrieben171
Methodische Annäherung II: empirische Vorgehensweise182
6 Hofwirtschaften und Großbetriebe auf dem Weg in die Marktgesellschaft189
Die Privatisierung der Großbetriebe »Wir haben euch ins Wasser geworfen – schwimmt!«192
Kolchozbauern, Arbeiter und Miteigentümer204
Die neue Rolle der Hofwirtschaften Wahlmöglichkeiten und Entscheidungsprozesse216
Subsistenzlandwirtschaft, Marktorientierung und Lohneinkommen224
Postsowjetischer Patrimonialismus236
Infrastruktur und Isolation238
Macht und Verantwortung249
7 Der postsowjetische ›Kolchoz-Archipel‹263
Literatur275