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Gleich nach ihrer Rückkehr zogen Michael und Andreas sich um und setzten ihre Arbeit am Dachstuhl fort.
Julia folgte ihnen nach ein paar Minuten, die Kamera im Anschlag. Sie hatte sich vorgenommen, eine Fotodokumentation von ihrem Aufenthalt und den Fortschritten beim Ausbau zu erstellen.
Die Männer waren dabei, den großen Raum unter dem Dach mit hölzernen Trennwänden zu unterteilen. Bis auf schmale Bereiche an den Seiten konnte man überall bequem stehen.
Als Julia die ersten Bilder schoss, verzog vor allem Michael das Gesicht zu grinsenden Fratzen und vollführte alberne Verrenkungen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, wenigstens ein paar vernünftige Fotos zustande zu bekommen, gab sie es schließlich kopfschüttelnd auf.
Martina saß in der Küche, die Ellbogen auf dem Tisch und das Kinn auf die ineinander verschränkten Hände gestützt. Ihr Blick war auf das Fenster gerichtet, aber Julia bezweifelte, dass sie etwas von dem wahrnahm, was dort draußen vor sich ging. Sie bemerkte Julia erst, als sie neben ihr stand.
»Ich mache mir einen Kaffee. Möchtest du auch einen?«
Martina schürzte die Lippen und nickte dann. »Ja, warum nicht.«
»Die beiden kommen gut voran«, erklärte Julia, während die Maschine mit gedämpftem Summen ihre Arbeit aufnahm. »Warst du überhaupt schon mal da oben, seit wir auf der Insel sind?«
»Nein.«
»Noch kein einziges Mal?« Julia stellte die Tasse mit dem dampfenden Kaffee vor Martina ab und sah sie verwundert an. »Interessiert dich das denn gar nicht? Es ist doch schließlich auch dein Haus.«
»Mein Haus?« Mit einem humorlosen Lachen griff Martina nach der Tasse. »Das Haus haben Andreas’ Eltern gebaut. Damit habe ich nichts zu tun. Ich komme aus einfachen Verhältnissen und habe nichts mit in die Ehe gebracht. Die beiden sorgen dafür, dass Andreas das nicht vergisst.«
Mittlerweile war auch der zweite Kaffee fertig, und Julia setzte sich ebenfalls an den Tisch.
»Wie auch immer, das Haus gehört eurer Familie. Ich wundere mich einfach, dass dich so gar nicht interessiert, was da oben vor sich geht.«
Ich wundere mich sowieso über einiges, was dich betrifft, hätte sie am liebsten hinzugefügt, verkniff es sich aber.
Eine Weile starrte Martina auf die Tasse, dann sagte sie, ohne den Blick abzuwenden: »Wir haben schon vor einiger Zeit aufgehört, uns dafür zu interessieren, was der andere tut.«
»Das klingt hart.«
»Hart? Das war es vielleicht am Anfang, als ich einsehen musste, dass mein Mann eigentlich nicht mit mir, sondern mit seinem Job verheiratet ist.«
Julia nickte. »Ich kenne das von Michael. Er schafft es manchmal auch nicht, abzuschalten, wenn er nach Hause kommt.«
Ein erneutes, kurzes Lachen. »Das ist der Punkt, er kommt immerhin nach Hause. Andreas taucht meistens erst auf, wenn ich schon im Bett liege. Ich warte schon lange nicht mehr auf ihn.«
Mit diesem Gesprächsverlauf hatte Julia nicht gerechnet. Andererseits war das vielleicht die Gelegenheit, herauszufinden, warum Martina sich oft so seltsam benahm.
Julia nahm sich vor, sie nicht zu bedrängen, aber das war auch gar nicht nötig. Martina sprach weiter, offenbar froh darüber, ihrer Frustration Luft machen zu können.
»Ich bin ein praktischer Bestandteil seines Lebens, kümmere mich um das Haus, erledige Papierkram, organisiere alles. Dafür