Das Letzte, was Findlayson vom Tiefbauamt erwartet hatte, war ein C.I.E., ein „Companion of the Order of the Indian Empire“, ein eher nachrangiger Ritterorden. Er hatte sich einen C.S.I(1) erträumt. Ein solcher Namenszusatz stand für den „Companion of the Order of the Star of India“. Und - darin waren sich auch seine Freunde einig - das wäre das Mindeste gewesen, was er verdient hätte.
Drei Jahre lang hatte er nun Hitze und Kälte, Enttäuschungen, Beschwerlichkeiten, Gefahren und Krankheiten unter einer Verantwortung zu ertragen, die für ein einziges paar Schultern beinahe zu schwer wog; Tag für Tag war die große Kashi-Brücke über den Ganges unter seiner Leitung herangediehen. Wenn alles gut ginge, würde Seine Exzellenz der Vizekönig die Brücke in weniger als drei Monaten einweihen, ein Erzbischof würde sie segnen und die erste Bahnladung mit Soldaten würde darüber marschieren und natürlich gäbe es auch Ansprachen.
Findlayson, C.E., saß auf einer Feldbahn, die an einer der Ufermauern der großen Steindämme - riesige mit Steinen bewehrte Ufersicherungen, die sich auf beiden Flussseiten drei Meilen nach Norden und Süden aufwölbten - verlief, auf seiner Draisine und gestattete sich, an die Fertigstellung zu denken.
Alles in allem, die Rampen miteingerechnet, erstreckte sich sein Bauwerk über eindreiviertel Meilen, eine Fachwerkbrücke, von einem Findlayson-Sprengwerk abgesprengt und auf siebenundzwanzig Backsteinpfeilern ruhend. Jeder dieser Stützpfeiler hatte einen Durchmesser von vierundzwanzig Fuß, war mit einem roten Naturstein aus Agra(2) überkront und achtzig Fuß tief in den Treibsand des Gangesbettes eingelassen. Darüber befand sich ein fünfzehn Fuß breites Eisenbahngleis, und über diesem eine achtzehn Fuß breite und beidseitig von Gehwegen flankierte Wagenfahrbahn.
An beiden Enden ragten aus roten Backsteinen gemauerte Türme, mit Schießscharten für Musketen und Durchbrüchen für schwere Geschütze, empor, und die Wegrampe führte an den Flügelmauern herab. An ihren rauen noch unfertigen Straßenabschnitten wimmelte es vor Hunderten aus den gähnenden Schottergruben herauskriechender, mit gefüllten Säcken beladener Esel, und die heiße Nachmittagsluft war vom Getrampel der Hufe, dem Aufschlagen der Stöcke der Treiber und dem Aufklatschen niederrollender Erde erfüllt.
Der Wasserstand des Flusses war sehr niedrig und auf dem blendenden weißen Sand zwischen den drei mittleren Pfeilern waren Schwellenstapel(3) aufgerichtet, deren Zwischenräume innen mit Erde ausgestampft waren und außen mit Erde beschmierte waren, um die Last der Gitterträger bis zur abgeschlossenen Vernietung zu tragen. Im kleinen tiefen Gewässer, das die Dürre noch übrig gelassen hatte, wanderte ein Brückenkran entlang seiner Kranbahnen hin und her und ruckelte Eisenteile, schnaufte und grunzte wie ein Elefant auf dem Zimmerplatz. Hunderte von Nietmonteuren schienen an das Gitterwerk und auf das Eisendach der Eisenbahnlinie hingeklebt zu sein und hingen an unsichtbaren Gerüsten unter den Bäuchen der Träger herab, ballten sich um die Gurgeln der Stützpfeiler und saßen rittlings auf den auskragenden Fußsteigen, ihre Feuertöpfe(4) und die jeden Hammerschlag beantwortenden Flammenspritzer leuchteten schwachgelb im glänzenden Sonnenlicht.
