: Joseph Rudyard Kipling
: Klassische-Erfolgsromane.Com
: nolens volens Kurzgeschichten von Rudyard Kipling - Band I
: Be Yourself
: 9783959263740
: 1
: CHF 8.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 240
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Klassische-Erfolgsroma e.Com hat es sich zur Aufgabe gesetzt, von vergriffenen oder noch nie auf Deutsch erhältlichen Büchern, welche in den Jahren 1900 bis 1920 im anglosächsischen Raum Bestseller waren, Neu- bzw. Erstübersetzungen anzufertigen und diese kulturell wertvollen Titel einem interessierten zeitgenössischen Leserkreis anzubieten.

Dieser Band (Band I von II) enthält Kurzgeschichten von Rudyard Kipling, welche allesamt aus dem Werk ?A Day?s Work? stammen. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Geschichten:

1.     Die Brückenbauer (The Bridge-Builders).
In dieser technisch sehr detaillierten Erzählung beschreibt Kipling den Bau einer Eisenbahnbrücke über den ?heiligen Fluss? Ganges. Als die Brücke kurz vor der Fertigstellung und Einweihung steht, gefährdet ein Hochwasser die Konstruktion. Der britische Chefingenieur setzt alles daran, um sein Lebenswerk zu retten, wird jedoch zusammen mit seinem indischen Vorabeiter auf eine kleine Flussinsel abgetrieben. Unter dem Einfluss von Opium hat er Visionen von den hinduistischen Gottheiten. Die Beiden werden gerettet, die Brücke übersteht die Flut.

2.     Ein schreitender Abgesandter (A Walking Delegate)
Dies ist die einzige Geschichte in diesem Band, welche nicht übersetzt, sondern inhaltlich nur erklärt wurde. Der Grund ist, dass Kipling in dieser Erzählung großzügig verschiedene amerikanische Dialekte verwendet, welche nicht ohne weiteres auf europäische Verhältnisse übertragen werden können. Die Geschichte spielt auf einer Farm in Vermont, der Heimat von Kiplings amerikanischer Frau. Sie handelt von einem gelben Pferd, das die anderen Pferde aufzuwiegeln versucht.

3.     Das Schiff, das sich selbst einschliff (The Ship That Found Herself)
Ein schottisches Frachtschiff unternimmt seine Jungfernfahrt von Liverpool bis New York. In dieser ebenfalls sehr technischen Geschichte sprechen die diversen Schiffsbauteile miteinander, um sich aufeinander einzuschleifen.

4.     Das Grab seiner Ahnen (The Tomb Of His Ancestors)
Diese Erzählung spielt wieder im kolonialen Indien. Ein junger Offizier, der seinem verstorbenen Großvater äußerlich sehr ähnlich sieht, kehrt nach Indien zurück. Aufgrund der Ähnlichkeit halten ihn die Einheimischen für eine Wiedergeburt seines dort bestatteten Großvaters, der Enkel merkt davon jedoch ziemlich lange Zeit nichts. Als ein Unglück bevorsteht, weil sich die Angehörigen dieses Stammes nicht impfen lassen wollen und den Impfarzt in ihre Gewalt gebracht haben, nutzt er den Glauben dieses Stammes aus, um Ausschreitungen zu vermeiden.

5.     Die Rache der Perlfischer (The Devil And The Deep Sea)
Die Besatzung eines Walfischdampfers hat seit Jahren illegal Perlen gefischt und wird in flagranti erwischt. Da in dieser Gegend (vermutlich Indonesien) ohnedies Krieg herrscht, entscheidet der Lokalgouverneur kurzerhand, die englische Crew in den Dschungel zu verbannen. Es kommt zu Spannungen zwischen England und diesem Land und der Gouverneur wird angewiesen, die Männer wieder freizulassen. Sie werden vorläufig wieder auf dem Schiff untergebracht und beschließen, den durch eine Granate angerichteten Schaden zu reparieren.

6.     Wilhelm, die Eroberin (William The Conquerer)
?Wilhelm? ist in dieser Geschichte der Spitzname für eine junge Dame, die ihrem Bruder im Pandschab (heute Pakistan) den Haushalt führt. In Südindien bricht eine Hungersnot aus und die Regierung schickt Fachkräfte zur Verteilung der Hilfsgüter in die Provinz Madras. Wilhelm gesellt sich wider den Willen ihres Bruders dazu und schließt sich ihrem Bruder, einem Polizeivorsteher, sowie Scott, einem Kanaloffizier, an. Wilhelm und Scott treffen im Lager nur einmal aufeinander, aber allen ist klar, dass der Keim für mehr gelegt wurde. Eine packende zweiteilige Liebesgeschichte.

