Das Buch als Erinnerungsobjekt
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Anna Violetta Lex
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Das Buch als Erinnerungsobjekt
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Mainzer Institut für Buchwissenschaft
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9783945883136
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1
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CHF 7.90
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Medienwissenschaft
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German
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151
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kein Kopierschutz
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB
'Die einzelnen Geschichten, die uns Bücher erzählen können, sind Zeugnisse der Vergangenheit und somit für uns und nachfolgende Generationen von kulturellem und wissenschaftlichem Wert.' In ihrer Magisterarbeit setzt sich Anna Lex mit der Funktion des Buches als Erinnerungsobjekt auseinander. Sie nähert sich diesem Thema über die theoretischen Ansätze der Gedächtnis- und Erinnerungsforschung. Auf der Grundlage dieser theoretischen Reflexion untersucht sie die Eigenschaften des Buchs als Träger von Erinnerungen anhand der Paratexte Lesespuren, Exlibris und Widmungen. Schließlich geht sie der Frage auf den Grund, auf welche Art und Weise Bibliotheken als kulturelles Gedächtnis fungieren. Diese Arbeit ist Teil der Reihe Initialen, in deren Rahmen herausragende Abschlussarbeiten der Mainzer Buchwissenschaft veröffentlicht werden.
Anna Violetta Lex, 1986 in Bremen geboren, studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Sie war während Ihres Studiums als wissenschaftliche Hilfskraft tätig, sammelte Berufserfahrung in mehreren Verlagen und engagierte sich im Fachschaftsrat der Germanistik, Komparatistik und Theaterwissenschaft. Mit der vorliegenden Arbeit erlangte sie 2014 den akademischen Grad einer Magistra Artium.
1 Einleitung Manch ein Leser mag dies kennen: Beim Aufräumen im Bücherregal fällt einem ein Buch in die Hände, das man vor einiger Zeit im Urlaub gelesen hat. Dann rieselt einem vielleicht etwas Sand entgegen oder man findet eine Postkarte des Urlaubsortes, die man als Lesezeichen verwendet hat. Vielleicht stößt man beim erneuten Blättern auf Notizen, die man am Rand des Textes gemacht hat, auf Markierungen, Anmerkungen, Gedanken. Oft werden dann Erinnerungen wach, an den Ort der Lektüre, oder an das, was man beim Lesen des Buches gedacht und gefühlt hat. Es gibt also eine Verknüpfung zwischen dem Objekt Buch und spezifischen, biographischen Erinnerungen. In dem beschriebenen Fall handelt es sich um individuelle Erinnerungen, die für Außenstehende anhand des Objektes meist nicht unbedingt nachvollziehbar sind. In einigen Büchern befinden sich aber auch materielle Spuren, an denen verfolgt werden kann, wem dieses Buch einmal gehört hat, wo es gewesen oder was ihm durch äußere Einflüsse widerfahren ist. Jedes einzelne Buch hat seine ganz eigene Geschichte. Die einzelnen Geschichten, die uns Bücher erzählen können, sind Zeugnisse der Vergangenheit und somit für uns und nachfolgende Generationen von kulturellem und wissenschaftlichem Wert. Unsere Gesellschaft ist auf solche Zeugnisse angewiesen, um historische Ereignisse nachvollziehen und an künftige Generationen weitertragen zu können. Die Thematik der Erinnerung ist für mehrere akademische Disziplinen, insbesondere für die Kulturwissenschaft, immer wieder von Interesse und wird differenziert untersucht. Der französische Soziologe Maurice Halbwachs entwickelte in den 1920er Jahren den Begriff der mémoire collective.[1] Auf Halbwachs' Theorien zur sozialen Bedingtheit von Erinnerung basiert die aktuelle Gedächtnisforschung, welche sich mit dem kulturellen Gedächtnis befasst. Der Begriff »kulturelles Gedächtnis« beschreibt das kollektiv geteilte Wissen einer Gesellschaft und einer spezifischen Epoche, das sich aus einem Bestand an Texten, Bildern und Riten zusammensetzt und mit dem die Gesellschaft ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie sich die Gedächtnisforschung mit Medien auseinandersetzt, die der Speicherung und Überlieferung des kulturellen Gedächtnisses dienen. Dabei soll insbesondere herausgearbeitet werden, welche Rolle dem Buch als Gedächtnismedium zugeschrieben wird. Es wird hierbei die These verfolgt, dass in der aktuellen kultur- und medienwissenschaftlichen Gedächtnisforschung das Buch zwar als Speichermedium des kulturellen Gedächtnisses betrachtet wird, dass sich die Forschung allerdings nicht eingehend mit den materiellen und medienspezifischen Eigenschaften des Buches als Speichermedium für das kulturelle Gedächtnis befasst. Ausgehend von dieser These liegt der Anspruch der vorliegenden Arbeit darin, das Objekt Buch als Träger von Erinnerung näher zu untersuchen. Viele Bücher weisen eine komplexe Provenienz und Gebrauchsgeschichte auf, teilweise wurden sie durch den Eintrag eines Besitznachweises in Form von Exlibris, durch Notizen oder Widmungen ergänzt. Es werden also über den Text hinaus im Buch Informationen gespeichert und somit an die Nachwelt weitergegeben. Welche Informationen das Buch durch seine spezifischen materiellen Eigenschaften bewahren kann, wird in dieser Arbeit analysiert. Es wird dabei der Frage nachgegangen, welchen wissenschaftlichen und kulturellen Wert die Materialität des Buches für das gesamtgesellschaftliche Gedächtnis hat. Der Beitrag des Buches als Erinnerungsobjekt zum kulturellen Gedächtnis wird durch die Untersuchung einiger Kategorien exemplarisch herausgearbeitet. Bei der erst