Östlich, westlich und nördlich ratterten und quietschten Bauzüge die Kais hinauf und hinunter, während auf den Kastenkippern braun-weiße Steine herumflogen, bis die Seitenbretter lose waren, und dann wurden mit Getöse und Geknurre wieder ein paar tausend Tonnen Material ausgeschüttet, um so den Fluss im Zaum zu halten.
Findlayson, C.E., wandte sich auf seiner Draisine(5) um und blickte über die Landschaft, welche im Umkreis von sieben Meilen ihr Gesicht verändert hatte.
Er warf einen Blick auf das summende Dorf mit seinen fünftausend Arbeitern, betrachtete die Spuren und den Sand, blickte dann über den Fluss zu den weit entfernt stehenden, im Dunstschleier kaum erkennbaren Brückenpfeilern hin, dann weiter zu den Wachtürmen - von denen nur er wusste, wie stark sie waren - und nahm dann mit einem Seufzer der Befriedigung zur Kenntnis, dass sein Werk gut gelungen war.
Dort im Sonnenlicht entstand vor seinen Augen eine Brücke, welche nur noch ein paar Wochen Arbeit an den Tragbalken der drei mittleren Pfeiler benötigte - seine Brücke, so rau und hässlich wie die Erbsünde zwar, aber vortrefflich und dauerhaft. Sie würde auch noch stehen, wenn die Erbauer keine Erinnerung mehr daran haben würden, ja sogar dann noch, wenn das hervorragende Findlayson-Sprengwerk verblichen wäre. Diese Aufgabe war so gut wie abgeschlossen.
Der zweite Ingenieur Hitchcock, sein Assistent, kam auf einem kleinen Kabuli-Pony(6) mit einem gertendünnen Schweif, das durch langes Training auch sicher über einen Brückenbock geritten werden konnte, die Bahnlinie entlang galoppiert und nickte seinem Chef zu.
„So gut wie fertig“, sagte er lächelnd.
„Hab gerade daran gedacht“, antwortete der Senior.„Keine schlechte Arbeit für zwei Männer, nicht wahr?“
„Eineinhalb! Wenn ich bloß daran denke, was für ein Grünschnabel aus dem Lederstrumpf(6) ich war, als ich hier anfing!“ Jetzt, nach dreijähriger Erfahrung, die ihm Verantwortung und Kompetenz gelehrt hatte, fühlte er sich sehr gealtert.
„Ja, Ihr wart ein blutiger Anfänger“, sagte Findlayson.„Frage mich, wie Euch das Kantorleben schmecken wird, wenn Ihr hier fertig seid.“
„Ich werde es verabscheuen!“, erwiderte der junge Mann und er folgte Findlaysons Blick. „Ist verdammt gut geworden!“
„Ich denke, wir sollten zusammenbleiben“, sagte Findlayon zu sich selbst.„Ihr seid viel zu gut, um Euch an jemand anderen zu verschwenden. Ihr wart ein grüner Junge und jetzt seid Ihr Assistent. Persönlicher Assistent in Shimla solltet Ihr werden, wenn mir in dieser Sache irgendein Verdienst zufällt.“
In der Tat hatte die Arbeitslast auf Findlayson und seinem Assistenten gemeinsam gelegen. Für diesen jungen Mann hatte er sich entschieden, um ihn für diese Aufgabe zu formen. Vorarbeiter gab es fünfzigerweise - Monteure und Nieter, von den Eisenbahngesellschaften ausgeliehene Europäer mit vielleicht zwanzig weißen und Halbblutuntergebenen, welche unter ihrer Oberanleitung Schwärme von Männern führen konnten, aber keiner wusste besser Bescheid als diese beiden, die sich auf eine Weise aufeinanander verlassen konnten, wie den Untergebenen nicht vertraut werden konnte.
Sie hatten gar manche Krise miteinander zu meistern gehabt - ein weggleitender Ausleger, ein gerissener Flaschenzug, ein gebrochener Kran oder die Wut des Flusses - aber keine Beanspruchung hatte irgendeinen der anderen Männer so herausgef