: Ruediger Dahlke
: Das Tier als Spiegel der menschlichen Seele
: Goldmann Verlag
: 9783641175719
: 1
: CHF 2.70
:
: Hobbytierhaltung
: German
: 176
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Haustiere sind tief und untrennbar mit ihren Besitzern verbunden: Sie erspüren ihre Emotionen und spiegeln ihre Schattenaspekte, oft sogar, indem sie deren Krankheiten übernehmen. Anhand vieler berührender Beispiele aus ihrer Praxis macht die Homöopathin und Tierärztin Irmgard Baumgartner deutlich, mit welchem Altruismus ihre Patienten „ihren“ Menschen intuitiv entlasten. Ruediger Dahlke ergänzt diese Beobachtungen mit seinen ganz persönlichen Erlebnissen mit Tieren. Wenn wir ihnen achtsam begegnen, so seine Überzeugung, liegt darin auch eine große Chance für unsere eigene Entwicklung. Ein Plädoyer für einen Bewusstseinswandel im Umgang mit unseren Mitgeschöpfen.

Dr. med. Ruediger Dahlkearbeitet seit über 40 Jahren als Arzt, Autor und Seminarleiter. Mit Büchern von »Krankheit als Weg« bis »Krankheit als Symbol« begründete er seine ganzheitliche Psychosomatik, die bis in mythische und spirituelle Dimensionen reicht. Die Buch-Trilogie »Die Schicksalsgesetze«, »Das Schatten-Prinzip« und »Die Lebensprinzipien« bildet die philosophische und praktische Grundlage seiner Arbeit. Seine »Peace Food«-Buchreihe half dabei, den pflanzlich-vollwertigen Lebensstil populär zu machen. Ruediger Dahlke nutzt Live- und Online-Veranstaltungen, um die Welt der Seelenbilder zu beleben und zu eigenverantwortlichen Lebensstrategien anzuregen. Über seine Plattform Dahlke4you bietet er Fasten-, Detox- und Abnehm-Kuren an.

Meine Erfahrungen mit
Zwei- und Vierbeinern

Zu meiner Kindheit gehörten von Anfang an Tiere. Der erste Zoobesuch brachte mich näher an eine Depression heran als alles andere, was ich später mitansehen musste. Die Gefangenschaft der Tiere machte mich traurig. Ich nahm ihre Resignation wahr, und das war schrecklich. Vor allem schockierte mich, dass die Verantwortung für dieses Elend eindeutig bei uns Menschen lag. Ich wollte nicht in Käfige schauen. Als ich später das erste Mal durch eine dicke Glasscheibe einem Gorilla in die Augen sah, erlebte ich, wie er mich ähnlich fassungslos anblickte wie ich ihn. Ich kann es bis heute nicht verstehen, warum Menschen Tiere zur bloßen Betrachtung und damit zu Unterhaltungszwecken rücksichtslos in Käfige einsperren.

Trotz des Entsetzens zog es mich als Kind aber zu den Zootieren, und ich erinnere mich an den Elefanten Shanti und das Flusspferd Boulette, die mich faszinierten, vor allem wegen des Drecks, den sie machen durften, was bei uns zu Hause undenkbar war. »Hast du dir schon die Hände gewaschen?«, ist wahrscheinlich die Frage, die mir seit Kindertagen am meisten im Leben gestellt wurde, und komischerweise galten Tiere offenbar als besonders schmutzig und damit gefährlich. Der Kontakt mit ihnen führte jedenfalls immer zu jener Ermahnung, aber meist hatte ich gerade dann wenig Bedürfnis, mich zu waschen. Rückblickend bin ich mir sicher, dass ich mir an vielen Menschen die Hände ungleich schmutziger gemacht habe als an all den Tieren, die ich immer gernhatte und auch berühren wollte.

Tiere darf man einfach streicheln, doch bei Menschen ist so etwas schon hoch verdächtig. Ähnlich, wie beim Berühren von Skulpturen oder anderen Exponaten im Museum sofort Alarm ausgelöst wird, ist dies beim Mitmenschen inzwischen ebenso der Fall. Nur wenn jemand sehr krank ist, darf man ihm oder ihr manchmal über die Wange streichen oder die Hand halten. Obwohl wir auch dabei schon nicht mehr unbefangen sind, darf man außerdem sehr kleinen Kindern spontan über den Kopf streichen und sie damit fast wie Haustiere behandeln. Vielleicht liegt es daran, dass wir erst mit drei bis vier Jahren jenes Ich-Bewusstsein entwickeln, das die typischen Haustiere jedenfalls nicht haben. Allerdings besitzen es viele andere Tiere, von denen wir es gar nicht glauben, zum Beispiel Schwertwale (Orcas), Delfine und sogar Elstern, die sich – wie wir – im Spiegel erkennen, wie natürlich auch Menschenaffen.

Kinder und Haustiere begegnen uns als Einzige mit jener vorbehaltlosen Offenheit, die weder durch Ich noch Ego verstellt ist; sie bauen noch keine künstlichen Grenzen auf, von deren Errichtung unser Ego lebt. Und so wie Kinder in der Medizin rascher mein Mitgefühl erregten als Erwachsene, gelang das Tieren noch schneller und nachhaltiger. Ich erleb(t)e sie als uns Menschen ausgeliefert; wir stehen insofern für sie in der Verantwortung.

Für mich als Berliner Großstadtkind gehörte die Tierwelt nicht zum Familienalltag, außer dass ich mir sehnlichst ein Pony wünschte – und einen Goldhamster bekam. Ich taufte ihn Mucki und befreite ihn bei jeder Gelegenheit aus seinem Käfig, den ich für ihn möglichst natürlich und artgerecht einzurichten versuchte. Dabei war der Käfig eigentlich nur sein Schlafplatz, denn tatsächlich lebte Mucki auf freiem Fuße mit mir im Zimmer. Ich brachte ihm viele kleine Dinge bei, die er aber nach einer gewissen Zeit schlagartig zu vergessen schien, und wir mussten wieder von vorn beginnen.

Als ich später in der Schule hörte, Goldhamster würden nicht sehr alt werden, protestierte ich heftig. Meine Mutter klärte mich auf. Sie hatte den Ur-Mucki nach dessen Tod zweimal ausgetauscht gegen ein äußerlich