Als Anhang befindet sich eine Version des bekannten Gedichtes ?Wenn?.

Kiplings Geschichten zeigen Detailgenauigkeit und gewähren Einblick in die Eigenheiten des Koloniallebens; wenn er Maschinen ?sprechen? lässt, erfahren wir viel über die komplizierten, wenngleich nicht immer zeitgemäßen technischen Zusammenhänge und wenn er über Menschen schreibt, erleben wir Kipling als Psychologen, Betrachter und begnadeten Erzähler.

Vor jeder Geschichte wird jeweils kurz beschrieben, wovon sie handelt, wie sie entstanden ist und wo sie erstmals erschienen ist. Im Anschluss an die eigentliche Geschichte werden die Fußnoten kommentiert.

Das Letzte, was Findlayson vom Tiefbauamt erwartet hatte, war ein C.I.E., ein „Companion of the Order of the Indian Empire“, ein eher nachrangiger Ritterorden. Er hatte sich einen C.S.I(1) erträumt. Ein solcher Namenszusatz stand für den „Companion of the Order of the Star of India“. Und - darin waren sich auch seine Freunde einig - das wäre das Mindeste gewesen, was er verdient hätte.

Drei Jahre lang hatte er nun Hitze und Kälte, Enttäuschungen, Beschwerlichkeiten, Gefahren und Krankheiten unter einer Verantwortung zu ertragen, die für ein einziges paar Schultern beinahe zu schwer wog; Tag für Tag war die große Kashi-Brücke über den Ganges unter seiner Leitung herangediehen. Wenn alles gut ginge, würde Seine Exzellenz der Vizekönig die Brücke in weniger als drei Monaten einweihen, ein Erzbischof würde sie segnen und die erste Bahnladung mit Soldaten würde darüber marschieren und natürlich gäbe es auch Ansprachen.

Findlayson, C.E., saß auf einer Feldbahn, die an einer der Ufermauern der großen Steindämme - riesige mit Steinen bewehrte Ufersicherungen, die sich auf beiden Flussseiten drei Meilen nach Norden und Süden aufwölbten - verlief, auf seiner Draisine und gestattete sich, an die Fertigstellung zu denken.

Alles in allem, die Rampen miteingerechnet, erstreckte sich sein Bauwerk über eindreiviertel Meilen, eine Fachwerkbrücke, von einem Findlayson-Sprengwerk abgesprengt und auf siebenundzwanzig Backsteinpfeilern ruhend. Jeder dieser Stützpfeiler hatte einen Durchmesser von vierundzwanzig Fuß, war mit einem roten Naturstein aus Agra(2) überkront und achtzig Fuß tief in den Treibsand des Gangesbettes eingelassen. Darüber befand sich ein fünfzehn Fuß breites Eisenbahngleis, und über diesem eine achtzehn Fuß breite und beidseitig von Gehwegen flankierte Wagenfahrbahn.

An beiden Enden ragten aus roten Backsteinen gemauerte Türme, mit Schießscharten für Musketen und Durchbrüchen für schwere Geschütze, empor, und die Wegrampe führte an den Flügelmauern herab. An ihren rauen noch unfertigen Straßenabschnitten wimmelte es vor Hunderten aus den gähnenden Schottergruben herauskriechender, mit gefüllten Säcken beladener Esel, und die heiße Nachmittagsluft war vom Getrampel der Hufe, dem Aufschlagen der Stöcke der Treiber und dem Aufklatschen niederrollender Erde erfüllt.

Der Wasserstand des Flusses war sehr niedrig und auf dem blendenden weißen Sand zwischen den drei mittleren Pfeilern waren Schwellenstapel(3) aufgerichtet, deren Zwischenräume innen mit Erde ausgestampft waren und außen mit Erde beschmierte waren, um die Last der Gitterträger bis zur abgeschlossenen Vernietung zu tragen. Im kleinen tiefen Gewässer, das die Dürre noch übrig gelassen hatte, wanderte ein Brückenkran entlang seiner Kranbahnen hin und her und ruckelte Eisenteile, schnaufte und grunzte wie ein Elefant auf dem Zimmerplatz. Hunderte von Nietmonteuren schienen an das Gitterwerk und auf das Eisendach der Eisenbahnlinie hingeklebt zu sein und hingen an unsichtbaren Gerüsten unter den Bäuchen der Träger herab, ballten sich um die Gurgeln der Stützpfeiler und saßen rittlings auf den auskragenden Fußsteigen, ihre Feuertöpfe(4) und die jeden Hammerschlag beantwortenden Flammenspritzer leuchteten schwachgelb im glänzenden Sonnenlicht.

