: Daniel Wolf
: Der Vasall des Königs Eine historische E-Only-Kurzgeschichte - (Prequel zu Fleury 3)
: Goldmann
: 9783641180799
: 1
: CHF 1.80
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 120
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die abenteuerliche Geschichte des Balian Fleury aus 'Das Licht der Welt'.
Varennes-Saint-Jacques, 13. Jahrhundert: Balian Fleury hadert mit seinem Leben. Die Arbeit im traditionsreichen Kaufmannsgeschäft der Familie liegt ihm nicht; immerzu steht er im Schatten seines Bruders Michel. Als Wilhelm von Holland, der junge König des Heiligen Römischen Reiches, gegen die aufständischen Friesen in den Krieg ziehen will, wittert Balian seine Chance, dem tristen Dasein zu entkommen. Gegen den Willen seiner Familie schließt er sich dem königlichen Heer an. Anfangs ist Wilhelm siegreich, und Balian genießt das abenteuerliche Leben. Doch dann entwickelt sich der Feldzug zur Katastrophe ...

Die Abenteuer der Familie Fleury gehen weiter - erfahren Sie mehr über Balians weiteres Leben in 'Das Gold des Meeres'.

Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen um die Händlerfamilie Fleury, 'Das Salz der Erde', 'Das Licht der Welt', 'Das Gold des Meeres' und 'Die Gabe des Himmels', gelang ihm ebenso der Sprung auf die Bestsellerlisten wie mit den zwei Bänden der Friesensaga 'Im Zeichen des Löwen' und 'Im Bann des Adlers'. Der Autor lebt in Speyer. Weitere Titel von Daniel Wolf sind bei Goldmann in Vorbereitung.

Kapitel I

Juli 1255

Balian hätte ihn mühelos töten können.

Schon, wie der Angreifer das Schwert hielt. Den Arm zu weit ausgestreckt, die Klinge zu tief. Weder offensiv genug noch richtig verteidigungsbereit. Seine ganze Körperhaltung sagte:Ich will nicht kämpfen. Als er einen ungeschickten Sprung nach vorn machte, musste Balian nur zurückweichen, den Hieb parieren und mit seinem Schwert eine kreiselnde Bewegung ausführen, sodass sein Gegner gezwungen war, die Waffe fallen zu lassen. Hätte er seine Klinge nun schräg nach oben gezogen, wäre der Angreifer mit gespaltener Kehle ins feuchte Gras gesunken und verblutet. Niemand hätte ihn retten können.

Und Balian würde wenig später am Galgen zappeln. Ganz davon abgesehen, dass Martin sein Freund war.

Also verzichtete er auf den tödlichen Streich und versetzte seinem Gegner stattdessen mit der flachen Schwertseite einen Schlag auf den Oberarm. Als Martin aufheulte und die Hand auf die schmerzende Stelle presste, trat Balian ihm die Füße weg, sodass der junge Knochenhauer rückwärts in die Farne am Flussufer fiel und stöhnend liegen blieb. Ein Flößer, der alles gesehen hatte, lachte meckernd, während er sein Gefährt aus zusammengebundenen Baumstämmen zu den Anlegestegen am Viehmarkt stakte.

Balian richtete die Schwertspitze auf Martins Adamsapfel. »Ich fürchte, du bist tot. Schon wieder.«

»Ja, ja, schon kapiert«, murrte der Knochenhauer. »Nimm das Schwert weg, gottverdammt!«

»Wenn du Gott lästerst, macht er ganz bestimmt keinen Kämpfer aus dir«, bemerkte Bénédicte, ein Steinmetzgeselle mit wuscheligem blonden Haar, der unter der Gerichtslinde saß und auf einem Halm kaute.

Balian genoss den Sieg, doch er behielt seine Freude für sich. Es bereitete ihm kein Vergnügen, einen Verlierer zu demütigen. Er half Martin beim Aufstehen und reichte ihm seine Waffe. »Das war doch schon ganz gut«, log er.

»War es nicht. Ich werde nie so gut sein wie du. Und wenn ich noch hundert Jahre übe.«

»Nun ja, ich trainiere an den Waffen, seit ich sieben bin. Natürlich habe ich dir einiges voraus. Aber für einen Kerl, der gerade erst angefangen hat, bist du nicht schlecht. In ein paar Monaten kannst du es gewiss mit mir aufnehmen.«

»Meinst du?«, fragte Martin zweifelnd.

»Ganz bestimmt. Du darfst nur nicht aufgeben.«

Sie setzten sich zu Bénédicte ins Gras und reichten den Schlauch mit dem Quellwasser herum. Obwohl früh am Morgen, war es bereits warm. Seit einigen Tagen lastete schwüle Hitze wie eine feuchte Decke über Varennes-Saint-Jacques und dem Moseltal. In den vergangenen Nächten hatten Balian, sein Bruder und die Hausbedienten im Warenkeller geschlafen, denn oben in den Wohnkammern war es kaum auszuhalten. Ganz zu schweigen von den Stechmücken, die einen unentwegt plagten. Balian spritzte sich das restliche Wasser ins Gesicht und genoss die kühlen Tropfen auf der Haut.

»Ich bin verliebt«, verkündete Bénédicte.

»Ach ja?« Balian grinste. »Wer ist diesmal die Glückliche?«

»Ich weiß nicht, wie sie h