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#101 Auf dem Bett hüpfen! Ganz viel
Callie
Der Winter ist eine wunderbare Jahreszeit. Schneeflocken rieseln vom Himmel und wirbeln durch die Luft. Sie erinnern mich daran, dass sich die Welt immerzu verändert, dass sich Leute immerzu verändern, dass ich mich immerzu verändere. Ich sehe nach vorne, lasse los, was mit Caleb war, und lebe für die Zukunft. Für eine Zukunft voller unendlicher Möglichkeiten. Und das macht mich froh.
Doch allem Optimismus zum Trotz habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass etwas fehlt und ich nicht weiß, was. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Es kann sogar gut sein, wenn es vielleicht Traurigkeit und Schmerz sind, die fehlen. Oder es kommt mir schlicht komisch vor, dass ich freier denn je durchs Leben gehe. Oder ich suche vielleicht bloß nach etwas, das dieses seltsame neue befreiende Gefühl in mir erklärt, weil die Vergangenheit seit Kurzem so weit weg scheint. Die Person, die mir wehgetan hat, ist verschwunden, und auch wenn die Geschichte mit Caleb noch nicht ganz durchgestanden ist, kommt es mir vor, als sei ich von meinen inneren Dämonen ihn betreffend – was er mir angetan hat – erlöst. Ja, die Erinnerung ist noch da, hat meine Vergangenheit vernarbt, aber sie definiert nicht mehr, wer ich bin.
Nun bin ich … na ja, glücklich.
Das würde ich mir auch für Kayden wünschen, denn er scheint in letzter Zeit ein bisschen traurig. Nicht so wie früher, nein, es geht ihm schon viel besser als vor einem Jahr an dem schrecklichen Tag, als ich ihn in der Klinik besuchte. Dahin war er geschickt worden, weil die Ärzte und Schwestern dachten, er hätte selbst mit dem Messer auf sich eingestochen. Zwar hatte er sich geritzt, aber es war sein Vater, der damit angefangen hatte, ihn zu verletzen, und der ihn am Ende fast umgebracht und die Zukunft ruiniert hätte, die wir jetzt haben.
»Klopf, klopf.« Seth klopft an und steckt den Kopf zur Tür herein. »Hey, was ist los? Wieso beantwortest du deine SMS nicht?«
Ich klemme meinen Stift zwischen die Seiten meines Tagebuchs und greife nach dem Telefon auf meinem Bett. »Entschuldige, ich hatte vergessen, dass ich vorm Kurs die Lautstärke runtergedreht hatte.« Ich stelle sie wieder lauter, während Seth übertrieben beleidigt guckt und in mein Wohnheimzimmer kommt.
Er ist so wie immer durchgestylt in seinem schwarzgrauen Pulli, der dunkelblauen Jeans und den Converse-Turnschuhen; und natürlich ist sein honigblondes Haar perfekt zerzaust.
»Heißes Date heute Abend?«, frag