Kapitel 1
Feine Damen mit dreckigen Häusern rufen mich manchmal an. Feine Herren nie.
Bis heute, als dieser Anwaltsfuzzi mit jener Sorte dröhnender Zuversicht in meinen Vormittag hineinplatzte, der man unmöglich widersprechen konnte. Meine Ohren machten dicht, rebellierten gegen diese Dampfwalzenstimme, wehrten seine Worte ab.
»Ich bedauere es außerordentlich, der Überbringer schlechter Nachrichten zu sein.«
Ich war eben erst von dem Putzjob nach Hause gekommen, der immer der schlimmste der ganzen Woche war – die Umkleidekabinen von Surreys versifftestem Freizeitzentrum. Das Telefon klingelte, als ich gerade nach oben gegangen war, um zu baden und mir sämtliche Spuren alter Heftpflaster und Duschabfluss-Haarfänger von der Haut zu schrubben. Während ich, in ein Handtuch gewickelt, das kaum meinen Hintern bedeckte, die Treppe hinunterstapfte, betete ich, dass es Colin mit guten Neuigkeiten in Sachen Arbeit sein möge. Stattdessen stand ich da und hielt mir den Hörer vom Ohr weg, damit kein Wasser hineintropfte, während Mr Vornehm aus kürzester Entfernung drauflosbrüllte, so eine Art Nebelhorn mit Eliteschule-Akzent. Dann hörte ich die Nachricht.
»Ich fürchte, Professor Rose Stainton ist am Freitag verstorben.«
Ich drückte den Hörer gegen die Stirn, während ich mich bemühte zu begreifen, dass meine Lieblingskundin – die auch am besten gezahlt hatte – gestorben war. Meine schrullige Verbündete mit ihren unglaublichen Alte-Dame-Kommentaren und jenen plötzlichen Anwandlungen unerwarteter Freundlichkeit war tot. Ich hatte mich nicht einmal von ihr verabschiedet. Shampooschaum sickerte unter meinem Handtuchturban hervor und vermischte sich mit dem Brennen in meinen Augen.
»Mrs Etxeleku? Sind Sie noch dran?«
»Ja, ich bin noch dran.« Ich machte mir nicht die Mühe, ihn zu verbessern. Ich bin keine Mrs. Inzwischen hatte ich es aufgegeben, darauf zu warten, dass Colin mir einen Antrag machte. Und mein Nachname wirdEch-eleku ausgesprochen, nichtEt-zeleku. Wäre mein Vater doch nur bis zu meiner Geburt bei der Stange geblieben, dann hätte ich einen netten englischen Namen – Windsor, Jones, meinetwegen auch Sidebottom – auf der Geburtsurkunde haben können. Und nicht diese Leerstelle, die meine Mutter stets dazu veranlasste, den Mund zuzukneifen wie eine Venusfliegenfalle, wenn ich darauf zu sprechen kam. Stattdessen schleppe ich seit sechsunddreißig Jahren einen baskischen Nachnamen mit mir herum, den niemand aussprechen kann.
»Wie ist sie gestorben?« Ich hörte das Zittern in meiner Stimme und lehnte mich gegen die Wand. Die kalte Novemberzugluft pfiff unter der Hintertür hindurch und kroch um meine nassen Knie.
»Ein Herzinfarkt.«
»War sie allein?«
»Ja, sie hat es noch geschafft, den Notarzt zu rufen, aber als der Rettungswagen ankam, war sie schon tot.«
Er hörte sich an, als ginge es um eine Bestellung beim Chinesen. Ich war eindeutig bloß eine Nummer auf seiner säuberlich getippten Telefonliste – ein Niemand, jemand, dem er mitteilen musste, dass er keinen Job mehr hatte. Er hielt inne. Ich stellte ihn mir hinter einem schweren Holzschreibtisch vor, wie er rasch auf die Liste hinunterschielte, um zu sehen, wer nach »Putzfrau« kam. Dass ein Mensch, der sein Leben damit verbrachte, Zahnpastaspritzer aus Waschbecken zu wischen,