Östlich, westlich und nördlich ratterten und quietschten Bauzüge die Kais hinauf und hinunter, während auf den Kastenkippern braun-weiße Steine herumflogen, bis die Seitenbretter lose waren, und dann wurden mit Getöse und Geknurre wieder ein paar tausend Tonnen Material ausgeschüttet, um so den Fluss im Zaum zu halten.

Findlayson, C.E., wandte sich auf seiner Draisine(5) um und blickte über die Landschaft, welche im Umkreis von sieben Meilen ihr Gesicht verändert hatte.

Er warf einen Blick auf das summende Dorf mit seinen fünftausend Arbeitern, betrachtete die Spuren und den Sand, blickte dann über den Fluss zu den weit entfernt stehenden, im Dunstschleier kaum erkennbaren Brückenpfeilern hin, dann weiter zu den Wachtürmen - von denen nur er wusste, wie stark sie waren - und nahm dann mit einem Seufzer der Befriedigung zur Kenntnis, dass sein Werk gut gelungen war.

Dort im Sonnenlicht entstand vor seinen Augen eine Brücke, welche nur noch ein paar Wochen Arbeit an den Tragbalken der drei mittleren Pfeiler benötigte - seine Brücke, so rau und hässlich wie die Erbsünde zwar, aber vortrefflich und dauerhaft. Sie würde auch noch stehen, wenn die Erbauer keine Erinnerung mehr daran haben würden, ja sogar dann noch, wenn das hervorragende Findlayson-Sprengwerk verblichen wäre. Diese Aufgabe war so gut wie abgeschlossen.

Der zweite Ingenieur Hitchcock, sein Assistent, kam auf einem kleinen Kabuli-Pony(6) mit einem gertendünnen Schweif, das durch langes Training auch sicher über einen Brückenbock geritten werden konnte, die Bahnlinie entlang galoppiert und nickte seinem Chef zu.

„So gut wie fertig“, sagte er lächelnd.

„Hab gerade daran gedacht“, antwortete der Senior.„Keine schlechte Arbeit für zwei Männer, nicht wahr?“

„Eineinhalb! Wenn ich bloß daran denke, was für ein Grünschnabel aus dem Lederstrumpf(6) ich war, als ich hier anfing!“ Jetzt, nach dreijähriger Erfahrung, die ihm Verantwortung und Kompetenz gelehrt hatte, fühlte er sich sehr gealtert.

„Ja, Ihr wart ein blutiger Anfänger“, sagte Findlayson.„Frage mich, wie Euch das Kantorleben schmecken wird, wenn Ihr hier fertig seid.“

„Ich werde es verabscheuen!“, erwiderte der junge Mann und er folgte Findlaysons Blick. „Ist verdammt gut geworden!“

„Ich denke, wir sollten zusammenbleiben“, sagte Findlayon zu sich selbst.„Ihr seid viel zu gut, um Euch an jemand anderen zu verschwenden. Ihr wart ein grüner Junge und jetzt seid Ihr Assistent. Persönlicher Assistent in Shimla solltet Ihr werden, wenn mir in dieser Sache irgendein Verdienst zufällt.“

In der Tat hatte die Arbeitslast auf Findlayson und seinem Assistenten gemeinsam gelegen. Für diesen jungen Mann hatte er sich entschieden, um ihn für diese Aufgabe zu formen. Vorarbeiter gab es fünfzigerweise - Monteure und Nieter, von den Eisenbahngesellschaften ausgeliehene Europäer mit vielleicht zwanzig weißen und Halbblutuntergebenen, welche unter ihrer Oberanleitung Schwärme von Männern führen konnten, aber keiner wusste besser Bescheid als diese beiden, die sich auf eine Weise aufeinanander verlassen konnten, wie den Untergebenen nicht vertraut werden konnte.

Sie hatten gar manche Krise miteinander zu meistern gehabt - ein weggleitender Ausleger, ein gerissener Flaschenzug, ein gebrochener Kran oder die Wut des Flusses - aber keine Beanspruchung hatte irgendeinen der anderen Männer so herausgef