: Terry Pratchett, Stephen Baxter
: Der Lange Mars Roman
: Manhattan
: 9783641164010
: Lange Erde
: 1
: CHF 8.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Unendlichkeit ist erst der Anfang ...
2040-45: Das Universum der Langen Erde, dieser unendlichen Abfolge paralleler Welten, ist in Aufruhr: Nach einem gewaltigen Vulkanausbruch auf der ursprünglichen, der Datum-Erde, suchen Flüchtlingswellen die Siedlungen auf den neuen Erden heim. Während die erfahrenen Pioniere Joshua und Sally helfen, wo sie können, meldet sich ein lang Verschollener zurück: Sallys Vater Willis Linsay, Erfinder des 'Wechslers', mit dem das Pendeln zwischen den Welten erst möglich wurde. Einst verschwand Willis unter mysteriösen Umständen, jetzt will er seine Tochter mitnehmen auf eine Expedition in die geheimnisvollen Welten des Langen Mars. Allerdings verschweigt er Sally die wahren Gründe für diese gefährliche Reise ...

Terry Pratchett, geboren 1948, schrieb 1983 seinen ersten Scheibenwelt-Roman - ein großer Schritt auf seinem Weg, einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt zu werden. Von Pratchetts Romanen wurden weltweit 85 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 40 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur verlieh ihm Queen Elizabeth sogar die Ritterwürde. Terry Pratchett starb am 12.3.2015 im Alter von 66 Jahren.

2

Mit ihrem letzten Schritt tauchte Sally in der Nähe der Einrichtungen von GapSpace auf, sicherheitshalber etwa eine halbe Meile vom Zaun entfernt. Hinter dem Zaun befand sich etwas, das wie eine Schwerindustrieanlage aussah, klobige Blöcke sowie Kuppeln und Türme aus Beton, Backstein und Eisen, teilweise in dicken Rauch gehüllt oder in die Dampfwolken austretender Tieftemperaturflüssigkeiten.

Willis Linsay, ihr Vater, hatte sie an einem ganz bestimmten Tag an diesen Ort bestellt. Wie das erneute Zusammentreffen mit ihm auch ausgehen würde, sie stand an diesem Januartag jedenfalls an der verabredeten Stelle in dieser überaus seltsamen Gegend einer Version von Nordwestengland, mehr als zwei Millionen Schritte von der Datum entfernt. Oberflächlich betrachtet, war es ein öder britischer Wintertag, trübe und kalt.

Trotzdem war die Unendlichkeit nur einen Schritt entfernt.

Der Mond stand am Himmel, aber es war nicht der Mond, den sie als Kind gekannt hatte. Ein Asteroid, den die Nerds von GapSpace Bellos nannten, hatte diesen Mond buchstäblich mit so vielen neuen Kratern bekleckert, dass das Mare Imbrium beinahe nicht mehr zu erkennen war. Die strahlenförmigen Muster eines gewaltigen Einschlags, sehr viel größer als der Kopernikuskrater, zogen sich über die halbe Scheibe. Bellos war aus den Himmeln vieler Wechselwelten hervorgeschossen, seine Flugbahn eine Frage des kosmischen Zufalls, und der jeweiligen Erde dann nahe gekommen oder auch nicht. Ungezählte Milliarden von Erden hatte er verfehlt, einige Dutzend aber, wie diese hier, hatten das Pech gehabt, seinen Pfad so dicht zu kreuzen, dass sie viele Einschläge durch herumirrende Bruchstücke erlitten hatten. Und eine Erde war so schwer getroffen worden, dass es sie komplett zerrissen hatte.

Derlei Dinge mussten sich in der Langen Erde ständig ereignen. Wer hatte einmal gesagt, dass in einem unendlichen Universum alles, was geschehen kann, auch irgendwo geschieht? Das bedeutete für einen unendlichen Planeten … Alles, was geschehen kann, musste irgendwo geschehen.

Sally Linsay hatte diese riesige Wunde, die Lücke in der Weltenkette, damals gefunden, gemeinsam mit Joshua Valienté und Lobsang. Ihr Twain war in den leeren Raum gefallen, ins Vakuum, in ungefiltertes Sonnenlicht, das wie ein Messer zustach … Dann waren sie zurückgewechselt und hatten überlebt.

Die Luft hier war kalt, aber Sally saugte sie in sich ein, bis der Sauerstoff sie trunken machte. Sie hatte den Fall in die Lücke schon einmal überlebt. Wollte sie jetzt wirklich dorthin zurück?

Sie musste es. Zum einen hatte ihr Vater sie darum gebeten. Zum anderen arbeiteten dort jetzt Leute. In der Lücke, im Weltraum. Das, was da vor ihr lag, war ihre Basis, einen Schritt von der Lücke selbst entfernt.

Der stete Wind vom Meer war genauso, wie sie es von ihrem letzten Besuch vor fünf Jahren mit Monica Jansson in Erinnerung hatte. Damals, in einer anderen Zeit. Der Zeit vor Yellowstone. Der weite Himmel, die Schreie der Vögel, alles war unverändert. Ans