: Mark Spörrle
: Der Baum ist schief! Oh Wahnsinn bringende Weihnachtszeit ...
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644221413
: 1
: CHF 10.00
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Oh, Tannengrauen, Oh, Tannengrauen ... Das Leben könnte so schön sein. Wäre da nicht Weihnachten mit all den quälenden Fragen: Wie heuchelt man Freude bei der Bescherung? Warum sind alle Weihnachtsbaumverkäufer Lügner? Und wo, um Himmels willen, kriegt man eine vegane Gans her? In urkomischen Geschichten erzählt Bestsellerautor Mark Spörrle von eskalierenden Plätzchenback-Wettbewerben, misslungenen Flötenkonzerten und traumatischen Begegnungen zwischen Christkind und Weihnachtsmann. Einziger Trost: Bald ist der Weihnachtswahnsinn wieder vorbei. Zumindest für dieses Jahr...

Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirisch-humorvolle Bücher über den irrwitzigen Alltag. Sein Bahn-Überlebensführer «Senk ju vor träwelling», verfasst mit Lutz Schumacher, stand über ein Jahr unter den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste. Im Rowohlt Verlag erschienen zuletzt seine Satirensammlungen «Ist der Herd wirklich aus?», «Wer hat meine Hemden geschrumpft?» und «Aber dieses Jahr schenken wir uns nichts!». Mark Spörrle ist Autor der Hamburg-Kolumne «Warum funktioniert das nicht?» in der ZEIT.

Alles auf eine Karte


«Sag mal», sagte die Liebste, als wir im Spätsommer an die Weihnachtsvorbereitungen gingen, «wie machen wir es dieses Jahr mit Weihnachtskarten?»

Ich sah sie erschrocken an.

Sie prustete los.

Ich lachte erleichtert mit.

Wir sind aufgeklärte Menschen. Wir haben keine Lust auf den immergleichen Schweinezyklus, auf die ewige Haderei, wen man mit welcher Karte bedenken soll, auf die durchgeschriebenen Nächte vor Weihnachten. Und auf das schlechte Gewissen, wenn einem nach dem Fest scheinheilig genau die Leute schreiben, die man vergessen hat. Woraufhin man ihnen ebenfalls schreiben muss, und zwar unbedingt vor Neujahr. Am Ende ist man dann völlig hysterisch.

Wie gut, dass wir uns diesen Stress nicht mehr antaten. Seit letztem Jahr war unsere Vorweihnachtszeit deutlich entspannter. Und wir hatten uns geschworen, auch diesmal weder Weihnachtskarten zu kaufen noch sie zu versenden, keine einzige, so wahr Gott uns helfe.

«Und selbst wenn einer von uns aus Versehen doch auf die Idee käme, eine Karte zu schreiben», sagte die Liebste Monate später im Plauderton, es war kurz nach Mitternacht, wir saßen im Arbeitszimmer und tippten auf unseren Laptops, «wir hätten überhaupt keine Zeit dafür.»

«Stimmt», sagte ich. «Früher, als man noch Karten schrieb, mussten die Menschen weniger arbeiten. Erst recht vor Weihnachten. Wahrscheinlich war ihnen so langweilig, dass sie nach einem Ausgleich suchten …»

«Mir fallen zwei, drei Geschäftspartner ein, bei denen es heute sicher immer noch so ist», sagte die Liebste nach einer Pause. «Vielleicht wäre es, aus rein beruflichen Gründen, ganz geschickt, ihnen – und nur ihnen – doch frohe Weihnachten zu wünschen.»

«Es gibt wunderbare Vorlagen für Sammel-Mails», sagte ich. «Mit tanzenden oder hüpfenden Christkindern, mit grünen Weihnachtsmännern, mit gestreiften Weihnachtshasen, je nachdem, an was man glaubt. Ich schicke dir mal einen Link …»

«Eine Sammelmail: Bist du sicher, das ist das Richtige?», fragte die Liebste.

«Für besonders wichtige Geschäftsfreunde kannst du auch eine Sammel-SMS nehmen», sagte ich, «das ist persönlicher.»

Die Liebste nickte.

Nur ein paar Tage später, wir hatten so gut wie sämtliche Weihnachtsvorbereitungen abgeschlossen, jedenfalls dachte ich das, sah ich zufälligerweise, wie sie ihre Tasche auspackte. Und einen kleinen Stapel Karten, auf denen sich ein grüner Baum mit Schnee befand. «Du willst doch nicht etwa rückfällig werden?» Ich griff nach einer Schere.

Hastig riss die Liebste die Karten an sich. «Stopp! Es ist nicht, wie du denkst. Ich habe schon eine Sammelmail vorbereitet und eine Sammel-SMS. Ich dachte nur, die fünf, sechs allerwichtigsten Geschäftsfreunde würden sich möglicherweise doch freuen, wenn sie etwas ganz Besonderes bekämen. Guck mal, wir haben in den letzten Tagen ja auch ein paar Karten gekriegt …»

Das hatten wir tatsächlich. Von unserer Bank, die auf die fälligen Kreditraten hoffte. Und von einem Hotel an der Ostsee, in dem wir vor acht Jahren durch Zu