Schloss Lancre erzitterte. Es erbebte nicht besonders heftig, aber das war auch gar nicht nötig –immerhin schwankte es schon in einer leichten Brise. Ein kleiner Turm neigte sich langsam zur Seite und fiel in die tiefe neblige Schlucht.
Der Narr lag auf den Fliesen und fröstelte im Schlaf. Er wusste die Ehre zu schätzen – wenn es sich tatsächlich um eine Ehre handelte –, aber wenn er im zugigen Flur schlief, träumte er immer von der Narrengilde, hinter deren strengen grauen Mauern er sich durch eine siebenjährige schreckliche Ausbildung geschaudert hatte. Allerdings waren die Fliesen nicht ganz so hart wie die Betten im Gildenhaus.
Anderthalb Meter entfernt klirrte leise eine Rüstung. Die Lanze vibrierte in einer stählernen Faust, sauste wie eine Fledermaus im Sturzflug durch die Luft und prallte dicht neben dem Ohr des Narren auf den Boden.
Er richtete sich auf und stellte fest, dass er noch immer zitterte. Ebenso wie die Steinplatten unter ihm.
In Lord Felmets Zimmer strömten Kaskaden aus Staub vom uralten Himmelbett. Der Herzog erwachte aus einem Traum, in dem ein gewaltiges Ungeheuer ums Schloss gestapft war, und entsetzt dachte er, dass es vielleicht wirklich geschah.
Das Porträt eines vor Äonen gestorbenen Königs fiel von der Wand. Lord Felmet schrie.
Der Narr wankte herein und versuchte, das Gleichgewicht auf einem Boden zu wahren, der sich nun wie Meereswellen hob und senkte. Seine Lordschaft taumelte aus dem Bett und packte ihn am Wams.
»Was ist los?«, zischte er. »Ein Erdbeben?«
»Die sind hier recht selten, mein Lord«, erwiderte der Narr. Er wurde zur Seite gestoßen, als ein Sofa über den Teppich wackelte.
Lord Felmet eilte zum Fenster und blickte über den Wald. Der Mondschein tropfte auf weiße Baumwipfel, die sich in völlig unbewegter Luft von einer Seite zur anderen neigten.
Ein Putzfladen fiel herunter. Der Herzog wirbelte um die eigene Achse, und diesmal griff er so fest zu, dass die Füße des Narren den Bodenkontakt verloren.
Zu dem Luxus, auf den Lord Felmet verzichtete, gehörte auch die Unwissenheit. Er legte großen Wert darauf, ständig zu wissen, was passierte. Die angenehmen Ungewissheiten des Lebens übten keinen Reiz auf ihn aus.
»Die Hexen stecken dahinter, nicht wahr?«, knurrte er. Seine linke Wange begann wie ein Fisch auf dem Trocknen zu zucken. »Sie sind dort draußen, stimmt’s? Sie richten ihren verderblichen Bann auf das Schloss, habe ich recht?«
»Meiner Treu, Onkel …«, begann der Narr.
»Sie regieren dieses Land, oder?«
»Nein, mein Lord, sie haben nie …«
»Wer hat dich gefragt?«
Der Narr zitterte genau entgegengesetzt zum Schloss, und dadurch schien nur e