: Kim Stanley Robinson
: Grüner Mars Die Mars-Trilogie
: Heyne
: 9783641116392
: Die Mars-Trilogie
: 1
: CHF 10.80
:
: Science Fiction
: German
: 912
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Revolution auf dem Mars
Es ist die größte Herausforderung, der sich die Menschheit je gegenübersah: die Besiedlung unseres Nachbarplaneten Mars. Die Verwandlung einer lebensfeindlichen Wüstenwelt in einen blauen Planeten wie die Erde. Von der ersten bemannten Landung auf dem Mars über die frühen Kolonien und ihre Auseinandersetzungen, welche Form von Gesellschaft sie erbauen sollen, bis zum riskanten Versuch, das Klima einer ganzen Welt zu verändern - Kim Stanley Robinson erzählt in seiner Mars-Trilogie die Geschichte der Zukunft wie ein großes historisches Epos.

Kim Stanley Robinson wurde 1952 in Illinois geboren, studierte Literatur an der University of California in San Diego und promovierte über die Romane von Philip K. Dick. Mitte der Siebzigerjahre veröffentlichte er seine ersten Science-Fiction-Kurzgeschicht n, 1984 seinen ersten Roman. 1992 erschien mit 'Roter Mars' der Auftakt der Mars-Trilogie, die ihn weltberühmt machte und für die er mit dem Hugo, dem Nebula und dem Locus Award ausgezeichnet wurde. In seinem Roman '2312' erkundet er die verschiedenen Gesellschaftsformen, die die Menschheit nach ihrem Aufbruch ins Sonnensystem erschafft. Zuletzt sind bei Heyne seine Romane 'New York 2140', der in einem vom Klimawandel gezeichneten New York der nahen Zukunft spielt, und sein Bestseller 'Das Ministerium für die Zukunft' erschienen. Kim Stanley Robinson lebt mit seiner Familie in Davis, Kalifornien.

Eines Tages stürzte der Himmel ein.Eisplatten krachten in den Teich und auf den Strand. Die Kinder stoben auseinander wie erschrockene Schnepfen. Nirgal lief über die Dünen ins Dorf, platzte in das Gewächshaus und rief: »Der Himmel stürzt ein, der Himmel stürzt ein!« Peter sprintete durch die Türen und über die Dünen, schneller, als Nirgal ihm folgen konnte.

Zurück am Strand schlugen große Eisschollen in den Sand, und einige Brocken Trockeneis zischten im Wasser des Teiches. Als die Kinder sich alle um ihn gedrängt hatten, stand Peter mit zurückgeworfenem Kopf da und starrte auf die Kuppel hoch über ihnen. »Zurück ins Dorf!«, schrie er in seinem strengen Ton. Auf dem Wege dorthin lachte er. Er krächzte: »Der Himmel stürzt ein!«, und zauste Nirgals Haar. Nirgal errötete, und Dao und Jackie lachten. Ihr gefrorener Atem schoss in raschen weißen Schwaden aus den Mündern.

Peter gehörte zu denen, die an der Seite der Kuppel hochkletterten, um sie zu reparieren. Er, Kasei und Michel krabbelten vor aller Augen über das Dorf, den Strand und dann den Teich, bis sie kleiner als Kinder wirkten. Sie hingen in Seilschlingen, die an Eishaken befestigt waren. Sie besprühten das Loch in der Kuppel mit Wasser, das sofort gefror, bis eine neue klare Schicht das weiße Trockeneis umhüllte.

Als sie wieder herunterkamen, sprachen sie von der sich erwärmenden Außenwelt. Hiroko war aus ihrer kleinen Bambushütte am Teich herausgekommen, um zuzusehen; und Nirgal fragte sie: »Werden wir fortgehen müssen?«

»Wir werden immer fortgehen müssen«, erwiderte Hiroko. »Auf dem Mars ist nichts von Dauer.«

Aber Nirgal gefiel es unter der Kuppel. Am Morgen erwachte er in seinem runden Bambuszimmer hoch in Creche Crescent und lief mit Jackie, Rachel, Frantz und den anderen Frühaufstehern über die eisigen Dünen. Er sah Hiroko am gegenüberliegenden Ufer entlanggehen, mit Bewegungen wie eine Tänzerin. Sie schien über ihrem nassen Spiegelbild zu schweben. Er wollte zu ihr gehen; aber es war Zeit für die Schule.

Sie gingen ins Dorf zurück und drängten sich in die Schulgarderobe. Sie hängten ihre Jacken auf und standen da, ihre blau gefrorenen Hände über das Heizgitter gestreckt, und warteten auf den Lehrer des Tages. Das könnte Dr. Robot sein, der sie zu Tode langweilen würde, während sie sein Augenzwinkern zählen würden wie die Sekunden auf der Uhr. Es könnte die alte, hässliche Gute Hexe sein; und dann würden sie den ganzen Tag wieder im Freien sein und mit Werkzeugen arbeiten. Oder es könnte die Böse Hexe sein, alt und schön; und sie würden den ganzen Morgen an ihren Pulten sitzen müssen und versuchen, auf Russisch zu denken auf die Gefahr hin, einen Klaps zu bekommen, wenn sie kicherten oder einschliefen. Die Böse Hexe hatte silbernes Haar und eine krumme Nase, mit der sie aussah wie die Fischadler, die auf den Kiefern am Teich lebten. Nirgal fürchtete sich vor ihr.

Darum verbarg er wie die anderen seinen Missmut, als sich die Tür öffnete und die Böse Hexe hereinkam. Aber an diesem Tag wirkte sie müde und ließ sie pünktlich gehen, obwohl sie in Arithmetik nicht gut gewesen waren. Nirgal folgte Jackie und Dao aus dem Schulgebäude und um die Ecke zu der Gasse zwischen Creche Crescent und der Rückseite der Küche. Dao pinkelte gegen die Wand, und Jackie zog sich die Hosen herunter, um zu zeigen, dass sie das auch konnte. Gerade in diesem Moment kam die Böse Hexe um die Ecke. Sie zog sie alle am Arm aus der Gasse heraus, Nirgal und Jackie zusammen in einer ihrer Klauen, und