: Mason Cross
: Blutinstinkt Thriller
: Goldmann Verlag
: 9783641173760
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der 2. Fall für den brillanten FBI-Berater Carter Blake.

Als in den Santa Monica Mountains eine verstümmelte Frauenleiche entdeckt wird, erlebt LAPD Detective Jessica Allen ein grausiges Déjà-vu. Seit Jahren wütet in der Gegend ein Serienkiller. Seine Beute: Frauen, die mit einer Autopanne liegenbleiben. Weil der Mörder sich ihnen als Helfer andient, nur um sie auf bestialische Weise zu töten, hat ihn die Presse zynisch „Der Samariter“ getauft. Die auf der Stelle tretende Polizei zieht den externen Berater Carter Blake hinzu. Blake will den Killer zur Strecke bringen – auch wenn er sich dafür den eigenen Dämonen stellen muss ...

Mason Cross wurde 1979 in Glasgow geboren. Er studierte Englisch an der Universität von Stirling und ist derzeit im Wohltätigkeitssektor tätig. Cross lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Glasgow.

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Los Angeles

Die Menschen drehen durch, wenn es in L.A. regnet.

Das ist schlicht eine Binsenweisheit – es ist eine der Macken, die sich in jeder Großstadt bilden. Aber wie so oft steckt in der Tat eine gute Portion Wahrheit dahinter. Obwohl es in Los Angeles kaum an Regen mangelt, fällt er doch so selten, dass er zum Ereignis wird, wenn es dazu kommt. Und aus diesem Grund sind Angelenos nicht daran gewöhnt, bei Regen zu fahren. Das führt dazu, dass einige Menschen ihre lockere Art und ihre Nerven verlieren und viel zu schnell oder viel zu langsam unterwegs sind. Vielleicht eine enge Kurve in einem zu hohen Tempo nehmen, so als wäre die Straße trocken. Die Tatsache, dass die Stadt für Wüstenbedingungen errichtet wurde, hilft auch nicht gerade. Das Abflusssystem ist in null Komma nichts überlastet, was zu Überflutung und gestautem Wasser führt. Die Regenrillen in der Straßendecke füllen sich rasch mit Wasser und verursachen Aquaplaning. Die Statistik bestätigt die Legende: Wenn es regnet, steigt die Unfallrate um fünfzig Prozent. Wahnsinnig.

Genau daran dachte Kelly, als sie mit ihrem Porsche 911 den Mulholland Drive entlangfuhr, diesen gewundenen zweispurigen Asphaltstreifen. Der Regen flutete an der Windschutzscheibe nach unten wie in einer Waschstraße, nur etwa jede Sekunde von den Scheibenwischern unterbrochen, die sich auf höchster Stufe hin- und herbewegten. Im Moment schien es irrsinnig zu sein zu fahren. Basta. Einfach nur irrsinnig – egal wie vorsichtig man war.

Kelly umklammerte das Lenkrad und zog sich nach vorne, als würden die wenigen Zentimeter, die sie näher an der Windschutzscheibe saß, irgendeinen Unterschied machen. Sie lebte bereits fast ihr ganzes Leben in Los Angeles, konnte sich aber an einen solchen Regen nicht erinnern. Die Tachonadel tanzte knapp über fünfunddreißig, einer Geschwindigkeit, bei der sie sich angesichts des steilen Abhangs rechts von ihr noch einigermaßen wohlfühlte. Trotzdem überlegte sie, ob sie es riskieren sollte, das Gaspedal noch ein bisschen mehr durchzudrücken und vielleicht mit fünfzig zu fahren. Sie machte sich Sorgen wegen eines anderen Fahrzeugs, das sich ihr von hinten näherte und offensichtlich nichts davon hielt abzubremsen. Jemand, der weniger vorsichtig war. Jemand, der viel zu schnell fuhr.

Man musste schon selten bescheuert sein, an einem solchen Abend auf einer Straße wie dieser derart zu rasen, aber so war es nun einmal: Menschen werden wahnsinnig. Kelly entschied sich für einen Kompromiss und ließ die Tachonadel auf knapp über vierzig steigen. Sie atmete schnell durch die Nase und versuchte, nicht zu blinzeln.

Der Mulholland Drive war eine komische Straße, gebaut vor langer Zeit für weitaus weniger Verkehr. Er wand sich an den Häusern der Stars vorbei, aber auch durch dunklere, ländliche Gebiete, in denen man sich wie im sprichwörtli