: Terry Pratchett
: Das Erbe des Zauberers Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt
: Piper Verlag
: 9783492972291
: Scheibenwelt
: 1
: CHF 8.90
:
: Science Fiction, Fantasy
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als der Magier Drum Billet seinen Zauberstab gemäß guter Sitte an den achten Sohn eines achten Sohnes übergeben will, macht er einen folgenschweren Fehler: Denn das Neugeborene ist ein Mädchen, und diesen ist der Zutritt zur Unsichtbaren Universität verwehrt. Nun kann nur noch Oma Wetterwachs den Zauberern in Sachen Gleichberechtigung auf die Sprünge helfen ...

Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, erfand in den Achtzigerjahren eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht, und hatte damit einen schier unglaublichen Erfolg: Ein Prozent aller in Großbritannien verkauften Bücher sind Scheibenweltromane. Jeder achte Deutsche besitzt ein Pratchett-Buch. Bei Piper liegen der erste Scheibenweltroman »Die Farben der Magie« sowie die frühen Bände um Rincewind, Gevatter Tod, die Hexen und die Wachen vor - Meisterwerke, die unter den Fans einhellig als nach wie vor unerreicht gelten. Terry Pratchett erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den »World Fantasy Lifetime Achievement Award« 2010. Zuletzt lebte der Autor in einem Anwesen in Broad Chalke in der Grafschaft Wiltshire, wo er am 12. März 2015 verstarb.

Der Adler hockte auf einem Läufer, der vor dem kalten Kamin lag. Er trank ein wenig Wasser, das Oma zuvor mit einigen Zaubersprüchen behandelt hatte – für gewöhnlich machte sie das nur, um Patienten zu beeindrucken, aber man konnte nie wissen, vielleicht nützten sie tatsächlich etwas –, und er fraß auch einige Streifen rohes Fleisch.

Doch er zeigte nicht das geringste Anzeichen von Intelligenz.

Ome Wetterwachs fragte sich, ob sie den richtigen Vogel gefunden hatte. Sie riskierte es erneut, sich ihm zu nähern, blickte in böse funkelnde gelbe Augen und versuchte sich davon zu überzeugen, dass in den Tiefen des animalischen Geistes, in irgendeiner dunklen Ecke, ein kleines Licht flackerte.

Behutsam schaute sie sich im Kopf des Vogels um. Der Geist des Adlers präsentierte sich wie gewohnt, lebendig und scharf. Aber außerdem fühlte sie auch noch etwas anderes. Ein Geist hat natürlich keine Farbe, doch Oma glaubte trotzdem, das Selbst des Vogels als eine Zusammenballung verschiedener violetter Schichten zu erkennen. Und in dieser Masse beobachtete sie ein Gespinst aus dünnen silbernen Linien.

Esk hatte zu spät begriffen, dass der Körper den Geist formt. Das Borgen an sich war harmlos, doch der Traum, in eine andere Gestalt zu schlüpfen, enthielt eine Strafoption.

Oma nahm im Schaukelstuhl Platz, wippte einige Male und gestand sich ein, dass sie nicht mehr weiterwusste. Sie war nicht imstande, zwei miteinander verwobene Geister voneinander zu trennen. Eine solche Aufgabe überstieg die Fähigkeiten aller Hexen in den Spitzhornbergen. Nicht einmal …

Es blieb alles still, aber die Beschaffenheit der Luft veränderte sich irgendwie. Oma beobachtete den Zauberstab, den sie nur widerwillig in ihrer Hütte duldete.

»Nein!«, zischte sie.

Dann dachte sie:Warum sage ich das? Um mich selbst zu überzeugen? Ich kann die magische Macht deutlich spüren. Aber es ist nicht meine Macht.

Allerdings gibt es hier keine andere. Und vielleicht ist es schon zu spät.

Aber vielleicht auch nicht.

Vorsichtig schickte Oma sanfte Gedanken in den Geist des Vogels, um ihn zu beruhigen und die mentalen Gewitterwolken einer beginnenden Panik zu vertreiben. Der Adler leistete keinen Widerstand, als sie nach ihm griff. Die Krallen schlossen sich so fest um ihr Handgelenk, dass Blut aus winzigen Wunden drang.

Dann nahm die alte Hexe den Zauberstab, ging nach oben und betrat das Schlafzimmer mit der durchhängenden Decke. Eskarina lag noch immer reglos im Bett, wie tot.

Sie setzte den Vogel auf die Bettstange und richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Stab. Erneut veränderten sich die Schnitzmuster, um nicht ihre wahre Form zu zeigen.

Oma hatte schon mehrfach Magie benutzt, ging dabei jedoch sehr vorsichtig zu Werke und beschränkte sich darauf, leichten Druck auszuüben, um den Lauf der Dinge zu ändern. Natürlich hätte sie andere Worte gewählt, um diesen Vorgang zu beschreiben, zum Beispiel:Wenn man an der richtigen Stelle sucht, findet man immer einen Hebel. Die im Zauberstab konzentrierte Kraft war gewaltig und formlos: pure Magie, ein Dest