Verfahren zur Analyse von Tätigkeitsstrukturen und prospektive Arbeitsgestaltung bei Automatisierung (ATAA)
Hartmut Wächter, Brita Modrow-Thiel und Giselind Roßmann1
Zusammenfassung
Im metallverarbeitenden Bereich werden flexible Kommunikations- und Produktionstechnologien eingeführt, die neue Arbeitsinhalte und -anforderungen zur Folge haben. Auf der Basis der Handlungsregulationstheorie wurde im Rahmen eines Projektes zur Humanisierung des Arbeitslebens das Analyseverfahren ATAA entwickelt, das qualitative Tätigkeitsmerkmale in Abhängigkeit von technisch-organisatorischen Lösungsmöglichkeiten frühzeitig erkennbar und gestaltbar werden läßt und von betrieblichen Entscheidungsträgern selbst angewendet werden kann.
1 Ziele des Verfahrens und intendierte Anwendungen
Der Hintergrund, vor dem das Verfahren ATAA entwickelt wurde, läßt sich folgendermaßen beschreiben: In der Praxis werden immer mehr Gestaltungsspielräume bei Einsatz und organisatorischer Integration von Technik erkannt und genutzt. In einer Situation, die geprägt ist durch hohe Kundenorientiertheit, höchste Anforderungen an die Qualität der Produkte und Leistungen, Termintreue, verbunden mit Just in Time-Lieferung, Globalisierung der Handelsbeziehungen mit neuer Konkurrenz aus asiatischen Ländern, zeigt sich, daß der Mensch und seine Qualifikationen zum ausschlaggebenden Erfolgsfaktor werden. Wie realistisch und zukunftsweisend dieser Ansatz zum Zeitpunkt der Verfahrensentwicklung war, zeigt sich an der heutigen Diskussion um Ansätze zur Gruppenarbeit, zu Lean Production, zu ISO 9000 ff. und Total Quality Management. Ganzheitliche, qualifikationshaltige, menschzentrierte Gestaltung von Arbeit, Organisation und Technik werden dabei zur Grundlage des Wirtschaftserfolges.
Wenn eine Zentrierung auf den Menschen Ziel der Arbeitsgestaltung sein soll, so muß man ein bestimmtes Konzept von Persönlichkeit besitzen, damit nicht jedwede Maßnahme hinsichtlich des Personaleinsatzes oder der Arbeitsorganisation schon als „menschzentriert“ oder mit anderen Worten „humanisierend“ bezeichnet wird.
Ein solches Konzept sollte nicht nur normative Grundlage von Veränderungsstrategien sein; es sollte sich auch umsetzen lassen in konkrete, operationalisierte Wirkungsanalysen und Handlungsalternativen. Die Gestaltung von Arbeit mit den neuen Techniken sollte man nicht allein fachlichen Spezialisten überlassen, sondern auf Wissen, Erfahrung und Planungsvermögen derjenigen setzen, die von Änderungen betroffen sind.
Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, haben wir das Verfahren ATAA als qualitatives, empirisches Verfahren zur Analyse der Strukturen und Inhalte von Arbeitstätigkeiten und Qualifikationsanforderungen auf handlungsstrukturanalytischer Grundlage entwickelt.
Dieses Verfahren ist für die Analyse von Automationsarbeit in der Fertigung des metallverarbeitenden Gewerbes konzipiert. Es kann zum einen in frühen Investitionsplanungsphasen zur prospektiven Arbeitsgestaltung nach humanwissenschaftlichen Kriterien eingesetzt werden. Es kann zum anderen bei technisch-organisatorischen Veränderungen einer bestehenden