: Kim Stanley Robinson
: Blauer Mars Die Mars-Trilogie
: Heyne
: 9783641116415
: Die Mars-Trilogie
: 1
: CHF 11.70
:
: Science Fiction
: German
: 992
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es ist die größte Herausforderung, der sich die Menschheit je gegenübersah: die Besiedlung unseres Nachbarplaneten Mars. Die Verwandlung einer lebensfeindlichen Wüstenwelt in einen blauen Planeten wie die Erde. Von der ersten bemannten Landung auf dem Mars über die frühen Kolonien und ihre Auseinandersetzungen, welche Form von Gesellschaft sie erbauen sollen, bis zum riskanten Versuch, das Klima einer ganzen Welt zu verändern - Kim Stanley Robinson erzählt in seiner Mars-Trilogie die Geschichte der Zukunft wie ein großes historisches Epos.

Kim Stanley Robinson wurde 1952 in Illinois geboren, studierte Literatur an der University of California in San Diego und promovierte über die Romane von Philip K. Dick. Mitte der Siebzigerjahre veröffentlichte er seine ersten Science-Fiction-Kurzgeschicht n, 1984 seinen ersten Roman. 1992 erschien mit 'Roter Mars' der Auftakt der Mars-Trilogie, die ihn weltberühmt machte und für die er mit dem Hugo, dem Nebula und dem Locus Award ausgezeichnet wurde. In seinem Roman '2312' erkundet er die verschiedenen Gesellschaftsformen, die die Menschheit nach ihrem Aufbruch ins Sonnensystem erschafft. Zuletzt sind bei Heyne seine Romane 'New York 2140', der in einem vom Klimawandel gezeichneten New York der nahen Zukunft spielt, und sein Bestseller 'Das Ministerium für die Zukunft' erschienen. Kim Stanley Robinson lebt mit seiner Familie in Davis, Kalifornien.

In einem bestimmten Moment vor der Dämmerungleuchtete der Himmel in dem gleichen Rosa wie zu Anfang, blass und klar im Osten, dunkler und voller Sterne im Westen. Ann erwartete diesen Moment, während ihre Gefährten sie in Rovern nach Westen fuhren, auf eine schwarze Landmasse zu, die in den Himmel aufragte – der Tharsis-Buckel, gekrönt von dem breiten Kegel von Pavonis Mons. Als sie von Noctis Labyrinthus kommend bergauf fuhren, stiegen sie über den größten Teil der neuen Atmosphäre empor. Der Luftdruck am Fuß von Pavonis betrug 180 Millibar und fiel dann, als sie die Ostflanke des großen Schildvulkans hinauffuhren, unter 100 Millibar und sank immer weiter. Langsam ließen sie alles sichtbare Blattwerk hinter sich, die Reifen zerdrückten Flecken aus schmutzigem, vom Wind zusammengepresstem Schnee. Dann ließen sie auch den Schnee hinter sich, und es gab nur noch Felsen und die unablässigen dünnen kalten Winde des Jetstreams. Das kahle Land sah genauso aus wie einst in den vormenschlichen Jahren, als reisten sie in die Vergangenheit.

Das stimmte natürlich nicht. Aber in Ann Clayborne erwärmte sich etwas Fundamentales beim Anblick dieser rostroten Welt aus Felsen im ewigen Wind. Und als die Wagen der Roten den Berg hinauffuhren, waren alle Insassen ebenso hingerissen wie Ann, und in den Kabinen wurde es still, als die Sonne über den fernen Horizont hinter ihnen stieß.

Der Hang, den sie hinauffuhren, wurde weniger steil; die Steigung nahm in einer vollkommenen Sinuskurve ab, bis sie sich auf dem flachen runden Gipfelplateau befanden. Hier erblickten sie Kuppelstädte, die den Rand der gigantischen Caldera umgaben, vor allem um den Fuß des Raumaufzugs etwa dreißig Kilometer südlich von ihnen zusammengedrängt.

Sie hielten ihre Rover an. Das Schweigen in den Kabinen war von Verehrung in Wut umgeschlagen. Ann stand an einem der oberen Fenster und blickte nach Süden in Richtung Sheffield, diesem Kind des Raumaufzugs: Es war wegen des Aufzugs erbaut worden; es war zermalmt worden, als der Aufzug abstürzte; und bei dessen Erneuerung neu aufgebaut worden. Das war die Stadt, die sie vernichten wollte, so gründlich, wie Rom es mit Karthago gemacht hatte, denn sie wollte auch das neue Kabel zu Fall bringen, wie es schon mit dem ersten im Jahre 2061 geschehen war. Damit würde ein großer Teil von Sheffield wieder dem Marsboden gleichgemacht werden. Was bliebe, würde nutzlos auf dem Gipfel eines hohen Vulkans liegen, über dem größten Teil der Atmosphäre. Im Laufe der Zeit würden die übrig gebliebenen Bauten aufgegeben und abgerissen werden, sodass nur die Kuppelfundamente bleiben würden. Vielleicht würde es einmal eine Wetterstation geben. Aber schließlich blieb nur die lange, sonnige Stille eines Berggipfels. Das Salz war schon im Boden.

Eine vergnügte Rote aus Tharsis kam ihnen in einem kleinen Rover entgegen und führte sie durch das Labyrinth von Lagerhäusern und kleinen Kuppeln, die die Kreuzung der äquatorialen mit der den Rand umrundenden Straße umgaben. Während sie ihr folgten, schilderte sie ihnen die Lage vor Ort. Der größte Teil von Sheffield und die umliegenden Siedlungen waren schon in der Hand der marsianischen Revolutionäre. Das galt aber nicht für den Raumaufzug und den ihn umgebend