: Ludger Bücker
: Mit der Waschmaschine durch Deutschland
: Goldmann Verlag
: 9783641170615
: 1
: CHF 3.60
:
: Deutschland
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Normale Menschen machen so was nicht: Sich eine alte Waschmaschine schnappen und sie ›Mikaela‹ taufen, sie auf eine Sackkarre schnallen, alle Habseligkeiten in ihre Trommel werfen und sie vom Bodensee aus rheinabwärts bis in den Ruhrpott schieben. Insgesamt gut 1.200 Kilometer in 38 Tagen. Irgendwann in meinem Leben gab es einen Punkt, an dem ich das verrückte Gefühl hatte, genau das tun zu müssen. Und im Nachhinein kann ich sagen: Es war vielleicht die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.« Unterwegs hielt man Bücker für einen Hehler, einen Ehebrecher und einen Müllentsorger. Er trotzte Regen und Sturm, neugierigen Zollbeamten, schlammigen Abhängen und Schnaps trinkenden alten Damen – und eroberte mit seiner ›Mikaela‹ die Herzen der Bevölkerung im Flug ...

Ludger Bücker, 48, ist gelernter Krankenpfleger. Er machte sich im Herbst 2012 auf, Deutschland zu Fuß – und in Begleitung einer Waschmaschine – zu erkunden. Seit seiner 38-tägigen Wanderung den Rhein entlang hat er seine siebzig Kilo schwere »Mikaela« ins Herz geschlossen und war mit ihr auch schon an der Ostsee. Weitere Touren, zum Beispiel über die Alpen, sind in Vorbereitung.

Tag 1 Allensbach

Nun stehe ich hier vor meinem Zug, der mich zum Bodensee bringen wird. Ich bin ganz schön aufgeregt bei dem Gedanken, dass ich erst in fünf oder sechs Wochen wiederkommen werde. Meine Tasche habe ich gestern Abend noch mal platzsparender umgepackt, aber trotzdem habe ich das Ding kaum zubekommen. Beim Gedanken daran, jeden Morgen meine Sachen wieder neu zu packen und dabei noch jedes Mal ganz exakt vorgehen zu müssen, um alles reinzukriegen, habe ich mich dann dafür entschieden, doch lieber ein paar Dinge zu Hause zu lassen und noch etwas Platz zu haben. Für eventuelle Mitbringsel und wegen meiner Schludrigkeit, die sich sicherlich nach ein paar Tagen oder Wochen durchsetzen wird. Wenn ich genervt bin vom Wetter, mir die Knochen wehtun oder mir die Leute auf den Senkel gehen sollten, würde ich unaufmerksam werden. Ich kenne mich ja selbst am besten. Dann wird es so kommen, dass ich die ganzen Klamotten in den Sack stecke und nur noch weiterwill. Da lege ich dann sehr wenig Wert auf »Kofferpacken nach Knigge«. Also bleibt die zweite »Ausgehhose« im Schrank. Was soll ich abends denn schon viel unternehmen? Und wenn, dann gehe ich in meiner Jogginghose los. Mache ich doch hier auch fast jeden Tag. Also was soll es. Außerdem habe ich ja eine Jeanshose an, die muss reichen. Als ich die Tasche schließe, liegen auf meinem Tisch noch zwei Paar Strümpfe, ein Pullover, zwei Unterbuchsen, zwei T-Shirts, ein Buch, eine Ersatztube Sonnencreme und ein Paar Schuhe. Alles Sachen, die ich vermutlich nicht brauchen werde. Und sollte ich feststellen, dass ich mich da doch verschätzt habe, kann ich sie mir bei Bedarf unterwegs kaufen. Alles kein Problem.

Als ich einsteige, merke ich, dass der Zug proppenvoll ist. Na super! Es ist Montagmorgen, und da hätte ich mir schon denken können, dass viele Pendler unterwegs sind. Aber um den Berufsverkehr zu umgehen, hätte ich schon am Sonntag losfahren müssen, und das wollte ich nun wirklich nicht. Dann hätte ich ja noch ein Spiel meiner Fußballmannschaft verpasst. Der 1.SC Lippetal ist seit fast 40 Jahren mein Heimatverein, und so kurz vor meiner Tour wollte ich natürlich noch mal auf den Sportplatz und mir unser Meisterschaftsspiel in der A-Kreisliga angucken. Auch die Kiste Bier im Sportlerheim und die leckeren Bratwürstchen, um den Sieg zu feiern, wären mir in diesem Fall entgangen. Also alles richtig gemacht. So konnte ich mich noch von allen Kumpels und Kumpelinen verabschieden. Die haben schon etwas komisch geguckt, als sie merkten, dass ich das mit der Waschmaschine wirklich ernst meine. Als ich ihnen das erste Mal davon erzählte, haben viele doof geguckt und mich ausgelacht. Nur wenige haben geglaubt, dass ich das versuche, und noch weniger hätten darauf gewettet, dass ich es auch schaffen würde.

Jetzt erst mal mit der ollen Tasche quer durch jedes Abteil und einen nicht reservierten Platz finden. Als ich ganz vorne angekommen bin, drehe ich um und laufe den Weg noch mal zurück. Vielleicht habe ich ja etwas übersehen. Aber da ist nix zu machen.

»Bleib doch ruhig, Junge, alles wird gut. Jetzt bloß nicht über so einen Scheiß aufregen«, ermahne ich mich selbst zu Ruhe und Gelassenheit. Also setze ich mich an so einer Gepäckaufbewahrungsecke auf meine Tasche.

Ich habe ab jetzt sehr viel Zeit, um Leute zu gucken, ein ausgesprochenes Lieblingshobby von mir. Dabei kann